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Zapping: Auf dünnem Eis
Kultur 1 2 Min. 10.08.2019

Zapping: Auf dünnem Eis

Judy (Linda Cardellini) und Jen (Christina Applegate) in der Netflix-Serie „Dead to Me“.

Zapping: Auf dünnem Eis

Judy (Linda Cardellini) und Jen (Christina Applegate) in der Netflix-Serie „Dead to Me“.
Foto: Saeed Adyani / Netflix
Kultur 1 2 Min. 10.08.2019

Zapping: Auf dünnem Eis

Der Netflix-Serie „Dead to me“ gelingt eine thematische Gratwanderung dank eines perfekten Castings.

Von Marcel Kieffer

Der Mut zum Risiko muss nicht immer von Erfolg gekrönt sein, Beachtung und Anerkennung sollte er in der Regel aber stets verdienen. Die neue Netflix-Produktion „Dead to me“ bewegt sich auf äußerst dünnem Eis, wobei sie der Zuschauererwartung in puncto Spannung, Realismus und Glaubwürdigkeit so Manches abverlangt. Die Ambivalenz des Unterfangens findet im Casting ihren primären und unmittelbaren Ausdruck. Christina Applegate, die auf alle Zeiten wohl immer als Dumpfbacke Kelly Bundy aus der Kult-Sitcom „Eine schrecklich nette Familie“ in Erinnerung bleiben wird, in der Rolle der von Trauer überwältigten Witwe Jen – kann das gut gehen? 

Die Antwort ist schnell gegeben, denn mit Blick auf die Besetzung auch der zweiten weiblichen Hauptrolle Judy mit der zuletzt durch den mit dem oscarprämierten „Green Book“ zu hohen Ehren gekommenen Linda Cardellini zeigt sich, dass die Stärke dieser Serie in der Qualität ihrer Schauspieler liegt. Denn dort, wo das Drehbuch mitunter gefährlich schwächelt, retten Jen und Judy den Einsatz.

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Der schwarzhumorige Anstrich von „Dead to me“ offenbart sich dem Zuschauer zum Auftakt einer Geschichte, die das Leben durchaus geschrieben haben könnte und doch reichlich konstruiert herüberkommt. In einer Trauergruppe lernt die Immobilienmaklerin Jen Harding die lebenslustige, aber doch irgendwie undurchschaubare Künstlerin Judy Hale kennen. Jen hat ihren Ehemann Ted kürzlich bei einem Autounfall mit Fahrerflucht verloren. Sie ist seither verbittert, trinkt viel und hat nur einen Wunsch: dem feigen Mörder ihres Mannes auf die Spur zu kommen. 

Bald schon freundet sie sich mit Judy an, teilt mit ihr all den Schmerz, das Leid und die Sorgen, die ihr innerlich zusetzen. Um so mehr trifft sie das Verhalten Judys, die offensichtlich über den vermeintlichen Verlust ihres Verlobten Steve Wood nicht die Wahrheit gesagt hat. Es wird deutlich, dass die ebenso enigmatische wie liebenswerte Judy, die nach kurzer Zeit auch schon bei Jen einzieht, ein dunkles, auch ihren Seelenfrieden belastendes Geheimnis mit ihrem durchaus lebendigen und mittlerweile ehemaligen Freund teilt.

Kritik an der Verlogenheit amerikanischer Familienidyllen

Und auch hier verdünnt sich das Eis, auf dem Produzentin Liz Feldman ihre bittersüße Crime-Comedy situiert. Denn es bedarf tatsächlich nicht einer überdurchschnittlichen Portion Scharfsinn seitens des Zuschauers, um bald schon das aus der vordergründigen Erzähloptik Unvorstellbare zu erraten. Angesichts der Gefahr, nun in banale Situationskomik abzurutschen – in der Tat fehlt es nicht an zuweilen platt-humorigen Drehbuchausschmückungen – gelingt der Serie dann doch, was sie wohl ohne die profunde und vielseitige Interpretation von Christina Applegate und Linda Cardellini nicht geschafft hätte, nämlich Handlung und Botschaft auf eine neue Ebene zu hieven.


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 Aus der veränderten Optik heraus brechen Ironie und Kritik an der Verlogenheit amerikanischer Familienidyllen und Erfolgsmodellen durch, ebenso wie die Festigkeit individueller Moralvorstellungen und vor allem die Werthaftigkeit solcher in Scheinwelten in den Hintergrund tretenden Begriffen von Freundschaft, Ehrlichkeit und persönlicher Authentizität subtil hinterfragt werden.

Nicht zuletzt, weil „Dead to me“ mit einem fulminanten „cliffhanger“ endet, beantwortet sich die Frage nach einer zweiten Staffel von selbst, wobei man gespannt darauf sein kann, wie die Macher der Serie der Kargheit des Handlungsrahmens noch etwas abgewinnen können, um nicht in letzter Konsequenz erneut von der Leistung und Persönlichkeit der beiden herausragenden Hauptdarstellerinnen abzuhängen.

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„Dead to me“ ist als zehnteilige Serie à 30 Minuten auf Netflix abrufbar.


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