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Zapping: Die heroische Antithese
Kultur 1 2 Min. 08.09.2019

Zapping: Die heroische Antithese

Hughie Campbell (l., Jack Quaid) und Billy Butcher (r., Karl Urban) wehren sich gegen die ausgetickten 
Superhelden.

Zapping: Die heroische Antithese

Hughie Campbell (l., Jack Quaid) und Billy Butcher (r., Karl Urban) wehren sich gegen die ausgetickten 
Superhelden.
Foto: Amazon / Jan Thijs
Kultur 1 2 Min. 08.09.2019

Zapping: Die heroische Antithese

Patrick BESCH
Patrick BESCH
In der Amazon-Serie „The Boys“ wird der Mythos von Superhelden infrage gestellt.

„Unglücklich das Land, das keine Helden hat“, sagt Andrea Sarti am Ende von Bertolt Brechts „Das Leben des Galilei“. Diese Aussage scheinen sich einige Regisseure und Produzenten in Hollywood wohl zu sehr zu Herzen genommen. In den vergangenen Jahren hat ein Superheldenfilm nach dem anderen die Leinwände in den Kinos weltweit erobert.

Unter den 25 ertragreichsten Filmen aller Zeiten finden sich mittlerweile neun Superheldenstreifen. „Avengers: Endgame“ aus diesem Jahr hat es mit einem weltweiten Einspielergebnis von rund 2,8 Milliarden US-Dollar sogar an die Spitze geschafft. Der Superheldenhype beschränkt sich dabei nicht auf Kinofilme. Zahlreiche Serien wurden den Superhelden mittlerweile gewidmet, die zudem nicht weniger erfolgreich sind.

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Keine Lust auf super Superhelden

Doch nicht jedem gefallen die Superhelden mit ihren Superkräften. Unter ihnen scheinbar Eric Kripke, Evan Goldberg und Seth Rogen. Denn mit ihrer Serie „The Boys“ zeichnen die drei amerikanischen Produzenten ein ganz anderes Bild von Superhelden.

In ihrer Welt sind die Helden keine Saubermänner, die sich ohne Wenn und Aber um das Wohl der Menschheit bemühen, sondern egozentrische, egoistische und scheinheilige Ganoven, die ihre übermenschlichen Fähigkeiten für ihr eigenes Wohlbefinden und ihre eigene Tasche ausnutzen; und dabei ohne Skrupel oder moralische Werte handeln.

Hinter den Helden stehen zudem Technologie- und Entertainmentfirmen, wie zum Beispiel Vought, die aus ihren Kunden eine Marke machen, um möglichst viel Geld einzutreiben. Deshalb versuchen sie auch mit allen Mitteln, das Image der Superhelden reinzuwaschen, indem sie etwa alle Spuren der privaten Eskapaden und Gewalttaten ihrer Kunden verwischen.


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Um den korrupten Superhelden Einhalt zu gebieten, bildet sich eine Anti-Superhelden-Truppe, die sich „The Boys“ nennt. Angeführt wird die Truppe von Billy Butcher, einem Schlachter und Türsteher, der noch eine offene Rechnung mit Homelander hat. Homelander gilt als der nationale Held schlechthin, hat aber Butchers Ehefrau auf verachtende Art und Weise umgebracht.

Homelander ist seinerseits Anführer der „Seven“, einer Truppe voller grausamer und gewaltbereiter Superhelden, die sich in Zukunft um die nationale Verteidigung kümmern soll. Die Serie „The Boys“ schildert also den Kampf zwischen diesen beiden Truppen, die sich diametral voneinander unterscheiden.

An Butchers Seite stehen eine Reihe von doch eher unscheinbar wirkenden Personen, wie etwa der etwas schmächtige und schüchterne Hughie Campbell. Doch Campbell will Rache an den „Seven“ nehmen. A-Train, der schnellste Mensch der Welt, hat auch Campbells Freundin auf dem Gewissen. Ohne sich umzuschauen, hat er sie auf der Straße in Millionen Teilchen zerfetzt.


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Rache ist süß

Es sind genau die Figuren wie Billy Butcher und Hughie Campbell, die „The Boys“ zu einer unterhaltsamen Serie machen. Sie verkörpern gewöhnliche Menschen, die jedoch Außergewöhnliches erreichen können. So stehen sie im Gegensatz zu den Superhelden, die über übermenschliche Kräfte verfügen, aber menschlichen Trieben verfallen. Figuren wie Butcher und Campbell bieten dem Zuschauer damit eine Identifikationsplattform, die es sehr einfach macht, mit ihnen mitzufiebern.

Außerdem kann „The Boys“ auch in seiner technischen Umsetzung überzeugen. Allein die Szene, in der Campells Freundin von A-Train überfahren wird, ist spektakulär. Design, Kameraführung Schnitt und sogar die schauspielerischen Leistungen unterstützen somit die Thematik der Serie, die auf einem Comic basiert.

Ob derbe Sprache, explosive Gewalt oder das etwas versifft wirkende Set – sie alle unterstreichen die Botschaft, dass auch Superhelden nur Menschen sind, die mit menschlichen Trieben zu kämpfen haben. Wer also ein Antimittel zu den nicht enden wollenden Superheldenfilmen sucht, der ist bei „The Boys“ gut aufgehoben. Eine Fortsetzung der Serie hat das Produktionshaus Amazon mittlerweile auch angekündigt. 


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