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ZAPPING: Broadchurch: Eine Stadt sucht einen Mörder
Spannend - aber ganz anders als man es erwartet hätte: die BBC-Produktion "Broadchruch".

ZAPPING: Broadchurch: Eine Stadt sucht einen Mörder

Foto: BBC
Spannend - aber ganz anders als man es erwartet hätte: die BBC-Produktion "Broadchruch".
Kultur 3 Min. 10.05.2015

ZAPPING: Broadchurch: Eine Stadt sucht einen Mörder

Drehbuchautor Chris Chibnails Serie überzeugt durch einen originellen Ansatz und kann so einem bekannten Thema eine attraktiv-neue Seite abgewinnen. Zu sehen: sonntags um 22 Uhr im ZDF.

(vac) - Ein elfjähriger Junge wird im britischen Hafenstädtchen Broadchurch am Strand tot aufgefunden. Ist Danny von den Klippen gestürzt? Hat ihn sogar jemand heruntergestoßen? Nicht nur die Polizei, auch die ganze Stadt in Dorset sucht fieberhaft einen Mörder.

Die Ausgangssituation der neuen BBC-Serie, die schon seit geraumer Zeit auf Netflix und sonntags um 22 Uhr im ZDF – die ursprünglichen acht Folgen werden in vier Doppelfolgen ausgestrahlt und bieten einen passenden Ausklang nach dem „Tatort“ – zu sehen ist, klingt auf den ersten Blick ziemlich vertraut, ja fast schon einfallslos.

Doch man sollte sich nicht täuschen: Die BBC – die die Serie als „Gracepoint“ ebenfalls passend zum US-Gusto aufbereitete –, ist bekannt für die durchweg erfreuliche und im internationalen Vergleich durchaus erfrischende Qualität ihrer Produktionen – cf. die Wiederbelebung von Sherlock Holmes. 

Joker im Ärmel

Und sie hat auch hier einen 
Joker im Ärmel, der das Blatt zum Guten wendet. Kein Wunder demnach, dass die Serie sich in nur einer Staffel eine Zuschauerschaft von 8,7 Millionen aufbauen konnte.


Ein Mordfall vereint und spaltet die Bevölkerung des beschaulichen Broadchurch
Ein Mordfall vereint und spaltet die Bevölkerung des beschaulichen Broadchurch
Foto: BBC

Der Joker heißt Chris Chibnail und hat sich u. a. in „Torchwood“, „Law & Order: UK“, „Camelot“, und vor allem der britischen Kultserie „Dr. Who“ seine Fernsehserien-Drehbuchsporen verdient. In „Broadchurch“ untersucht er mikroskopisch genau und mit chirurgischer Präzision, wie der Tod eines Kindes eine Stadt in ihrer Ganzheit, aber vor allem auf ganz persönlicher Ebene das Leben jedes Einzelnen verändert.

Dabei geht der Drehbuchautor sehr geschickt vor: Selbst die Schauspieler wussten – bis zum Dreh der Auflösung in der letzten Episode – nicht, wer denn nun von ihnen der Kindsmörder ist. Ob dies nun die darstellerische Frische erklärt oder einfach nur Chris Chibnail wohldosierten Spannungsbogen passend unterstützt, ist letztlich zweitrangig.

Was am Ende zählt, ist, dass die so entstandene Geschichte dem Zuschauer einen ausgewogenen, anspruchsvollen, und vor allem attraktiven Mix zwischen Geschichte und Charakteren, Geschehen und Psychologie bietet.

Es geht hoch her bei den Ermittlungen
Es geht hoch her bei den Ermittlungen
Foto BBC

Auch visuell ist „Broadchurch“ ein richtiger Augenschmaus, bei dem die Kamera nicht nur schöne Bilder des idyllischen Küstensettings als simple Kulisse „à la Rosamunde Pilcher“ nutzt, sondern Aufnahmen bewusst einsetzt, um die Innenwelten der Figuren zu spiegeln oder zu kontern.

Figuren mit Relief und Tiefe

Selbst dem Aufeinandertreffen der Klischees der „bösen“, großen, weiten Welt und der „guten“ idyllischen Beschaulichkeit Broadchurchs kann die Serie eine neue Wendung abgewinnen.

Und spiegelt sie passenderweise auch in der Besetzung wider: Die ortskundige Polizistin Ellie Miller (Olivia Colman) bekommt den Fremden Alec Hardy (David Tennant – übrigens der zehnte Dr. Who) vor die Nase gesetzt. Dabei entwickelt sich – auf Basis der geteilten Leidenschaft für die Mission den Täter zu fassen – eine gewisse „Band of Brothers“-Solidarität, in der ein jeder seinen Charakter zwar stur behaupten kann und trotzdem effizient zusammengearbeitet wird.

Jeder ist plötzlich verdächtigt: selbst der Dorfpfarrer.
Jeder ist plötzlich verdächtigt: selbst der Dorfpfarrer.
Foto: BBC

Durchweg sind alle (Neben)-Charaktere mit Liebe zum Detail, sprich einer gesunden Dosis Glaubwürdigkeit, und somit Relief und Tiefe gezeichnet – und bieten dem Zuschauer einerseits interessante Entdeckungen sowie ein breit angelegtes Empathiepotenzial. 

Schlafende Hunde geweckt

Auch in der zweiten Staffel, die international bereits im Januar anlief und wohl bald auf Netflix zu sehen sein wird, verfolgt die Serie konsequent ihren ursprünglichen Ansatz, der sie so schnell und überzeugend aus der Masse der aktuellen Krimiserien hervorstechen ließ: Es gibt keinen weiteren Mordfall, dafür sind die Nachwehen des ersten, u. a. mit dem Prozess, aber umso schmerzlicher.

Die Stadt hat am Ende zwar den Mörder gefunden, den sie gesucht hat, sie hat aber auch noch andere schlafende Hunde geweckt ...

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„Broadchurch“ läuft jeweils sonntags, um 22 Uhr, im ZDF. Die Folgen kann man sich ebenfalls über Netflix ansehen.