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Zapping: „Better Call Saul“: Es lebe die Langsamkeit
Wiedersehen mit einem alten bekannten: Giancarlo Esposito aka Gustavo Fring, der smarte Drogenboss mit den beiden Gesichtern.

Zapping: „Better Call Saul“: Es lebe die Langsamkeit

Foto: Michele K.Short/AMC/Sony Pictures Television
Wiedersehen mit einem alten bekannten: Giancarlo Esposito aka Gustavo Fring, der smarte Drogenboss mit den beiden Gesichtern.
Kultur 2 2 Min. 21.05.2017

Zapping: „Better Call Saul“: Es lebe die Langsamkeit

Pol SCHOCK
Pol SCHOCK
Vor etwa drei Jahren durften Fans der Serie „Breaking Bad“ jubeln: Mit „Better Call Saul“ bekam die Serie einen Spin-Off. Mittlerweile stellt sich die Frage: Was ist hier eigentlich Spin-Off von was?

„Show, don’t tell“ – so lautet ein mantraartig-wiederholter Grundsatz, den alle Autoren beherzigen sollten. Für Journalisten, Schriftsteller oder eben Drehbuchautoren gilt: Wer packend und mitreißend schreiben will, muss zeigen und nicht erzählen.

Kein anderes Genre belegt gerade deutlicher die Wirksamkeit dieses Grundsatzes als das Serienformat. Serien haben die Möglichkeit, Charaktere so langsam wie möglich einzuführen und Handlungen so schnell wie nötig zu entwickeln, da sie nach hinten hin nahezu beliebig ausdehnbar sind. Durch diese narrativen Möglichkeiten gelten sie für viele als die neuen großen Gesellschaftsromane des 21. Jahrhundert.

Und als Beispiel dafür wird oftmals „Breaking Bad“ angeführt: Die Geschichte eines krebskranken Nobodys, der zum gefährlichsten Drogenboss Nordamerikas heranwuchs. Fast quälend langsam ließen die Drehbuchautoren um Schöpfer Vince Gilligan diese Entwicklung, die sich in einem Satz erzählen lässt, gedeihen.

Als kurz nach Ende von „Breaking Bad“ dann mit „Better Call Saul“ ein Spin-Off – also ein Ableger – der Serie angekündigt wurde, war die Begeisterung bei den Fans der Serie groß. Und wieder lässt sich die Handlung in einem Satz zusammenfassen: Die Geschichte von James „Jimmy“ McGill, der sich zum zwielichtigen Rechtsanwalt Saul Goodman entwickelt.

Das Ende steht also bereits fest. Langweilig – könnte man also denken. Doch das Gegenteil ist der Fall: Denn „Better Call Saul“ führt den „Show, don't tell“- Grundsatz von „Breaking Bad“ weiter und zeigt in minutiöser Langsamkeit die Entwicklung des Saul Goodman, grandios gespielt von Bob Odenkirk.

Und bei der dritten Staffel, die gerade auf Netflix läuft, kann man gelegentlich auf den Gedanken kommen, dass sie bei ein bisschen weniger Tempo nur noch ein Gemälde wäre; ein faszinierendes Gemälde, das sich ungefähr einmal im Monat ändert.

Bruderkampf

Doch Geduld und Details zahlen sich aus. Die Welt von „Better Call Saul“ wirkt so echt und greifbar, dass man bisweilen das Gefühl hat, die handelnden Figuren wären enge Vertraute aus dem Bekanntenkreis. Durch geschickte Perspektivwechsel wird der Handlungsspielraum sämtlicher Charaktere ersichtlich.

Denn die Geschichte von Jimmy McGill ist eigentlich eine Geschichte von James und Charles „Chuck“ McGill – zwei Brüder, die sich unähnlicher nicht sein könnten. Jimmy, der Problemfall, Chuck, der Erfolgreiche. Und als das Verhältnis zu kippen droht, entfacht ein Machtkampf, dessen Ende wir zwar kennen, doch an dessen Etappen man sich geradezu berauschen kann.

Dazu passt die unaufgeregte – stilvolle – Kameraführung. Leere Landstraße, Landschaft, Himmel, der Horizont von Albuquerque und dann ein Lastwagen, der die Landstraße entlangfährt. Und jede dieser Einstellungen ist so komponiert, dass man sich an ihr nicht müde sieht.

Quasi en passant zeigt „Better Call Saul“ darüber hinaus das „wahre“ Leben in Amerika mitsamt Muffins, Chips und Coffee To Go sowie der für Europäer stets befremdlichen Servicefreundlichkeit.

Der „Show, don't tell“-Grundsatz zieht dabei bis hin zu ethisch-moralischen Fragen: Die Serie urteilt nicht – sie lässt urteilen. Doch besser sie lassen sich das alles nicht erzählen – sondern lieber gleich zeigen.

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„Better Call Saul“ ist auf Netflix abrufbar.


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