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Zapping: Aberglaube auf Arabisch
Kultur 1 2 Min. 15.11.2020

Zapping: Aberglaube auf Arabisch

Der charmante Anti-Held dieser Serie ist der zynische Wissenschaftler Dr. Refaat Ismail, gespielt von Ahmed Amin, der als Mann der Ratio alles Übernatürliche zu leugnen versucht.

Zapping: Aberglaube auf Arabisch

Der charmante Anti-Held dieser Serie ist der zynische Wissenschaftler Dr. Refaat Ismail, gespielt von Ahmed Amin, der als Mann der Ratio alles Übernatürliche zu leugnen versucht.
Foto: Netflix
Kultur 1 2 Min. 15.11.2020

Zapping: Aberglaube auf Arabisch

Kathrin KOUTRAKOS
Kathrin KOUTRAKOS
„Paranormal“ oder wie man das Horrorgenre einmal vor anderer Kulisse sehen kann.

Mit der dunklen Jahreszeit hat alle Jahre wieder auch das Horror-Genre Hochkonjunktur: Auch in diesem Jahr sind bei den Streaming-Anbietern einige Neustarts und Fortsetzungen angelaufen, deren Gros aus amerikanischer Produktion stammt und dem Gruselfreund entsprechend vertraute Settings bietet – vom Poltergeist in den Suburbs bis zum Spuk in altenglischen Herrenhäusern.

Mit „Paranormal“, der ersten ägyptischen Netflix-Eigenproduktion, ist nun ein neuer Schauplatz eröffnet: Die Serienadaption des gleichnamigen Bestsellers von Ahmed Khalid Tawfik spielt im Kairo der 1960er-Jahre und wurde auf Arabisch gedreht – deutsche und englische Synchronisationen sind verfügbar. Der charmante Anti-Held dieser Serie ist der zynische Wissenschaftler Dr. Refaat Ismail (Ahmed Amin), der als Mann der Ratio alles Übernatürliche zu leugnen versucht. Sein Credo: Für jedes vermeintlich paranormale Phänomen gibt es eine logische Erklärung.

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So versucht er sich auch mit einer unheimlichen Erscheinung zu arrangieren, die ihn seit einem verhängnisvollen Spiel in seiner Kindheit verfolgt: Ein rätselhaftes Geistermädchen mit dem Namen Shiraz, das dem erwachsenen Refaat mit scheinbar wenig wohlwollenden Absichten immer wieder erscheint.

  Wiedersehen mit einem Geist  

Die Handlung der Serie setzt am 40. Geburtstag des Protagonisten ein, der ein Wiedersehen mit einem weiteren Geist aus seiner Vergangenheit mit sich bringt: Die heimliche Liebe und frühere Studienfreundin aus Schottland taucht in Kairo auf, um sich von ihrer kürzlichen Scheidung zu erholen. Ein Wendepunkt für Refaat, der ohnehin damit ringt, die unglückliche Verlobung mit seiner jüngeren Cousine aufzulösen.

Dieses vertrackte Liebesdreieck ist der Ausgangspunkt für einen ganzen Reigen levantischer Grusel-Mythen, die sich auf die sechs Episoden dieser Pilotstaffel verteilen: Vom obligatorischen Pharaonenfluch über Wüstenmonster und Nachtdämonen bis zum Leibhaftigen selbst führt diese Lehrstunde in Okkultismus, an deren Ende natürlich nichts ist, wie es scheint.

Liebhaber von Schrecksekunden und Bestien in Action kommen hier auf ihre Kosten, insgesamt ist die Qualität dieser Produktion allerdings durchwachsen: Die Dialoge sind über weite Strecken einfallslos, das Drehbuch vorhersehbar und die Effekte oftmals trashig.

Spürbare Mängel

Aber auch, wenn die Serie spürbare Mängel hat – der angenehm knorrige Held trägt souverän durch die Handlung und würzt sie mit seinen sarkastischen Kommentaren aus dem Off. „Paranormal“ skizziert mit wenigen Strichen die Atmosphäre der alten Weltstadt Kairo, die Bindungen und Zwänge einer Großfamilie und diese ganz besondere Erzählfreude und Opulenz arabischer Märchen.

Es ist eine willkommene Abwechslung, das Horrorgenre einmal vor einer anderen Kulisse als der immer gleichen des Westens zu sehen. Bleibt zu hoffen, dass diese Serie nur der Auftakt zu zahlreichen weiteren internationalen Produktionen ist, die den Geschichtenreichtum der Welt greifbar machen – und zwar nicht in Form spätkolonialer Filme wie „Indiana Jones“ oder „Die Mumie“, die erwartete Stereotype reproduzieren und verfestigen, sondern aus der Perspektive von Menschen, deren kulturelles Erbe diese Geschichten sind. Auch das zunehmend redundante Horrorgenre kann davon nur profitieren.

„Paranormal“, alle Folgen auf Netflix. 

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