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Zapping: Beste Freunde, bis zum bitteren Ende
Kultur 1 3 Min. 01.09.2019

Zapping: Beste Freunde, bis zum bitteren Ende

Nicht erst die drohende Apokalypse macht aus dem Engel Aziraphale (Michael Sheen, l.) und dem Dämon Crowley (David Tennant) eine Zweckgemeinschaft.

Zapping: Beste Freunde, bis zum bitteren Ende

Nicht erst die drohende Apokalypse macht aus dem Engel Aziraphale (Michael Sheen, l.) und dem Dämon Crowley (David Tennant) eine Zweckgemeinschaft.
Foto: Amazon Prime Video/Chris Raphael
Kultur 1 3 Min. 01.09.2019

Zapping: Beste Freunde, bis zum bitteren Ende

Vesna ANDONOVIC
Vesna ANDONOVIC
Zapping der Woche: Bei der Serie „Good Omens“ müssen ausgerechnet ein Engel und ein Dämon das Ende der Welt verhindern – und das geht nur gemeinsam. Die einfallsreiche Story sorgt mit abwechslungsreichem Spannungsbogen und schrägen Charakteren für viel Unterhaltung. Damit geht ein Wunsch des 2015 verstorbenen Terry Pratchett in Erfüllung.

Aus, Schluss, vorbei: Gottes Schöpfung ist dem Untergang geweiht, denn Satan höchstpersönlich hat seinen Sohn auf die Erde geschickt, um mit Hilfe der vier – Zeitgeist oblige – Biker der Apokalypse die gesamte, in sechs Tagen vollbrachte Arbeit zu zerstören.

Nur einen klitzekleinen Haken hat die ganze Sache: der Antichrist ist ein (fast) Elfjähriger, der Adam Young heißt (Sam Taylor Buck, Lorenzo als Kind aus den „Medici“), in einem beschaulichen britischen Dörfchen wohnt und gar nichts von seinem Glück, Pardon seiner unheiligen Mission ahnt. Außerdem sind da noch zwei Entsandte der Himmelsmächte, die es sich in all der Zeit nach Adam und Evas Rauswurf aus dem Paradies, inmitten der Sterblichen inzwischen so gemütlich gemacht haben, dass eine Rückkehr in himmlische und höllische Gefilde ihnen alles andere als attraktiv erscheint.

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Unterschiedlicher könnte das Duo nicht sein, das sich hier aufmacht die Menschheit vor dem Ende zu bewahren: der elegant, weiß gekleidete Engel – und wie könnte es anders sein – Buchhändler Aziraphale (ein wunderbarer Michael Sheen mit ausgeprägter Vorliebe für leibliches Wohlergehen) und der obercoole Dämon Crowley (David Tennant, dessen laszives Spiel wie eine Hommage an Kollege und Landsmann Bill Nighy anmutet), der als Schlange Eva verführte und sich heutzutage mit Bentley fahren, Queen hören und Stauchaos auf der M1 schaffen die Zeit vertreibt.


Unbeirrbare Botschafterin des L(i)ebens
Die Doku „Ask Dr. Ruth“ zeigt, wie eine Holocaustwaise erst zur Scharfschützin und dann zur Sextherapeutin einer ganzen Nation wurde.

Und dann wäre da noch die junge Anathema Device (Adria Arjona), die als Nachfahrin der als Hexe verbrannten Agnes Nutter, die alles vorausgesehen hat, das alles verhindern soll ...

Blasphemie und andere Freuden

Mit der Adaptierung der 1990 erschienenen literarischen Zusammenarbeit „Good Omens: The Nice and Accurate Prophecies of Agnes Nutter, Witch“ erfüllt der britische Schriftsteller Neil Gaiman, der ebenfalls für die Vorlagen von „American Gods“ und „Lucifer“ verantwortlich zeichnet und dessen Kult-Comic „Sandman“ nun von Warner für Netflix produziert werden soll, den letzten Wunsch seines damaligen Ko-Autors, des 2015 verstorbenen Terry Pratchett. 


Zapping: Un coup pas très balèze
«Family Business» ou le pari raté de transformer une boucherie casher en «beucherie» branchée.

Zuvor hatte die Fantasy-Ikone nämlich selbst zehn Jahre lang vergeblich versucht, den Roman auf die große Leinwand zu bringen. Nun ist er dann also auf der kleinen gelandet, büßt aber dabei nichts an seinem gaiman-pratchettesk-schrägem Charme ein, denn das Serienformat bietet eindeutig besser Platz, die von liebenswert-skurrilen Figuren bevölkerte Geschichte zu erzählen, als ein Spielfilm es je könnte. 

An Unterhaltungswert fehlt es nämlich weder dem abwechslungsreich dosierten Spannungsbogen der einfallsreichen Story, noch den schrägen Charakteren. Letztere erweisen sich als perfekte Identifikationsfläche für den Zuschauer und bringen mit Herzblut agierend – allen voran das wundervoll aufeinander abgestimmte Duo Sheen/Tennant – die moralische Botschaft, dass wahre Freundschaft alle Grenzen überwinden kann, mitfühlend jedoch nie rührselig rüber.

Zwei weitere Schauspieler von Weltformat dürfen sich dann zwar nicht auf der Leinwand zeigen, haben aber als die Stimme Gottes und die des Satans durchaus tragende Rollen: Frances McDormand als Allmächtige (!) und Benedict Cumberbatch als ihr Gegenspieler.


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Zapping: Alles, was man auf dem Bildschirm haben sollte
Hier sind alle Serienfans richtig - mit unserer wöchentlichen "Zapping"-Rubkrik bleiben sie stets informiert, was man sehen sollte, und was nicht.

Es wundert wenig, dass eine Online-Petition der „Return to Order“-Vereinigung, dieses blasphemistische Werk zurückzuziehen, weil beispielsweise die Engel-Dämon-Freundschaft ihnen nicht passte, in den USA bis Montagabend 18 Uhr 21.394 Unterschriften sammelte. Dass sie an Netflix verschickt wurde, sorgte nicht nur bei Gaiman für Amüsement, sondern animierte auch Netflix dazu, offiziell zu antworten, man würde selbstverständlich die Serie sofort einstellen.

So leichtfüßig, humorvoll und unterhaltsam kann also das bittere Ende sein, wenn man nur die richtige Gesellschaft an seiner Seite hat – und die ist eben nicht immer die, die man vermutet. Sechs mal sechzig Minuten pure Serienfreude – wie heißt es so schön: Der Teufel steckt im Detail ...
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Die sechs, jeweils 60-minütigen Folgen sind auf Amazone Prime Video abrufbar. 


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