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Zapping: Allerlei Probleme in „Please like me“
Ein liebenswerter Nerd: Josh Thomas

Zapping: Allerlei Probleme in „Please like me“

Foto: Pivot
Ein liebenswerter Nerd: Josh Thomas
Kultur 1 2 Min. 12.06.2016

Zapping: Allerlei Probleme in „Please like me“

Brillante Dialoge, trockener Humor: Mit "Please like me" ist Josh Thomas eine Drama-Komödie gelungen auf ähnlichem Niveau wie die Erfolgsserien „Girls“ oder „Louis“.

Von Pit Thommes

Die Nischensender der Öffentlich-Rechtlichen haben sich seit ihrer Einführung 1997 einen Namen als „klein, aber fein“ gemacht. All jene Serien, die für ARD und ZDF zu abgedreht, zu innovativ oder schlichtweg zu lustig sind, kann der Interessierte hier wiederfinden. 

Dies trifft auch auf die australische Drama-Komödie „Please like me“ auf Einsfestival zu. Josh Thomas, Schreiber, Produzent und Schöpfer der Serie, ist seines Zeichens einer der jüngsten und profiliertesten Nummernkomödianten Australiens. Mit Josh hat er ähnlich wie bei „Girls“ oder „Louis“ ein Alter Ego als Hauptfigur geschaffen. 

Josh hat in „Please like me“ allerlei Probleme. In der Eröffnungsszene folgt die Kamera einem riesigen Eisbecher, aus dem Off tönt Joshs Stimme, dass er sich kein hässlicheres Gesicht als sein eigenes vorstellen könne. Noch über dem gemeinsamen Eisbecher macht dann seine Freundin mit ihm Schluss, weil „er mit Sicherheit schwul sei“. Erste homosexuelle Erfahrungen wird Josh noch am gleichen Abend machen, währenddessen sich seine Mutter umzubringen versucht und sein Mitbewohner erneut vergeblich seine eigene Freundin abservieren möchte. 

Die Schauspieler:Nikita Leigh-Pritchard, Josh Thomas, Wade Briggs, Thomas Ward.
Die Schauspieler:Nikita Leigh-Pritchard, Josh Thomas, Wade Briggs, Thomas Ward.
Foto: Pivot

Das Szenario der Serie ist keinesfalls neu. Es folgt einem noch immer pubertierenden 20-Jährigen, der seinen Platz in der Gesellschaft sucht und sein chaotisches Leben neu organisiert. Stolpersteine sind die zahllosen Möglichkeiten einer überraschend feindseligen australischen Gesellschaft, in der Homosexualität als Normabweichung gilt. 

Gleichwohl der Held Josh nicht mit dem realen Josh Thomas zu verwechseln ist, haben Joshs eigene Erfahrungen unzweifelhaft Situationen aus „Please like me“ inspiriert. Dabei stilisiert er sie aber nie zu den Klischees aus US-Sitcoms. Vielmehr erscheinen die Charaktere als vielschichtige Figuren, die jeweils ihren eigenen Regeln zu gehorchen scheinen. Verhaltensmuster, die sie notgedrungen mit anderen Menschen in Konflikt bringen müssen. 

Brillante, trockene Dialoge 

Die Drama-Komödie gewinnt ihren Humor zunächst aus einer gewissen Situationskomik, wie Joshs Versuch, hinter der Tür versteckt, seinen Pyjama anzuziehen. Schnitt hin auf Joshs Bett, worin der offen homosexuelle Geoffrey (Wade Briggs) bereits in der Unterhose wartet. Fast zufällig hat man hier mit Briggs das neueste australische Schauspielertalent eingeführt. 

Die andere Seite des Humors rührt von der Entfremdung der Charaktere her. Gefangen in ihren Rollen, wandeln sie wie Schlafwandler durch das Leben. Sie reagieren mit Reflexen, die dem Zuschauer unweigerlich ein Lachen abgewinnen. 

Mutig ist es von Einsfestival die preisgekrönte Serie im Originalton mit Untertiteln laufen zu lassen. Stets eine halbe Stunde vor der ebenfalls im Originalton gesendeten „Late Night Show with Jimmy Fallon“ sollte „Please like me“ ihr Publikum finden. Dass man gar nicht mehr versucht, die Serie zu übersetzen, ist nicht zuletzt ein Zugeständnis an die Brillanz der trockenen Dialoge, die im australischen Englisch äußerst charmant wirken. 

Gleichzeitig reagiert Einsfestival damit aber auch auf die Forderungen eines jungen, des Englischen mächtigen Publikums, das sich den Fernsehgenuss nicht länger von zweitklassigen Synchronisationen nehmen lassen möchte. Es bleibt zu hoffen, dass man nach der ersten Staffel auch noch Staffel zwei und drei ausstrahlt. Und Down Under wird es wohl auch noch eine vierte Staffel geben. 

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„Please like me“, australisches Drama, immer donnerstags 22.30 Uhr auf Einsfestival.