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Zapping: Der Konservative trifft auf den Rebellen
Kultur 1 2 Min. 12.01.2020

Zapping: Der Konservative trifft auf den Rebellen

Papst Benedikt (Anthony Hopkins, l.) und Kardinal Jorge Bergoglio (Jonathan Pryce) tauschen ihre Gedanken aus.

Zapping: Der Konservative trifft auf den Rebellen

Papst Benedikt (Anthony Hopkins, l.) und Kardinal Jorge Bergoglio (Jonathan Pryce) tauschen ihre Gedanken aus.
Foto: Netflix
Kultur 1 2 Min. 12.01.2020

Zapping: Der Konservative trifft auf den Rebellen

Marc THILL
Marc THILL
„The Two Popes“ vermittelt lange, aber mit viel Humor gespickte Wortgefechte zwischen zwei mächtigen Männern der katholischen Kirche .

Das Papsttum hat das Interesse der Filmemacher geweckt. Nach Nanni Moretti und seinem „Habemus Papam“ hat Paolo Sorrentino die Serie „The Young Pope“ gedreht, in der Jude Law einen ziemlich verwirrenden Papst verkörpert. Der deutsche Filmemacher Wim Wender holte den aktuellen Papst Franziskus für den Dokumentarfilm „Pope Francis – A Man of His Word“ vor die Kamera, und Fernando Meirelles packte gleich zwei Päpste, Benedikt XVI. und Franziskus, in seinen Film „The Two Popes“, der derzeit auf Netflix abrufbar ist.

Diese Fiktion, in die auch historische Fernsehbilder mit hineinfließen, befasst sich mit dem Nebeneinander von zwei Päpsten in der katholischen Kirche – der eine im Amt, der andere im Ruhestand. Der Film beleuchtet vor allem aber die Zeit davor und zeigt ein Treffen im Jahr 2012 zwischen Franziskus, damals noch Kardinal Jorge Bergoglio, und Papst Benedikt XVI. Der Anlass: Der Argentinier möchte von seinem Amt in Buenos Aires entbunden werden.


Dossier: Die Papstwahl
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Dieses Treffen hat es nie gegeben. Aber Bergoglio hat tatsächlich im Dezember 2012 Benedikt seinen Amtsverzicht angeboten. Dieser entschied dagegen und verlängerte Bergoglios Amtszeit in Buenos Aires um zwei Jahre. Trotzdem rechnete der Argentinier damit, im Laufe des Jahres 2013 aus seinem Amt entlassen zu werden. Nur haben sich im Frühjahr 2013 die Ereignisse auf dem vatikanischen Hügel in Rom überschlagen ... Nach dem überraschenden Rücktritt von Papst Benedikt gelangte Jorge Bergoglio am Ende auf den Heiligen Stuhl.

Tiefgang und Spannung

In seinem Film hat sich Fernando Meirelles in die fiktiven Gespräche zwischen dem konservativen Papst und dem rebellischen Kardinal vertieft. Die geben der Geschichte Tiefgang und Spannung. Diskutiert wird zunächst in der päpstlichen Sommerresidenz Castel Gandolfo, danach im Vatikan in der Sixtinischen Kapelle und in deren Sakristei. Hierbei bittet Bergoglio mehrmals um seine Entlassung, was Benedikt aber ablehnt – er will nicht den Anschein erwecken, er wolle mit Bergoglio einen modernen, reformbereiten Kardinal ausschalten.

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Das Gespräch entwickelt sich zu einer heftigen Debatte darüber, wie sich die Kirche im 21. Jahrhundert zu positionieren habe. Lange Wortgefechte werden geführt, wobei Benedikt auch mal auf Deutsch ein wütendes „Nein“ hinausschreit. Am Ende, ganz beiläufig, sorgt Benedikt dann für den Paukenschlag, indem er Bergoglio seinen Wunsch anvertraut, noch zu Lebzeiten aus dem Amt ausscheiden zu wollen, worauf der Argentinier ihn beerben könne, so der schelmische Plan des Papstes.

Dass dieses fiktive Streitgespräch zwischen Kardinal und Papst, das gut drei Viertel der zweistündigen Produktion in Anspruch nimmt, nicht langweilig wirkt, ist vor allem dem Drehbuchautor Anthony McCarten zu verdanken. Er hat die Dialoge auch für „The Darkest Hour“, den Historienfilm über Winston Churchill, geschrieben. In „The Two Popes“ gelingt ihm ein spannender Schlagabtausch zwischen zwei weisen und mächtigen Männern, gespickt mit viel Humor, ein Disput, den man sich so nicht auf höchster vatikanischer Ebene erwartet hätte. Der Regisseur zeigt aber auch, wie zwei ergraute Kirchenleute ihre eigenen Fehler aufspüren, was sie in ihren jeweiligen Funktionen falsch gemacht haben.

Ergraute Kirchenleute spüren ihre eigenen Fehler auf und legen dar, was sie in ihren jeweiligen Funktionen falsch gemacht haben.
Ergraute Kirchenleute spüren ihre eigenen Fehler auf und legen dar, was sie in ihren jeweiligen Funktionen falsch gemacht haben.
Foto: Netflix

Anthony Hopkins gibt Papst Benedikt ein Charisma, das dieser im wahren Leben womöglich gar nicht hat, das er aber gerade in diesem Film braucht, um als Gegenspieler des leutseligen Jesuiten Bergoglio bestehen zu können. Jonathan Pryce nimmt die Rolle Bergoglios ein.

Nicht nur die Dialoge offenbaren die Widersprüche in der katholischen Kirche. Bilder sagen oft mehr als tausend Worte: Auf der eine Seite Prunk und Protokoll, auf der anderen Schlichtheit und Lebensfreude. Kardinal Bergoglio singt in einem Waschraum im Vatikan „Dancing Queen“ von Abba und bestellt Pizza und Limonade bei einem Straßenverkäufer.


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