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Zapping - Die TV-Kritik: Alte Bekannte aus ganz neuer Perspektive
Der Beginn einer großen ...Feindschaft: James Gordon (Ben McKenzie, r.) und Oswald Cobblepot (Robin Lord Taylor).

Zapping - Die TV-Kritik: Alte Bekannte aus ganz neuer Perspektive

Pro7
Der Beginn einer großen ...Feindschaft: James Gordon (Ben McKenzie, r.) und Oswald Cobblepot (Robin Lord Taylor).
Kultur 2 Min. 21.02.2015

Zapping - Die TV-Kritik: Alte Bekannte aus ganz neuer Perspektive

Vesna ANDONOVIC
Vesna ANDONOVIC
Lang ist's her, dass Batman mit wallender Fledermauskappe über den TV-Bildschirm rauschte. Nun erobert „Gotham“, die „Batman“-Fernseh-Prequel-Serie, die europäische Fernsehlandschaft.

Von Vesna Andonovic

Lang ist's her, dass Batman mit wallender Fledermauskappe über den kleinen Bildschirm rauschte und mit seinem Gehilfen Robin – mit passender Sprechblasenbegleitung – Schurken den Garaus machte. Dann verlegte der DC Comics-Superheld seine Karriere eher auf die große Leinwand, wo er nicht nur von Michael Keaton, Val Kilmer und zuletzt Christian Bale verkörpert wurde, sondern auch seine planetare Karriere im Achterbahnrhythmus fuhr.

Gordon (Ben McKenzie, r.) und Bullock (Donal Logue, l.) versuchen, die Stadt zu schützen...
Gordon (Ben McKenzie, r.) und Bullock (Donal Logue, l.) versuchen, die Stadt zu schützen...
Foto: Warner Bros./Pro 7

Bruno Heller, Jahrgang 1960, der u. a. „Rome“ für HBO und „The Mentalist“ für die Konkurrenten von CBS entwickelte, verschiebt in seiner dritten Serien-Entwicklung „Gotham“, für die Fox sich nach einem Wettbieten die Rechte sichern konnte, die Figurenperspektiven leicht und setzt in seinem Fernsehableger der erfolgreichen Comicreihe nicht den Maskierten in den Mittelpunkt des Geschehens, sondern seinen Mentor James Gordon. Natürlich ist auch Bruce Wayne bei „Gotham“ mit von der Partie, nur ist er hier noch der verschreckte kleine Junge, den die Ermordung seiner Eltern schlagartig ins Erwachsenenalter katapultiert.

Ansonsten finden sich auch in dieser für das Fernsehen fachgerecht portionierten Variation auf das bekannte Thema ebenfalls die vertrauten Figuren, die man aus der Comicreihe und den vorherigen Film- und Fernsehadaptierungen kennt – wobei sich die Drehbuchschreiber durch die gefundene Prequel-Finte und den verstärkten Mafia-Touch den notwendigen Freiraum geschaufelt haben, um den Charakteren doch noch unbekannte und demnach interessante Seiten abzugewinnen.

Ben McKenzie gibt den aufstrebenden Jungpolizisten.
Ben McKenzie gibt den aufstrebenden Jungpolizisten.
Foto: Warner Bros. /Pro 7

Ob es wohl an der allgemeinen Faszination für die dunkle Seite des Menschen liegen mag, aber vor allem die Figuren der Bösewichte, allen voran Oswald Cobblepot, dessen markante Physiognomie ihn als den „Penguin“ erkennen lässt, machen das letztlich wirklich Spannende an der Serie aus.

Unterhaltsame Feierabend-Entschleunigung

Nach ihrem Serienstart am 22. September 2014, der bei der Kritik auf eher gemischte Gefühle stieß, läuft „Gotham“ seit einer Woche im deutschen Fernsehen. Werden von Folge zu Folge der Hauptfigur mehr oder minder gelungen entwickelte, neue Fälle präsentiert, so machen die Entwicklung der einzelnen Individuen und die zwischen ihnen entstehende Dynamiken den eigentlichen Reiz der Serie aus.

Der für 44 Folgen als James Gordon verpflichtete Ben McKenzie bringt nicht nur ein unverbrauchtes Gesicht, sondern auch das notwendige Schauspielhandwerk mit, um dem späteren Polizeichef des Großstadt-Molochs Gotham (dessen Zeichnung zuweilen etwas kurz und lieblos gerät), eine gewisse Glaubwürdigkeit zu schenken.

Fish Mooney (Jada Pinkett Smith) ist eine von Gotham zwielichtigen Gestalten.
Fish Mooney (Jada Pinkett Smith) ist eine von Gotham zwielichtigen Gestalten.
Foto: Warner Bros./ Pro 7

Die Nebenrollen sind u. a mit (Mrs. Will Smith) Jade Pinkett-Smith als machthungriger Nachtklubbesitzerin Fish Mooney, dem aus „Borgia“ und „Rizzoli & Isles“ bekannten John Doman als richtig altmodischem Mafiaboss Carmine Falcone und vor allem dem absoluten Figurenhighlight Robin Lord Taylor als dem verstörend aalglatten Oswald Cobblepot abwechslungsreich und schlüssig besetzt.

Wirklich Neues begegnet einem in „Gotham“ nicht; dennoch lässt sich die Serie – ohne große mentale Anstrengung – als passende Entschleunigung vom Berufsalltag genießen. Besonders Comic- und Superheldenfans dürften da auf ihre Kosten kommen, aber auch Liebhaber der typisch amerikanischen Mob-Filme können nicht klagen.

 „Gotham“ läuft  jeweils am Dienstagabend gegen 22.10 Uhr auf Pro 7.