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Zapping: Das gewisse Etwas
Kultur 1 3 Min. 22.12.2019 Aus unserem online-Archiv

Zapping: Das gewisse Etwas

Im Mittelpunkt der Serie steht ein Haus in den Dünen und vor allem Frauen als Heldinnen.

Zapping: Das gewisse Etwas

Im Mittelpunkt der Serie steht ein Haus in den Dünen und vor allem Frauen als Heldinnen.
Foto: Netflix
Kultur 1 3 Min. 22.12.2019 Aus unserem online-Archiv

Zapping: Das gewisse Etwas

Marcel KIEFFER
Marcel KIEFFER
Die Netflix-Produktion „Zeit der Geheimnisse“ ist eine kurzweilige, ergreifende, einfach schöne Serie.

Konsequent und erfolgreich setzt Netflix seinen Weg im Bereich der Eigenproduktionen außerhalb des amerikanischen Marktes fort und dringt dabei immer weiter in Segmente vor, die seit jeher zu den Komfortzonen lokaler Anbieter gehörten. Mit der Gefahr, auf eigenem Terrain von dem US-Streamingriesen den Rang abgelaufen zu bekommen, sehen sich nun auch in Deutschland die Produktionsabteilungen der dominanten öffentlich-rechtlichen Sender konfrontiert, die bisher auf dem Niveau der „kleinen Fiktion“ relativ ungestört unter sich blieben.

Dies ist nun seit dem Start der Netflix-Miniserie „Zeit der Geheimnisse“ vorbei, die es in puncto Besetzung, Thematik, Dramaturgie und Produktionstechnik mit authentischer deutscher Fernsehfilmtradition aufnimmt und dabei in jeder Hinsicht überzeugt. Neben der Leistung hervorragender Schauspieler – in erster Linie die persönlichkeitsstarke Corinna Harfouch – und einem original-deutschen Setting mit entsprechend zeitgeschichtlichem Einschlag, nutzt die Produktion die Gunst des Moments, indem sie sich als einfühlsam-wohlige und dabei gleichsam spannende Weihnachtsgeschichte präsentiert.

Das amerikanische Kino hat uns die immer auch rührenden Geschichten um den Weihnachtsbaum versammelter Familien lieben gelernt. Dass das Modell auch in Europa funktioniert, ist gewusst, doch die Kombination von amerikanischer Originalität und lokalem Ambiente verleiht dieser Netflix-Premiere einen ganz besonderen Charakter.

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Ein Haus in den Dünen

Obwohl wenig neu ist an dieser Miniserie, die in ihren drei Episoden zusammengenommen gerade einmal Spielfilmlänge erreicht, bringt sie in der Kombination von gut gestrickten Drehbuch (Katharina Eyssen), lockerem Erzählstil, erfrischenden Dialogen und unspektakulärer Regieführung (Samira Radsi) jenes gewisse Etwas hervor, das Weihnachtsstories so einzigartig macht.

Die Geschichte erstreckt sich über vier Erzählebenen und hat vor allem Frauen als Heldinnen. Es geht um ein einsam gelegenes Haus in den Dünen über dem Nordseestrand, um komplexe Lebensgeschichten, Familienkonflikte und alte, über Jahrzehnte fortdauernde Verletzungen, um unerfüllte Träume und, natürlich, ein dunkles Familiengeheimnis.


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Das Haus ist das Lebenszentrum von vier Generationen, in dem man sich, alle Jahre wieder, zur Weihnachtszeit trifft. Seine Hüterin ist die mittlerweile gealterte Eva (Corinna Harfouch), die dort ihre Enkelinnen Vivi (Svenja Jung) und Lara (Leonie Benesch) empfängt. Doch in diesem Jahr ist alles anders. Unerwartet taucht auch die Mutter der Mädchen, Sonja (Christiane Paul), auf, deren sprunghaftes Leben die Ursache vieler Vorwürfe, Leiden und Probleme ist. Gleich zum Einstieg der Serie kündigt sich das Ableben der Großmutter an, und doch bleibt sie bis zum ebenso spannenden wie nahegehenden Schluss deren Hauptfigur.

Die Handlung erschöpft sich in der anfänglich komplexen, doch zunehmend leichtfüßigen Darstellung der Charaktere und Lebensstationen von vier einzigartigen Frauen, zu denen sich in den ersten Zeitebenen die liebenswert-rührende Figur der leicht dementen Urgroßmutter Alma (Barbara Nüsse) gesellt. Obwohl präsent, kommen die Männer in dieser zwischen Drama und Komödie geschickt schwankenden Produktion nicht über die Bedeutung von Statisten hinaus, ob es sich um den tyrannischen Großvater handelt oder die eher tölpelhaft gezeichneten vergangenen, aktuellen oder verschmähten Liebhaber dieser verletzbaren, doch auf ihre Weise auch ungemein starken Frauen, in deren chaotisch zerstrittener, aber letztlich verschworener Gemeinschaft das ebenso in die Jahre gekommene Hausmädchen Ljubica (Anita Vulesica) die Rolle der Geheimnisträgerin ausfüllt.


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„Zeit der Geheimnisse“ ist eine kurzweilige, ergreifende, einfach schöne Serie, die durch ihre sensible Annäherung an die Lebensschicksale von vier einzigartigen Frauen in gesellschaftlich und historisch chaotischen wie herausfordernden Zeiten unter die Haut geht. Eine rührende, spannende und zugleich witzige Weihnachtsgeschichte, deren versöhnliches Ende ebenso absehbar ist wie sie den lieb gewonnenen Traditionen des Genres in typischster Weise entspricht.

„Zeit der Geheimnisse“ ist als dreiteilige Miniserie auf Netflix abrufbar. 


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