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Zapping: Blut und Mörtel
Dan Jones und Britanniens Macht und Glorie.

Zapping: Blut und Mörtel

Ftoto: Channel 5
Dan Jones und Britanniens Macht und Glorie.
Kultur 1 2 Min. 27.11.2016

Zapping: Blut und Mörtel

Thierry HICK
Thierry HICK
Obwohl auch im Serienformat bieten die derzeit auf Netflix abzurufenden Geschichtsstaffeln „Secrets of Great British Castles“ und „Tales of Irish Castles“ die seltene, aber dafür umso bemerkenswertere Mischung aus Information und Unterhaltung.

von Marcel Kieffer

TV-Unterhaltung einmal anders, und das gar nicht mal so schlecht. Fernsehen und Streaming-Plattformen haben definitiv mehr zu bieten als die obligaten Krimi- und Fiction-Serien. Obwohl auch im Serienformat bieten die derzeit auf Netflix abzurufenden Geschichtsstaffeln „Secrets of Great British Castles“ und „Tales of Irish Castles“ die seltene, aber dafür umso bemerkenswertere Mischung aus Information und Unterhaltung.

Burgen und Schlösser beleben eine Vorstellungswelt, die aus den Assoziationen von Macht, Erhabenheit, Ritterprunk, Schlachten, Verliesen und mittelalterlicher Opulenz gestrickt ist, vor allem wenn sich darin die reale Geschichte mischt und das Mysterium um einzelne Schicksale und nationale Historie. Und es sind gerade die Burgen und Festungen in England, Irland, Wales und Schottland, wo Blut und Mörtel sich zu einzigartigen Monumenten aus längst vergangenen, aber immer noch faszinierenden Zeiten ranken.

Bedrohung, Invasion und Fremdherrschaft

Lange bevor Großbritannien aus der Taufe gehoben wurde, hat die Entstehungsgeschichte der Schlösser und Burgen in England eingesetzt. Es dauerte nicht lange, bis sie sich für die benachbarten Völker – die Iren, die Schotten und die Waliser – zu einer Frage von aus England her kommenden Bedrohung, Invasion und Fremdherrschaft entwickelte.

So beschränkt sich „Secrets of Great British Castles“ auf die Beschreibung von sechs Burgen, die das Erscheinungsbild und die Geschichte Großbritanniens während fast tausend Jahren prägten. In seiner (mit Momenten etwas zu sehr) auf Effekte und Dramaturgie setzenden Präsentation erzählt der Historiker und Journalist Dan Jones die Geschichten und Geheimnisse sechs britischer Burgen: Dover, des Londoner Tower, Warwick, Caernarfon (in Wales), Stirling (Schottland), Carrickfergus (Irland).

Schauspieler Simon Delaney erzählt irische Geschichte mit Witz und Ironie.
Schauspieler Simon Delaney erzählt irische Geschichte mit Witz und Ironie.
Foto: TV3

Kriege, Intrigen, Verrat und Mord

Es sind Geschichten, von Kriegen, Intrigen, Verrat und Mord, aber vor allem der Unterjochung Englands nach der Schlacht von Hastings im Jahr 1066 durch die Normannen, und der sich danach ausbreitenden Invasion nach Westen und Norden. Und immer wieder tauchen dieselben historischen Protagonisten auf – die englischen Könige Edward I. und der II., Henri I,, der II. und der VIII., King John, Elisabeth I. –. Die meisten waren herrschsüchtig, grausam, gnadenlos. Auch mit dem Blut ihrer Opfer ist die Geschichte dieser Burgen und Schlösser geschrieben: Thomas Becket, Thomas More, Anne Boleyn, Maria Stuart.

Sie kamen, um zu bleiben

Die von dem irischen Schauspieler Simon Delaney mit Witz und ironischer Distanz in sechs Folgen präsentierten „Tales of Irish Castles“ erzählen zum Teil dieselbe Geschichte am Beispiel einer Vielzahl irischer Schlösser: Dublin Castle, Trim Castle, Carrickfergus, Limerick, Luttrellstown, Kil Kenny, Dunamase, Blarney ... Doch hier steht die irische Geschichte im Vordergrund, nicht jene der sich über die Grenzen ausdehnende Macht und Glorie Britanniens im Gefolge der englischen und anglo-normannischen Könige und Invasoren, die mit ihren Burgen ihre Macht und Dominanz implantierten. Hier wird der in England bewunderte Strongbow, der im 12. Jahrhundert für Henri II. die Iren und Wikinger besiegte, zum „Typen, den wir alle für 800 Jahre der Unterdrückung verantwortlich machen“ (Simon Delaney). „Sie kamen, um zu bleiben“, heißt es anderer Stelle, womit die beiden Serien in ihrer Gegenüberstellung denn auch ihre besondere historische Brisanz offenbaren.

Doch auch von einander unabhängig gesehen, besticht jede der beiden Serien durch eine einzigartige Informationsvielfalt. Gut gemachte Doku-Formate haben eine Zukunft. Von der britischen Serie ist die zweite Staffel bereits in vier Folgen abgedreht.

„Secrets of Great British Castles“ und „Tales of Irish Castles“ sind auf der Streaming-Plattform Netflix abrufbar. Dauer pro Folge jeweils 43 Minuten.