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Zapping : "Babylon Berlin": Tanz auf dem Vulkan
Volker Bruch ist als Gereon Rath in „Babylon Berlin“ in geheimer Mission unterwegs.

Zapping : "Babylon Berlin": Tanz auf dem Vulkan

Foto: X-Filme Creative Pool
Volker Bruch ist als Gereon Rath in „Babylon Berlin“ in geheimer Mission unterwegs.
Kultur 1 2 Min. 29.10.2017

Zapping : "Babylon Berlin": Tanz auf dem Vulkan

Diese Serie wird nicht umsonst hochgelobt: „Babylon Berlin“ entführt den Zuschauer in ein Berlin der 1920er-Jahre und schafft es trotzdem erschreckend aktuell zu sein.

Von Kathrin Schug

Dem Berlin der 1920er-Jahre gehört ein ganz besonderer Platz im europäischen Bildgedächtnis: Die Epoche zwischen den Weltkriegen lebt als Erinnerung an glanzvolle Jahre fort, an endlose Nächte Charleston tanzender Freigeister, an Absinth-Bars und eine historisch einzigartige kulturelle Blüte – das Jahrzehnt, in dem Berlin am ehesten Weltstadt war, Anziehungspunkt und Schmelztiegel des europäischen Jetsets.

Mit der Serie Babylon Berlin erwecken Tom Tykwer, Achim von Borries und Henk Handloegten dieses Kapitel mit Furor zum Leben. Frei angelehnt an Volker Kutschers Roman „Der nasse Fisch“ erzählen die Episoden eine wohltuend anspruchsvolle und verwickelte Geschichte, in der das Berlin des Jahres 1929 als Schauplatz authentisch zum Leben erweckt wird.

Zeitgenössische Bildsprache

Die Handlung: Gereon Rath (Volker Bruch), ein junger, kriegstraumatisierter Polizeikommissar aus Köln, wird in die Hauptstadt entsendet, um in geheimer Mission in einem Erpressungsfall zu ermitteln. Im Berliner Polizeikommissariat trifft er auf die charismatische-forsche Berlinern Charlotte Ritter (Liv Lisa Fries), ambitionierte Aushilfskraft bei der Polizei und Teilzeit-Prostituierte. Die Ermittlungen führen das ungleiche Gespann nicht nur in die Tiefen der Berliner Unterwelt, sondern lassen sie auch die Wege der trotzkistischen Splittergruppe um die russische Gräfin Swetlana Sorokina (Severija Janusauskaite) kreuzen, die einen rätselhaften Goldtransport durch Europa ausklügelt.

Ästhetisch bewegt sich die Serie galant zwischen historischen Referenzen an den Stummfilm der Zwanzigerjahre – etwa in den Verfolgungsjagden über die Dächer Berlins – und einer sehr zeitgenössischen Bildsprache, die besonders in den Massenszenen des legendären Tanztempels „Moka Efti“ aufscheint. Auch in der Ausstattung werden Maßstäbe gesetzt: Die Enge und Tristesse der Berliner Hinterhofwohnungen wird mit derselben Akribie gezeichnet wie die herrschaftlichen Altbauwohnungen und – natürlich – der Dreh- und Angelpunkt Alexanderplatz (dem Alfred Döblin ebenfalls im Jahr 1929 seinen berühmten Roman widmete).

Das Regieteam um Tom Tykwer hat eine Serie erschaffen, die mit guten Gründen als Sensation gefeiert wird: Mit großem Detailreichtum, einer grandiosen Besetzung (in Nebenrollen: Benno Fürmann, Hannah Herzsprung, Lars Eidinger und Fritzi Haberlandt) und einer Geschichte mit selten gesehener Sogkraft fächert „Babylon Berlin“ das Panorama einer jungen Demokratie am Abgrund auf. Ein Augenschmaus, der nicht nur Kritiker, sondern auch das Publikum überzeugt: Die Produktion hat beim Bezahl-Sender Sky den zweitbesten Serienstart aller Zeiten hingelegt (hinter „Game of Thrones“). Ab Herbst 2018 wird die Serie auch im öffentlich-rechtlichen Sender ARD ausgestrahlt, der sich an der Finanzierung des 40-Millionen-Euro-Budgets beteiligt hatte.

Gesellschaft am Abgrund

„Babylon Berlin“, so wird schon gemutmaßt, habe das Zeug dazu, der erste deutsche Fernseherfolg von Weltrang seit „Das Boot“ zu werden. Zur reinen Geschichtsstunde verkommt die Serie dabei nie: Die hier gezeigte Gesellschaft am Abgrund, die an politischen Spannungen wie an ihrer eigenen Disparität auf den Abgrund zerreißt, könnte aktueller nicht sein. So formschön und konsequent wie in „Babylon Berlin“ wurde dieser Tanz auf dem Vulkan noch nicht ins Bild gesetzt.

Babylon Berlin läuft seit dem 13. Oktober auf Sky


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