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Zapping: Britische Drama-Serie „River“ : Die Opfer bleiben im Kopf
Einer der markantesten Kino- und TV-Darsteller der letzten Jahrzehnte spielt die Hauptrolle: Stellan Skarsgård (r.).

Zapping: Britische Drama-Serie „River“ : Die Opfer bleiben im Kopf

Foto: Netflix
Einer der markantesten Kino- und TV-Darsteller der letzten Jahrzehnte spielt die Hauptrolle: Stellan Skarsgård (r.).
Kultur 1 2 Min. 13.12.2015

Zapping: Britische Drama-Serie „River“ : Die Opfer bleiben im Kopf

Für den hochintelligenten Ermittler John River ist seine Genialität mehr Fluch als Segen, denn sie treibt ihn langsam aber stetig in den Wahnsinn. Die britische BBC-Serie „River“ erzählt vom psychischen Verfall eines brillanten Polizisten, den die Opfer seiner Fälle nicht loslassen wollen.

Von Maria Falkner

Mit dem Mord an seiner Partnerin Stevie (Nicola Walker) kann Ermittler John River (Stellan Skarsgård) nur schwer umgehen. Immer wieder sieht er sich die Aufnahme der Überwachungskamera an, welche die Tat genau aufgezeichnet hat. Vom Wunsch getrieben, den Täter zu finden, beginnt er im Alleingang zu ermitteln und scheitert an seiner nicht erfolgten Trauerarbeit. Denn River halluziniert sich Stevie herbei, spricht mit ihr und durchlebt schöne Momente der Vergangenheit. In seiner Paranoia erscheint ihm dabei nicht nur Stevie sondern er sieht auch andere Opfer, deren Fälle noch nicht gelöst sind.

Serienerfinderin und Drehbuchautorin Abi Morgan stellt nicht die Polizeiarbeit, sondern die psychische Instabilität des Protagonisten in den Vordergrund. In „River“ widmet sie sich unterschiedlichen Trauerkonzeptionen und setzt dabei die mentale Gesundheit ihres Protagonisten aufs Spiel. Im Gegensatz zum Ermittler verarbeitet Stevies Mutter den Tod ihrer Tochter aktiv, kümmert sich um die Auflösung deren Wohnung und um die Beerdigung. River hingegen steht still daneben und wird von seinem Schmerz zerfressen. Lediglich um Stevies Katze kümmert er sich.

Vom Schmerz zerfressen

Authentisch verkörpert Skarsgård den leidenden und paralysierten River, der den Verlust seiner Partnerin nicht akzeptieren möchte. Seine Visionen sind Manifestationen, die seine Trauer sichtbar machen und den Zuschauer erst nach und nach in die Paranoia des Protagonisten eintauchen lassen. Denn sukzessive stellt sich heraus, dass viele der Gesprächspartner Rivers bereits tot sind. Stevie nimmt der Zuschauer erst als tot wahr, als die beiden der Kamera den Rücken kehren und die klaffende Schusswunde auf ihrem Hinterkopf sichtbar wird.

Derartige The-Sixth-Sense-Schocker halten sich jedoch in Grenzen. Die Serie spielt nur zurückhaltend mit Horror-Elementen und bleibt auf dem Boden des Erklärbaren. Abi Morgan gelingt es, dank ihres Feingefühls den Ermittler River an der Kippe zum psychischen Verfall zu konstruieren. Dass sie ein Händchen für getriebene Charaktere hat, weiß der Kinogeher spätestens seit „The Iron Lady“ (2011) und „Shame“ (2011). Auch hier bewies die Drehbuchautorin ein empathisches Gespür für ihre Charaktere und ließ tief in die Seele von Politikerin Margaret Thatcher und in die Psyche eines sexsüchtigen New Yorkers blicken.

Trotzdem funktioniert „River“ vor allem aufgrund von Skarsgårds schauspielerischer Leistung. Obwohl es für den Schweden die erste Cop-Serie ist, gelingt es ihm, in Sekundenschnelle den oft nicht zurechnungsfähigen Polizisten in Rage zu versetzen. Gleichzeitig verleiht er seiner Rolle eine onkelhafte Liebenswürdigkeit, die sich jedoch in größtmögliche Verachtung für die vermeintlichen Täter umwandeln kann. Skarsgård mimt den psychisch angeschlagenen River durchdacht und klug, ohne zu übertreiben.

Nach außen gibt sich der Detektiv kühl und emotional entrückt, weshalb es dem Zuschauer nicht immer leicht fällt, Sympathie für ihn aufzubringen. Dank der Symbiose von Skarsgårds Können und Morgans Empathie für ihre Rollen ist „River“ ein gelungenes Cop-Drama, das den polizeialltäglichen Umgang mit dem Tod in den Vordergrund stellt.

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„River“, britisches Krimi-Drama, seit 18. November auf Netflix, Abonnement ist Voraussetzung


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