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Zapping: "Absentia": Der Feind in meinem Kopf
Stana Katic spielt nicht nur die Hauptfigur, sondern hat die Serie auch als Produzentin begleitet.

Zapping: "Absentia": Der Feind in meinem Kopf

FOTO: AXN /AMAZON / ABSENTIA - SEASON 1 - Episode 101.
Stana Katic spielt nicht nur die Hauptfigur, sondern hat die Serie auch als Produzentin begleitet.
Kultur 1 2 Min. 18.02.2018

Zapping: "Absentia": Der Feind in meinem Kopf

Daniel CONRAD
Daniel CONRAD
Sie weiß nichts mehr. Nur Erinnerungsfetzen flackern auf: die weiße Maske ihres Entführers und das Gefühl des Ertrinkens – nach sechs Jahren taucht die Agentin Emily Byrne wieder auf. Doch ist sie immer noch dieselbe? Und was ist aus ihrer Vorzeigefamilie geworden?

Als Emily Byrnes – auf der Jagd nach einem Serienmörder – spurlos verschwindet, wird die Agentin letztlich für tot erklärt. Doch plötzlich wird sie in einer zur Folter ausgebauten Waldhütte – mit einem Wassertank zur Simulation des Ertrinkens – gefunden; ganze sechs Jahre sind vergangen. Ihr Mann Nick, ebenfalls FBI-Agent und Kollege in der gleichen Abteilung des Bostoner Büros, hat geheiratet – und die Suche nach ihr vielleicht zu früh aufgegeben. Der gemeinsame Sohn Flynn wurde von der neuen Frau an dessen Seite, Alice, als Mutter aufgezogen.

Emilys Bruder Neil, einst ein angesehener Arzt, wurde zum Alkoholiker; der gesundheitlich angeschlagene Vater zog sich in ein Altersheim zurück. Und plötzlich muss der wegen des vermeintlichen Mordes an ihr verurteilte, mutmaßliche Entführer und Killer, Conrad Harlow, freigelassen werden. Emily Byrnes erwacht in einer für sie völlig verdrehten Welt.

So macht die Serie zwei Handlungsstränge in düster-dunklem Gewand und harten Kontrasten auf: Da wäre einerseits die neue Suche nach dem Entführer, Folterer und möglichen Serienkiller – und vielleicht auch so etwas wie die Erlösung von den bösen Geistern; und andererseits der Neustart einer „Wiederauferstandenen“ die von Zweifeln geplagt wird.

Ja, die Serie geht soweit, dass Emily plötzlich zur möglichen Täterin mutiert: Was hat sie in den sechs Jahren getan? Ist sie vielleicht sogar, über Jahre gehirngewaschen, einem viel perfideren Spiel als zentrales Puzzleteil ausgeliefert?

Über zehn Folgen kleckert „Absentia“ nicht mit Abgründen: Betrug, Folter, Entführung, Verschwörung, abstruse Wissenschaft, Kindesmissbrauch, Sexpraktiken, Charakterwendungen und allerlei Tiefenpsychologischem. Was für den versierten Zuschauer als Mischung von altbekannten Action-, Thriller- und Horror-Klischees daherkommt, wird für den „Tatort“-gewohnten Durchschnittsseher zum echten Erlebnis. Eben auch, weil mit Stana Katic, bekannt aus „Castle“, eine taffe Frau die Rolle der Einzelkämpferin gegen die ganze Welt einnimmt und die auch glaubhaft darzustellen vermag.

Doch das große Fass, das da aufgemacht wird, wird nur durch die Nähe zur Hauptdarstellerin spannend und wirkt sonst stark komponiert – bei teils starken Kontrasten im Cast (ganz schlimm: der überzogene Bad Cop gespielt von Angel Bonanni).

Vorzeigeprojekt von Sony Pictures Television

Mit dem Format sind allerdings große Hoffnungen verbunden: Sony Pictures Television wollte noch mehr mitmischen. Nicht, dass der Unterhaltungsgroßkonzern nicht schon unter anderem bei „Breaking Bad“ und seinem Spin-Off „Better Call Saul“, „Preacher“. „Blacklist“ und „The Crown“ die Finger im Spiel hätte. Aber ein ganz eigenes. starkes Produkt für den Hauskanal AXN, dem lange als Wiederholungssender verschrienen „Action eXtreme Network“, sollte her. Mit viel Aufwand wurde die Serie platziert, um auf dem Kanal, der als Pay-TV-Angebot und in verschiedenen Vertriebsformen und Plattformen rund um den Globus existiert, seine Wirkung zu entfalten. „Absentia“ ist das Ergebnis und das Streaming seit Anfang Februar auch bei Amazon Prime Video tut sein Übriges. Ob das allein reicht?

Absentia ist im kostenpflichtigen Abo von Amazon Prime Video oder im Pay-TV-Kanal AXN verfügbar.