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Zapping: American Trauerspiel
Kultur 2 2 Min. 08.12.2019 Aus unserem online-Archiv

Zapping: American Trauerspiel

Cody Fern spielt den teuflischen Michael.

Zapping: American Trauerspiel

Cody Fern spielt den teuflischen Michael.
Foto: FX Channel
Kultur 2 2 Min. 08.12.2019 Aus unserem online-Archiv

Zapping: American Trauerspiel

Kathrin KOUTRAKOS
Kathrin KOUTRAKOS
Wie das immer weiter expandierte Seriensystem „American Horror Story“ seine Kraft verliert.

Als 2011 die erste Staffel von American Horror Story über die Bildschirme flimmerte, waren nicht nur ausgewiesene Horrorfans elektrisiert: Das Storytelling der Anthologie-Serie, die ikonischen Bilder und der meisterhaft inszenierte Grusel setzten neue Maßstäbe für das Genre. Die Geschichte um eine junge Familie, deren Traumhaus sich als Alptraum mit reichlicher Dämonenstaffage entpuppt, katapultierte das angestaubte Geisterhaus-Thema in das Fernsehen der Gegenwart. 

Das Faible für Gänsehaut-Atmosphäre, Schock-Momente und Splatter-Szenen weit jenseits des guten Geschmacks wurde gleichermaßen zum Markenzeichen wie zum Erfolgsrezept von American Horror Story. In den Folgejahren wurden weitere Angst-Orte des (nicht nur) amerikanischen Kollektivbewusstseins bearbeitet. So vielfältig die Historie dieses von Ryan Murphy und Brad Falchuk erdachten Kosmos, so hoch waren die Erwartungen an die jetzt erst bei Netflix erschienene achte Staffel „Apocalypse“ – dabei ist die neunte schon im US-Pay-TV gelaufen.

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Die titelgebende Apokalypse gibt den Auftakt zu dieser eben achten Staffel, deren Spannungsbogen nach der Detonation zahlreicher Atomsprengköpfe rapide abfällt. Während die Erdoberfläche von Feuer verschlungen wird, folgt der Zuschauer einer kleinen, handverlesenen Gruppe, deren Mitglieder sich entweder durch genetische Exzellenz oder großzügige Zahlungen einen der raren Plätze in einem unterirdischen Bunker gesichert haben und dort unter dem strengen Regiment einer „Kooperative“ auf die „neue Weltordnung“ vorbereitet werden. Diese mit großer atmosphärischer Dichte eingeführte Handlung ist jedoch lediglich Aufhänger und Anlass für ein groß angelegtes Stelldichein von Charakteren aus früheren Staffeln.

Nach dem Zusammenbruch

Während der erzählerische Fokus der ersten Folgen auf den unmittelbaren gesellschaftlichen Implikationen eines Zusammenbruchs liegt, fächern die Handlungsstränge sich im weiteren Verlauf immer weiter auf. Die Apokalypse entpuppt sich als Akt im ewigen Kampf zwischen Hexen, Zauberern und dem Antichristen, auch unter den eingeführten Charakteren ist niemand, was er scheint.

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Die daraus folgende Handlung ist keine Geschichte im engeren Sinne, sondern ein postmodernes Nebeneinander verschiedener Erzählungen: In Rückblenden, Referenzen und Zitaten werden Stränge aus früheren Staffeln aufgegriffen und weitererzählt. Dass die Erzählung darüber ihr Epizentrum verliert, liegt in der Natur der Sache. In einem von distanzierter Ironie und oftmals erschreckend schlechten Dialogen geprägten Ton wärmt die Staffel vergangene Handlungen auf, ohne selbst jemals wirklich in Fahrt zu kommen.

Wohlwollend kann man der achten Staffel eine Bedeutungsebene unterstellen, die in der Dialektik von Menschlichkeit und Magie gegenüber Technikhörigkeit eine Kritik am Zeitgeist formuliert – dafür muss man sich allerdings weit auf die Meta-Ebene hinaufbegeben. Wer sich dazu nicht bemüßigt fühlt, sieht eine Staffel, die in ihrem Hang zur Selbstreferenz selbst für Fans der Serie über weite Strecken banal und langweilig ist. Die Serie, die einst das Geschichtenerzählen revolutionierte, hat hier zumindest keine Idee gefunden, die trägt.

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American Horror Story: Apocalypse. Alle Folgen auf Netflix. 


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