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Zapping: „Babylon” im WDR : Von einer Peinlichkeit zur nächsten
Ein neues Image muss her: Richard Miller (James Nesbitt) – Chef der Londoner Polizei – rekrutiert dazu die ehemalige PR-Chefin von Instagram Liz Garvey (Brit Marling).

Zapping: „Babylon” im WDR : Von einer Peinlichkeit zur nächsten

(FOTO:WDR/NIGHTJACK LTD/DEAN ROGERS)
Ein neues Image muss her: Richard Miller (James Nesbitt) – Chef der Londoner Polizei – rekrutiert dazu die ehemalige PR-Chefin von Instagram Liz Garvey (Brit Marling).
Kultur 1 2 Min. 15.05.2016

Zapping: „Babylon” im WDR : Von einer Peinlichkeit zur nächsten

Pol SCHOCK
Pol SCHOCK
Wenn schwer bewaffnete Einsatzkommandos übereifrig auf vermeintlich Hochkriminelle schießen, Polizisten auf Streife aus purer Langeweile Journalisten anpöbeln und der Zuseher von einer zu schnell geschnittenen Szene zur nächsten gejagt wird, dann wird Seriengenuss zum Serienverdruss.

Von Maria Falkner

Seit dem 10. Mai zeigt der WDR die britische Drama-Komödie „Babylon”. Doch für ein Drama ist sie nicht dramatisch genug und für eine Komödie einfach zu unlustig. Die Produktion büßt bereits in den ersten 10 Minuten ihren Anspruch ein, eine satirische Polizeiserie zu sein. Danny Boyle, Regisseur der Pilotfolge, greift tief in die Kiste der menschlichen Versager und präsentiert Figuren, die mehr peinlich als lustig sind. Bekannt als Regisseur der hochgefeierten Produktionen „Slumdog Millionaire” und „Trainspotting” verwundert Boyles Umsetzung der Pilotfolge, deren Inhalt durchaus Potential für mehr hätte. In Folge konnte kein namhafter Regisseur mehr für die restlichen Episoden gewonnen werden.

Um das Image der Londoner Polizei nach einer Reihe von Fehlentscheidungen wieder aufzupolieren, rekrutiert Richard Miller (James Nesbitt) – Chef der Londoner Polizei – die ehemalige PR-Chefin von Instagram. Liz Garvey (Brit Marling) soll mit ihrer frischen amerikanischen Art den Ruf der hauptstädtischen Ordnungshüter wieder ins rechte Licht rücken. Jedoch nur nach außen hin. Intern darf der Vulkan aus Lügen, Korruption und Rassismus ruhig weiter brodeln. Als dann auf Londons Straßen Schüsse fallen, wird der Frischfang aus Übersee der hungrigen Pressemeute zum Fraß vorgeworfen.

Als Liz den Job in London annimmt, weiß sie nicht, worauf sie sich einlässt. Erst einmal muss sie verkraften, dass ihr Hang zur schonungslosen Ehrlichkeit keineswegs als Stärke wahrgenommen wird. Brit Marling lebt die Rolle der PR-Verantwortlichen und brilliert mit der gekonnten Umsetzung des naiven Optimismus ihres Serien-Ichs. Liz ist die wohl einzige menschlich ernstzunehmende Persönlichkeit unter ihren großteils männlichen Kollegen. Nicht ihr Aussehen, sondern ihr kluges und sympathisches Köpfchen steht im Vordergrund einer Serie, die schwer bewaffnete Protagonisten mit Slapstickeinlagen ins Lächerliche zieht.

Schluss nach nur einer Staffel

Als charmant jedoch respekteinflößend stellt Nesbitt den Nordirland-Veteran Miller dar. Zwar hat er das Herz auf dem rechten Fleck, sitzt aber selbst schon viel zu tief im Korruptionssumpf, um ein wahrer Gegenpol zu seinen Untergebenen zu sein. Dabei ist es vor allem Nesbitt zu verdanken, dass die Figur Miller trotzdem gut wegkommt. Der Schauspieler verleiht seiner Rolle eine angenehme Ernsthaftigkeit und nimmt der Tatsache die Dramatik, dass es sich beim Rest der Truppe um chauvinistische Uniformkasperle handelt. Ihm ist auch zu verdanken, dass man Miller seinen geheimen Wunsch nach Wahrheit und Offenheit abkauft und nicht pausenlos den Kopf über dessen verkorkstes Team schüttelt.

Der deutsche Serienstart von „Babylon” wirbt mit einem satirischen Einblick in die Lebens- und Arbeitswelt einer Großstadtpolizeitruppe. Mit Satire hat die Produktion letztlich nur mehr wenig zu tun, vielmehr kämpft sich der Zuschauer von einer beschämenden Szene zur nächsten. Fans des tiefschwarzen britischen Humors und schadenfreudiger Szenen kommen jedoch durchaus auf ihre Kosten.

Doch selbst in Großbritannien fand man nur wenig Gefallen daran: Nach einer Staffel war dort Schluss.

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„Babylon”, britische Dramedy-Serie, ab 10. Mai sieben Folgen im Nachtprogramm des WDR.


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