Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Zapping: „Blaumacher“ : Leerstellen in der Mitte des Lebens
Frank (Marc Ben Puch): Ehemann, Vater und Geschäftsmann in der Midlife-Crisis.

Zapping: „Blaumacher“ : Leerstellen in der Mitte des Lebens

Foto: ZDF
Frank (Marc Ben Puch): Ehemann, Vater und Geschäftsmann in der Midlife-Crisis.
Kultur 1 2 Min. 02.07.2017

Zapping: „Blaumacher“ : Leerstellen in der Mitte des Lebens

Frank Sporbert (Marc Ben Puch) scheint ein perfektes Leben zu führen. Trotzdem steigt er eines Vormittags in den Vorratskeller, setzt die Schrotflinte an und verfehlt den Freitod nur knapp.

von Kathrin Schug

Frank Sporbert (Marc Ben Puch) scheint ein perfektes Leben zu führen: Verheiratet, zweifacher Vater, erfolgreicher Geschäftsführer eines florierenden Familienbetriebs, Inhaber eines schicken Einfamilienhauses. Trotzdem steigt er eines Vormittags in den Vorratskeller, setzt die Schrotflinte an und verfehlt den Freitod nur knapp.

Denn hinter der Fassade sieht das Leben dieses Mannes in seinen besten Jahren trostlos aus: Die Ehe – eine leidenschaftslose Zweckgemeinschaft. Die Kinder – wohlstandsverwahrloste Teenager, die ihren Vater primär als Geldautomaten sehen. Und die Firma? Läuft auch ohne ihn gut, muss er feststellen, als er einen wichtigen Vertragsabschluss verschläft und niemand seine Abwesenheit bemerkt.

„Mein Leben ist so flach“

„Mein Leben ist so flach, ich kann meinen eigenen Grabstein sehen“, fasst Frank seine Midlife-Crisis treffend zusammen. Befeuert wird die Krise, als er entdeckt, dass seine adrette Frau Carmen (Lisa Martinek) eine Affäre mit dem durchtrainierten, aber intellektuell unterentwickelten Fitnesslehrer Thomas (Josef Heynert) pflegt.

Mit dieser Exposition setzt die Serie „Blaumacher“ ein, ein Versuch des öffentlich-rechtlichen ZDF, dem serienverwöhnten Jungpublikum Eigenproduktionen schmackhaft zu machen. Mit durchästhetisierten Bildern und einer eingängigen, aber durchaus auch mal moderat-experimentellen Erzählweise lehnt die Serie sich an die großen amerikanischen Vorbilder an. Dreh- und Angelpunkt der Handlung ist das Nachbarsmädchen Sascha (Laura Berlin), eine ebenso blutjunge wie altkluge Erscheinung, die Franks Leben tüchtig durcheinanderrüttelt. Denn wie es das Vorstadtschicksal will, versuchte sie im gleichen Moment wie Frank, sich das Leben zu nehmen. Verbunden in Lebensmüdigkeit und Leid an der Tristesse werden die beiden zu Gefährten.

Die Wurzeln des Leids

Franks neue Freundschaft mit der bildschönen und vorzugsweise mit Hotpants, BH und Holzfällerhemd bekleideten Nachbarin weckt nicht nur das Misstrauen von Ehefrau Carmen, sondern zieht auch darüber hinaus weite Kreise.

Nach und nach legen die Gespräche zwischen der lässig-herben Sascha und dem hilflos-trotteligen Frank dem Zuschauer die Wurzeln seines Leidens offen, und auch die scheinbar souveräne Sascha offenbart schließlich ihre Schicksalsschläge.

„Blaumacher“ erzählt auf den ersten Blick eine schon oft gesehene Geschichte: Von Lolita bis American Beauty wurde das Thema „Älterer Mann trifft junge Frau und stellt sein Leben in Frage“ mal besser, mal schlechter abgehandelt. Besonders ist die ZDF-Serie allerdings in ihrem Fokus, der sich nicht das körperliche Begehren kapriziert, sondern die gefühlte Leere darzustellen versucht, die hinter der Fassade eines geglückten Lebens lauern kann.

Wohltuend anders ist auch die Rolle der Ehefrau, die hier nicht als passiv ertragendes Objekt gezeichnet ist, sondern in spiegelbildlicher Weise einen ähnlichen Kampf ausficht.

Alle 6 Folgen von „Blaumacher“ sind in der ZDF-Mediathek verfügbar.