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Zapping: Apples Offensive
Kultur 3 3 Min. 10.11.2019

Zapping: Apples Offensive

Reese Witherspoon und Jennifer Aniston geben die starken Frauen in "The Morning Show".

Zapping: Apples Offensive

Reese Witherspoon und Jennifer Aniston geben die starken Frauen in "The Morning Show".
Foto: AppleTV+
Kultur 3 3 Min. 10.11.2019

Zapping: Apples Offensive

Daniel CONRAD
Daniel CONRAD
Mit Serien wie „See“ und „The Morning Show“ hat der iPhone-Hersteller seinen Dienst AppleTV+ gestartet.

Es sind drei Folgen, – ob bei der neuen Serie „See“ mit dem „Game of Thrones“-Star Jason Momoa oder „The Morning Show“ mit Jennifer Aniston, Reese Witherspoon und Steve Carrell – die neugierig auf mehr machen sollen. Eine kostenfreie Testwoche hat Apple den Streamingfans zum Start seines Dienstes AppleTV+ seit dem 1. November in 100 Ländern eingeräumt – es sei denn, man hat seit 10. September ein Apple-Endgerät erworben; dann ist es gleich ein ganzes Jahr. 

Offiziell liegt der Preis pro Monat bei 4,99 Euro. Das liegt deutlich unter dem Netflix-Tarif, bietet jedoch kaum Inhalte ohne weitere Kauf- und Leihgebühren. Aber das Teilen des Accounts ist möglich und die Inhalte sind über passende Apps selbst auf Amazon-Fire-TV-Geräten, Smart-TVs von Samsung oder gar im Browser unter tv.apple.com aufrufbar. 

Jennifer Aniston spielt die Moderatorin Alex Levy.
Jennifer Aniston spielt die Moderatorin Alex Levy.
Foto: AppleTV+

Das ist ein Angriff in einer Kampfzone, die unter den Kennern längst als „streaming wars“ betitelt wird. Apple reiht sich mit eigenproduzierten Serien und Filmen mit Milliardenbudget kurz vor dem Start des weitaus mächtigeren Disney-Imperiums und seinem Disney+ in diesen Wettbewerb um die Kunden von morgen und ihre Brieftasche weit jenseits klassischer Fernsehsender ein.     

 Qualitätsinhalte   

Doch um im allmählich Einzug haltenden Wirrwarr zu überzeugen, muss der Inhalt auch stimmen. Apple setzt unter anderem auf diese eigenproduzierten und zum Teil prominent besetzten Serien „The Morning Show“, „See“ und „For All Mankind“, die mit jeweils drei Folgen gestartet sind.   
 Dazu kommen alle Folgen von „Dickinson“ sowie die Kinder- und Familienserien wie „Helpsters“, „Snoopy in Space“ und „Ghostwriter“ oder auch der Dokumentarfilm „The Elephant Queen“. Das durch die Ankündigungen wabernde Argument dafür: „Wir liefern wenig, aber dafür eigenproduzierte Qualität.“ 

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Stichprobe Eins: „See“. Die Dystopie erinnert an Elemente von Mad Max, Daredevil und Fantasy-Heilsbringervisionen. Die Ausgangslage: Die Menschheit wurde durch einen Virus stark dezimiert. Die Überlebenden sind blind, hausen verstreut wie Naturvölker in den Resten der Zivilisation. Jahrhunderte nach der Katastrophe versuchen sie mit vielerlei Taktiken durchzukommen und sich gegenüber den lauernden Gefahren zur Wehr zu setzen. Sehende, wie die angenommenen Kinder des Helden Baba Voss (Jason Momoa), oder auch nur der einstigen Sinnesfähigkeit huldigende Menschen werden als Hexen und Ketzer gebrandmarkt. So heißt es für den Stamm um Baba Voss vor der grausamen Queen Kane und ihrer Armee Schutz zu suchen – ihr Helfershelfer und gleichsam die mystische Gestalt der Serie ist der „echte“ Vater der Kinder, der sehende Jerlamarel.

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Als die Kinder dann auch noch dank ihrer Fähigkeit Lesen und Schreiben lernen, „altes Wissen“ entdecken und ihre Vorteile nutzen, stellen sie die Ordnung der Blinden komplett in Frage. Das Schöne an der Serie ist genau diese Perspektive und der Detailreichtum mit dem der Kosmos erzählt wird – sicher auch ein Effekt des vom „Wall Street Journal“ auf 15 Millionen Dollar geschätzten Budgets pro Folge von einer Stunde Länge. Schauspieler, Stuntleute und Hintergrunddarsteller, die blind oder in ihrer Sehfähigkeit eingeschränkt sind, wurden eigens für das Projekt einbezogen, so der blinde Koproduzent Joe Strechay zur Präsentation. 

Und diese Nuancen sind durchaus spürbar: Wie würde man blind kämpfen, jagen, eine Feuerstelle anlegen oder ein Haus bauen? Was bedeutet einer Gesellschaft von Blinden die mögliche Bedrohung durch Sehende? Das macht die Serie durchaus reizvoll sicht- und hörbar. Und es lässt allzu Zartbesaitete über die Gewalt und zur Schau gestellte Selbstbefriedigung als „Beten“ hinwegsehen. 

#METOO

Stichprobe Zwei: „The Morning Show“. Wer hat hier wegen des Erfolgs weggeschaut? Oder ist es eine Intrige? Mitch Kessler (Steve Carrell), Star des „The Morning-Show“-Moderatorenduos, wird sexuelles Fehlverhalten vorgeworfen. Der gesellschaftliche Absturz ist vorprogrammiert. Kessler muss gehen und es droht, dass die Sendung, der Sender, dessen Einnahmen und die Mannschaft um Duopartnerin Alex Levy (Jennifer Aniston) mit untergehen. Und die wehrt sich auf besondere Art.

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Eine Serie zwischen #MeToo, Medienkritik, Karrierefrauen, Minderheiten und alten weißen Männern, sowie generell dem Verhandeln von gesellschaftlichen Bruchlinien in den USA. Aniston als Schauspielerin? Manchmal zu sehr an der Grenze zum „Too Much“ – gerade im Abgleich zu Partnerin Reese Witherspoon. Aber ein spannender Versuch, die Themen so zu fassen. 

Fazit der Stichproben: Das könnte was werden.  


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