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Lupin 2 und der schwere Spannungsbogen
Kultur 1 2 Min. 12.07.2021
Zapping, die Serienkritik

Lupin 2 und der schwere Spannungsbogen

 Der charmante Gentleman-Verbrecher Assane Diop (Omar Sy) ist wieder im Einsatz.
Zapping, die Serienkritik

Lupin 2 und der schwere Spannungsbogen

Der charmante Gentleman-Verbrecher Assane Diop (Omar Sy) ist wieder im Einsatz.
Foto: Netflix
Kultur 1 2 Min. 12.07.2021
Zapping, die Serienkritik

Lupin 2 und der schwere Spannungsbogen

Die Fortsetzung der Erfolgsserie um das Verbrechergenie mit vielen Gesichtern versucht die dramaturgische Spannung des ersten Teils zu halten.

Von Nora Schloesser

Mit dem ersten Teil der französischen Netflix-Serie „Lupin“ erzielten die Produzenten George Kay und François Uzan einen überragenden internationalen Erfolg. Die zweite Staffel beziehungsweise der zweite Teil der ersten Staffel kann sich ebenfalls sehen lassen. Auch wenn die Fortsetzung etwas durchwachsen ist und von einigen Logikfehlern und unrealistischen Szenarien heimgesucht wird, können sich „Lupin“-Fans und die, die es noch werden wollen, auf fünf weitere spannende Folgen freuen.


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Das Katz-und-Maus-Spiel zwischen dem charmanten Gentleman-Verbrecher Assane Diop (Omar Sy) und dem abstoßenden Großkapitalisten Hubert Pellegrini (Hervé Pierre) geht weiter. Nach dem dramatischen Cliffhanger am Ende der ersten Staffel steigt die zweite Staffel in medias res in das Geschehen ein und knüpft nahtlos an die vorherige an.

Packend trotz fehlender Authentizität

Auch im zweiten Teil von „Lupin“ erhält das Publikum Einblick in die raffiniert durchdachten Pläne des an dem an Arsène Lupin angelehnten Protagonisten. Allerdings rücken die meisterdiebischen Augenblicke in den neuen Folgen etwas in den Hintergrund und auch die Referenz auf Maurice Leblancs Romanfigur schwächt allmählich ab, geht glücklicherweise aber nicht ganz verloren.

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Dafür bleibt umso mehr Platz für aufklärende und emotional geladene Flashbacks in Assanes Jugendzeit und frühes Erwachsenenalter, wobei diese Parallelmontagen zwischen Gegenwart und Vergangenheit bisweilen auf geniale Art und Weise eingeblendet werden. 


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So etwa auch während der sehenswerten Polizeiverfolgung von Assane und Benjamin Ferel (Antoine Gouy) in den labyrinthischen Katakomben von Paris. Das Thema Rassismus kommt in der neuen Staffel ebenfalls nicht zu kurz. Im Gegenteil: Bereits in der ersten Folge muss der junge Assane (Mamadou Haidara) sich von einem xenophoben Violinenverkäufer diskriminieren lassen, da dieser ihm den Verleih einer Violine verweigert.


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Solche Momente des Alltagsrassismus durchziehen die gesamte Handlung – mal mehr mal weniger plakativ – und machen somit auch auf ein immer noch präsentes Problem in unserer Gesellschaft aufmerksam.

Lag der Fokus der ersten Staffel noch auf der Beziehung zwischen Assane und seinem Vater Babakar Diop (Fargass Assandé), setzt die Serie mit der Vater-Sohn-Beziehung zwischen Assane und Raoul (Etan Simon) einen neuen Schwerpunkt, den man durchaus noch etwas hätte ausweiten können. Überhaupt hätten gehaltvollere Einblicke in Assanes zwischenmenschliche Beziehungen, wie etwa mit Juliette Pellegrini (Clotilde Hesme), der zweiten Staffel, aber auch der gesamten Serie noch mehr Tiefgründigkeit verliehen und den emotionalen Kern etwas hervorgehoben. Vielmehr bewegen sich die anderen Schauspieler und Schauspielerinnen im Schatten von Omar Sy, der durchweg mit seinen gerissenen Tricks und einer guten Portion Humor überzeugt und so das Publikum stets aufs Neue für sich gewinnt.


Der Kleinkriminelle Assane Diop, gespielt von Omar Sy, ist nicht nur großer Fan der Arsène-Lupin-Romane, sondern teilt auch mit seinem Idol das kriminelle Genie.
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Bei so viel Charme und Sympathie des Hauptdarstellers kann den Produzenten der Serie auch das ein oder andere Logikloch verziehen werden, auch wenn manches schlichtweg vollkommen unrealistisch ist. Dass Assane als meistgesuchter Mann Frankreichs nicht nur überall im Fernsehen zu sehen ist, sondern sein Phantombild auch die Titelseiten jeglicher Zeitungen prägt und er trotzdem unbeschwert, ohne aufzufallen durch die Straßen von Paris schlendern kann, grenzt fast schon an ein Wunder. Seine schlichten Kostüme dürften ihm bei seiner Tarnung eigentlich nicht behilflich sein, da diese weder authentisch wirken noch sein Gesicht unkenntlich machen. Schaut man über diese Logiklücken hinweg und erhebt nicht allzu hohen Anspruch auf exakte Realität, dann erweist sich auch der zweite Teil von „Lupin“ als fesselnde Serienfortsetzung, deren Spannungsbogen in der bereits angekündigten dritten Staffel hoffentlich aufrechterhalten bleibt.

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