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Zapping - die TV-Kolumne: Sperrige Emmy-Gewinner
Peter Dinklage, Darsteller in "Game of Thrones", räumte einen Emmy ab.

Zapping - die TV-Kolumne: Sperrige Emmy-Gewinner

Foto: AFP
Peter Dinklage, Darsteller in "Game of Thrones", räumte einen Emmy ab.
Kultur 2 Min. 21.09.2015

Zapping - die TV-Kolumne: Sperrige Emmy-Gewinner

Dass "Game of Thrones" wieder abräumen würde, war recht klar. Erst bei einem genauerer Blick auf die Preisträgerliste der Emmys wird allerdings klar, dass kaum freie TV-Inhalte ausgezeichnet wurden. Ein Kommentar.

Von Daniel Conrad

Es sind die Inhalte wie der große Abräumer des Abends und gehypte weltweite Erfolg „Game of Thrones“, die Politzirkus-Satire „Veep“, die Serie um Transsexualität „Transparent“ oder die Miniserie „Olive Kitteridge“, die auf dem mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichneten Roman von Elisabeth Strout beruht und den Umgang mit schwierigsten Lebensschlägen zeigt – wer die Gewinnerliste der diesjährigen Emmys, der Sonntagnacht vergebenen US-amerikanischen TV-Oscars, durchschaut, stellt fest: Ausgezeichnet wurden fast durchweg TV-Inhalte, die längst nicht mehr auf legalem Wege frei empfangbar sind.

Der Bezahlsender HBO vor allem und in zweiter Linie auch die als Eigenproduzenten auftretenden Video-on-demand-Anbieter wie Netflix und Amazon stehen im Fokus für ihre Inhalte, für die die Nutzer beim Abruf bezahlen müssen. Steckt hinter dem Erfolg ein Mechanismus, wenn sich werbefinanziertes Massenfernsehen nicht lohnt? 

Die Stärken und Schwächen des Pantoffel-Kinos

Ist etwa aus dem Druck heraus, gegenüber den Usern gerade im Zeitalter der digitalen Gratismentalität einen Mehrwert und eine spürbare Qualität zu bieten, auch der Blick auf die Inhalte gewachsen – was sich nun in den Auszeichnungen widerspiegelt?

Unbestreitbar ist, dass das Genre „Serie“ zum Sammelbecken der Kreativen geworden ist, die früher das Kino bevorzugten – von den Autoren, über die Regisseure bis zu den Schauspielern oder Kameramännern. Die Wachowskis und ihr Projekt „Sense 8“ sind da nur ein Beispiel.

Dieser neue Elan für das Format hat offensichtlich viel bewegt und den Fokus auf das Genre verschoben – zumindest zeigt sich ein Mut zum Experiment, eingeschlossen Ausbruchsversuche aus gewohnten Denkmustern. Sperrige Themen, Protagonisten und komplexe Handlungsgeflechte – siehe „Breaking Bad“ – haben scheinbar die Qualität geliefert, die die Nutzer vermisst haben.

Doch was diese Produkte auch auszeichnet, ist, dass sie oft mit Gewalt, Sex und einer Art Voyeurismus am Andersartigen ködern, die sich der offene TV-Markt in den Vereinigten Staaten kaum erlauben dürfte. 

Welcher Impakt?

Und wie weit geht ihr Impakt im eigenen Land wirklich? In den USA zeigt selbst die viel beschworene aktuelle Auszeichnung an Viola Davis – den ersten Emmy an eine schwarze Hauptdarstellerin – schon die Schere zwischen der Fernsehwelt und der US-amerikanischen Alltagsrealität. Ferguson wird da schon mal überdeckt.

Und dass zumindest an den Emmy-prämierten Serien und ihrer Strahlkraft gezweifelt wird, zeigt sich im Umgang in den europäischen Medienmärkten. Beispiel Deutschland: „Game of Thrones“? Versendet im RTL2-Nachtprogramm, „Downton Abbey“ – ein ZDF-Weihnachtsspecial im Spartenkanal des Senders.

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