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Zapping: Babos in der Sinnkrise
Kultur 1 2 Min. 24.11.2019

Zapping: Babos in der Sinnkrise

Blick hinter die Kulissen eines Hip-Hop-Labels: Labelboss Kalifa (Murathan Muslu) fällt im "Skylines"-Studio das Dach auf den Kopf.

Zapping: Babos in der Sinnkrise

Blick hinter die Kulissen eines Hip-Hop-Labels: Labelboss Kalifa (Murathan Muslu) fällt im "Skylines"-Studio das Dach auf den Kopf.
Foto: Netflix/Nik Konietzny
Kultur 1 2 Min. 24.11.2019

Zapping: Babos in der Sinnkrise

Jörg TSCHÜRTZ
Jörg TSCHÜRTZ
Mit der Serie „Skylines“ taucht Netflix ins Gangsta-Rap-Milieu von Frankfurt ein.

187 Jahre nach Goethes Tod regiert ein neuer Dichterfürst in Frankfurt. Statt eleganten Versen entwickelt der moderne Sprachkünstler aber lieber derbe Reime. „Die Banken kratzen an den Wolken, ich mich am yarrak, wie komm' ich an Euros?“, rappt Haftbefehl im Vorspann der Netflix-Serie „Skylines“. Hochhäuser, räudige Sprüche, schmutzige Geschäfte – besser könnte man die erste Staffel nicht zusammenfassen.

„Skylines“ ist die vierte deutsche Produktion von Netflix. Erstmals steht das Thema Deutschrap im Mittelpunkt. Kein Zufall: Der Sound aus den Brennpunktvierteln von Frankfurt, Köln oder Berlin ist längst zu einem Millionengeschäft geworden, mit dem sich auch auf der Leinwand prima Geld verdienen lässt – frag nach bei Sido und Bushido. Und in den USA feiert Konkurrent Fox mit der Hip-Hop-Soap „Empire“ gerade große Erfolge.

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In „Skylines“ blickt der Frankfurter Rapmogul Kalifa (Murathan Muslu), dessen Werdegang jenem von Haftbefehl ähnelt, von einem Hochhaus aus auf sein kleines Imperium. Allerdings hat der „Babo“ (Türkisch für „Boss“) Stress mit seinem kriminellen älteren Bruder Ardan (Erdal Yildiz). Der taucht nach längerer Abwesenheit plötzlich wieder in der Stadt auf und will am Erfolg des Plattenlabels Skyline Records mitnaschen. Der Konflikt zwischen den Brüdern eskaliert, als Ardans Drogenkuriere den Keller des Musikverlags in Beschlag nehmen.

Zwischen Hochfinanz und Unterwelt

Krumme Dinger dreht auch Finanz-Heini Raimund (Richy Müller). In der Frankfurter Begegnungszone zwischen Hochfinanz und Unterwelt, in dem Slimfit-Anzüge und Jogginghosen aneinander vorbeilaufen, geht es dem Immobilienjongleur allerdings schnell an den Kragen. Sein Sohn Jinn, zu dem er den Kontakt verloren hat, tüftelt derweil an Hip-Hop-Beats – und landet prompt einen Deal bei Kalifas Erfolgslabel. Im Dunstkreis der Dampfplauderer und Dauerbekifften in den Studios findet sich der junge Mann schnell zurecht. Doch bald bekommt auch Jinn die rauen Seiten des Showgeschäfts zu spüren.

Mit „Skylines“ ist Netflix – auch dank des Mitwirkens zahlreicher echter Genrevertreter – eine glaubhafte Milieustudie über den Gangsta-Rap in Deutschland gelungen. Ähnlich wie im Film „8 Mile“ mit Eminem schafft es Drehbuchautor und Rap-Fan Dennis Schanz, die harten Jungs von ihrer zerbrechlichen Seite zu zeigen und Zwischentöne zwischen den fetten Beats zuzulassen.


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Wer allerdings mit dem Genre und dem prolligen Gequatsche („Abgefuckter Beat, Digger!“) nichts anfangen kann, der wird sich wohl auch von „Skylines“ empört abwenden. Zudem will Dennis Schanz zu viel auf einmal: Die Themen Gangsta-Rap, Insidergeschäfte, Kriminalität, kaputte Familien und Mordermittlungen à la „Tatort“ überfrachten den Plot. Manche Zusammenhänge zwischen den verschiedenen Milieus in der Finanzmetropole am Main wirken zudem arg konstruiert.

Die Serie profitiert von ihren Charakteren, den Leistungen der Darsteller und einem wuchtigen Soundtrack. Der Wiener Kraftlackel Murathan Muslu überzeugt als fein besaiteter Rapmogul in der Sinnkrise. Kalifa hadert mit den illegalen Machenschaften seines Bruders, kann sie allerdings nicht verhindern – und dann sorgt auch noch seine Exfreundin, die verbissene Polizistin Sara (ein rumorender Vulkan: Peri Baumeister), für Risse im Gefühlsbeton.

Nach sechs Folgen fällt das Fazit gemischt aus: Eine Prise weniger Klischee hätte „Skylines“ gut getan. So bleibt die Gangsta-Rap-Saga leider eine unvollendete: Netflix will die Serie nicht fortsetzen.

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Die erste Staffel der Serie „Skylines“ ist auf Netflix in sechs Folgen abrufbar.

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