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Zapping - die TV-Kolumne: "Zoo": Die Fauna schlägt zurück
Jackson (James Wolk) und Chloe (Nora Arnezeder) sind von der 
grauenerregenden Hetzjagd der Tiere mitgenommen.

Zapping - die TV-Kolumne: "Zoo": Die Fauna schlägt zurück

Foto: CBS
Jackson (James Wolk) und Chloe (Nora Arnezeder) sind von der 
grauenerregenden Hetzjagd der Tiere mitgenommen.
Kultur 1 2 Min. 10.01.2016

Zapping - die TV-Kolumne: "Zoo": Die Fauna schlägt zurück

Daniel CONRAD
Daniel CONRAD
Ein US-Produkt mehr im Portfolio von ProSieben: „Zoo“ läuft ab dem 13. Januar im Hauptprogramm und bestimmt bis zum Februar die 20.15 Uhr-Primetime des Sender-Mittwochs. Wir haben reingeschaut.

Von Daniel Conrad

Ein US-Produkt mehr im Portfolio von ProSieben: „Zoo“ läuft ab dem 13. Januar im Hauptprogramm und bestimmt bis zum Februar die 20.15 Uhr-Primetime des Sender-Mittwochs – deutlich herausgehoben im Vergleich zu den schon zuvor an- bzw. ausgelaufenen Comic-Adaptionen „Gotham“ und „Flash“, den Dramen im Hoch- und Geldadel „The Royals“ und „Empire“, sowie der Scifi-Serie „The 100“.

Und wer sich bei „Zoo“ schon bei der Werbezeile „Es kommt zum Aufstand der Tiere: Alle Säugetiere verschwören sich gegen die Menschheit“ an Orwells „Animal Farm“ oder Kästners „Konferenz der Tiere“ erinnert fühlt, liegt nicht ganz falsch – nur hier fangen die Tiere erst gar nicht an, groß zu debattieren, sondern setzen gleich deutlichere Zeichen: blutige Spuren, die sich immer weiter weltweit ausbreiten. Ebenso markig ist dann auch schon der im englischsprachigen Original-Teaser verwendete Einstieg, der auf die Erniedrigungen und Schändungen der Tierwelt verweist und ein klassisches Endzeitpanorama entwickelt: „But what if all across the globe the animals decided: ,No more!‘? What if they finally decided to bite back?”

Zahnloser Biss

Was für ein Grundkonstrukt, das aus der Roman-Vorlage von James Patterson und Michael Ledwigde entsprang! – sollte man meinen. Und doch ist erstaunlich, wie gediegen die einzelnen Folgen daherkommen. Um einigermaßen dynamisch zu sein, fasst sogar der ProSieben-Werbespot, der im Vorfeld mächtig die Trommel rühren soll, quasi den Handlungsablauf von drei Folgen zusammen. Das soll wirklich der US-TV-Sommerhit 2015 gewesen sein? Einfach wie eine verdauliche Sommerlektüre plätschern die Handlungsfäden vor sich hin – und leider nimmt diese zähe Umsetzung des Plots auch in den insgesamt 13 Folgen der ersten Staffel nicht wirklich Fahrt auf.

Zudem ist der Zuschauer inzwischen Tierangriffe – und die menschlichen Reaktionen darauf – aus der Filmwelt deutlich besser inszeniert gewohnt. Hitchcock lässt sogar grüßen – und der wusste mit vergleichsweise einfachen Mitteln spannungsgeladener daher zu kommen.

Ist es zuviel verlangt, dass heute revolutionäres Zoo-Großwild im Großstadtdschungel und ausgetickte Haus-Schmusetiger in der Vorstadt dramatischer daherkommen; aber Fehlanzeige – selbst die echten Raubkatzen, die eingesetzt wurden, verströmen nur selten einen furchteinflößenden Hauch.

Erkennbare Strickmuster

An dieser Stelle müssten dann die Charaktere die Spannung retten. Stattdessen aber lässt die Serie die Protagonisten zwischen Umweltaktivisten und journalistischen Aufklärern auf der Suche nach einem Heilmittel auf gleich mehreren Kontinenten herumjetten – zum Teil recht Klischeeverhaftet und ohne die einzelnen Personen auszuleuchten.

Für Serienexperten erkennbare Strickmuster: die klar denkenden, oft kauzigen Einzelkämpfer, die sich als Team zusammentun müssen, um der Chose auf die Spur kommen – aber dennoch verketzert werden –, der böse und mächtige Biotechnologie-Konzern, der offenbar die Rebellion über Nebenwirkungen genetischer Experimente ausgelöst hat und selbstverständlich ignorante Behörden und Politiker, die entweder korrupt sind oder die falschen Schlüsse ziehen.

Immerhin: Der deutsche TV-Sender ProSieben bleibt damit seiner Linie treu und setzt in seiner Politik eigentlich auf das actionaffine Publikum der jüngeren Zielgruppe, das aber auch zwischendurch auf dem Smartphone herumtippt – und dennoch dann nichts verpasst. Und spätestens seit „Lost“ oder auch „Sex and the City“ weiß ProSieben eine gut gehende Spartenserie – gerade auch im Fantasybereich – für die engere Zuschauerbindung zu schätzen. Nach dem Ende der Ära Raab gilt es eben, sichtbare Markenkerne im Portfolio zu haben. Ein Straßenfeger ist Zoo allerdings nicht.

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„Zoo“, ab Mittwoch, dem 13. Januar auf ProSieben, ausgestrahlt jeweils in Doppelfolgen ab 20.15 Uhr. Wiederholungen gebündelt an den jeweils darauf folgenden Samstagnächten.