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Zapping: Designated Survivor: Plötzlich Präsident
Im Kapuzenpullover eine Supermacht regieren: Unverhofft wird Tom Kirkman (Kiefer Sutherland) zum US-Präsidenten.

Zapping: Designated Survivor: Plötzlich Präsident

Foto: ABC Network
Im Kapuzenpullover eine Supermacht regieren: Unverhofft wird Tom Kirkman (Kiefer Sutherland) zum US-Präsidenten.
Kultur 2 2 Min. 16.10.2016

Zapping: Designated Survivor: Plötzlich Präsident

Jack Bauer zieht ins Weiße Haus ein: Kiefer Sutherland bekommt nach "24" eine neue Hauptrolle – diesmal als US-Präsident wider Willen.

Von Pol Schock

Es scheint zunächst nicht der beste Tag für Tom Kirkman (Kiefer Sutherland) zu werden. Dem Minister für Wohnungsbau und Stadtplanung wird unmissverständlich mitgeteilt, dass man in Zukunft nicht mehr auf ihn zählen werde. Er soll irgendeiner Tätigkeit bei einer internationalen Luftfahrtorganisation in Kanada nachkommen.

Kurz: Kirkman wird aufs Abstellgleis gestellt und er akzeptiert die Degradierung kampflos. Sein letzter Akt im Regierungskabinett: Er soll als „Designated Survivor“ dienen. Während der Rede des Präsidenten zur Lage der Nation, bei der der gesamte Staatsapparat der Vereinigten Staaten im Kapitol versammelt ist, soll Kirkman in einem gesicherten Raum verweilen – sozusagen als letzter Reservespieler, falls es zu einem politischen Supergau kommen sollte.

Und ohne großes dramatisches Feingefühl zu besitzen, kann nun wohl jeder ahnen, was als nächstes passieren wird: Das Kapitol fliegt in die Luft – der politische Supergau tritt ein. Frei nach der Serie „24“, die Kiefer Sutherland als „Special Agent“ Jack Bauer berühmt machte, beginnt auch „Designated Survivor“ mit einem großen Knall: Action, Terrorismus und Politik.

Doch diesmal verkörpert Sutherland nicht den Über-Agenten Bauer, der in der Post-9/11-Stimmung den Feinden Amerikas in den Allerwertesten trat, sondern er spielt einen Jedermann. Tom Kirkman ist zwar Regierungsmitglied, aber eigentlich ein ganz normaler Vertreter der Mittelschicht: Ein sanfter Familienmensch, der eher zweifelt als handelt. Unverhofft findet sich dieser Normalo mit weißem Kapuzenpullover im Weißen Haus wieder und erhält die Zugangsdaten für die nuklearen Sprengköpfe.

Und so unschuldig dieser Plot zunächst daherkommt, so wirkt er vor dem Hintergrund des aktuellen amerikanischen Präsidentschaftswahlkampfs dennoch hochgradig politisch. Denn die Vorstellung, dass die gesamte politische Elite des mächtigsten Landes der Welt mit einem Schlag ausgetauscht wird, treibt den Wahlkampf an. Donald Trump verspricht mit seiner populistischen Revolution einen vergleichbaren politischen Neuanfang – auch wenn die Mittel natürlich vollkommen andere sind.

Stell Dir vor, es gibt einen Anschlag und niemand bekennt sich dazu

Doch zurück zur Handlung: Nach dem Terroranschlag herrscht Chaos. Auf den Straßen tobt der Mob, Senatoren wittern ihre Chance, machtpolitisches Kapital aus dem Ausnahmezustand zu schlagen und Kirkman hadert mit seiner Situation, wirkt überfordert: Die Vereinigten Staaten stehen ohne handlungsfähige Spitze vor einer Zerreißprobe.

Hinzu kommt, dass nicht klar ist, wer hinter dem Anschlag steckt. Die Militärs, drängen zwar nahezu klischeehaft auf eine schnelle militärische Reaktion – erst gegen den Iran, dann gegen einen mutmaßlichen islamistischen Terroristen – konkrete Beweise haben sie jedoch nicht. Und so nährt sich nach und nach der Verdacht, dass das Feuer aus den eigenen Reihen stammt ...

„Designated Survivor“ beginnt durchaus vielversprechend: Ein von Spannung getriebenes Szenario mit einem atypischen Helden, der über sich hinauswachsen muss. Doch bereits nach den ersten Folgen wird das fehlende Gespür für politisches Setting und Dialoge klar. Nach dem Realismus von „House of Cards“ wirkt die Szenerie im Weißen Haus in „Designated Survivor“ wie Disneyland.

Geradezu unglaubwürdig naiv bewegen sich Kirkman und seine Frau (Natascha McElhone) durch die Gänge des Weißen Hauses. Und auch seine Widersacher wirken eher plump und berechenbar. Es bleibt zu hoffen, dass die Serie genauso wie ihr Held mit der Zeit über sich hinauswächst.

„Designated Survivor“ läuft auf Netflix. Wöchentlich erscheint eine neue Folge.