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Zapping: "4 Blocks": Nebenan, in der Dunkelheit
Toni Hamady (r.) und Vince Kerner sind in dunkle Geschäfte verwickelt. Clanführer Hamady will raus aus der Kriminalität. Doch dann kommt alles anders.

Zapping: "4 Blocks": Nebenan, in der Dunkelheit

Foto: ZDF
Toni Hamady (r.) und Vince Kerner sind in dunkle Geschäfte verwickelt. Clanführer Hamady will raus aus der Kriminalität. Doch dann kommt alles anders.
Kultur 3 3 Min. 10.12.2017

Zapping: "4 Blocks": Nebenan, in der Dunkelheit

Sarah MUENCHEN
Sarah MUENCHEN
Die Serie „4 Blocks“ schafft sowohl ein beeindruckendes als auch ein beunruhigendes Abbild der Gesellschaft. Sie wird zurecht gefeiert, hinterlässt durch ihre Realitätsnähe aber ein unbehagliches Gefühl.

Die Welt ist schlecht, oder zumindest ist sie nicht gut – diesen Eindruck vermittelt zumindest die zu Recht gefeierte Serie „4 Blocks“, die seit vergangener Woche erstmals im Free-TV auf ZDF Neo zu sehen ist.Die deutsche TNT-Produktion entführt den Zuschauer in eine Parallelgesellschaft, die so fern und fremd scheint, aber in Großstädten wie Berlin sehr nah ist. Eine Welt voller Kriminalität, Prostitution, Drogen und Glückspiel.

„4 Blocks“ ist benannt nach den kriminellen Koordinaten des Bezirks um Sonnenallee und Hermannstraße. Die Serie spielt in den Problembezirken von Berlin-Neukölln, in der arabische Großfamilien ganze Kieze beherrschen. Sie erzählt die Geschichte des Libanesen Ali, genannt Toni, Hamady (Kida Khodr Ramadan), der Anführer eines solchen Familienclans ist. Doch die Zeiten ändern sich, plötzlich fallen Hipster und Unternehmer aus ganz Europa in den Kiez ein und bringen alles durcheinander. Hamady will raus aus den dunklen Geschäften.

Nach 26 Jahren sollen er und seine Frau Kalila (Maryam Zaree) nun endlich einen deutschen Pass bekommen. Die Familie mit Tochter Serin (die auch Ramadans leibliche Tochter ist) plant ein normales Leben und will eine Immobilienfirma aufbauen. Doch dann kommt alles anders ...

Das Autorentrio Richard Kropf, Bob Konrad und Hanno Hackfort hat sich bei dieser Serie vom wahren Leben auf der Straße und Polizeiberichten inspirieren lassen. In einer Zeit, in der in Europa täglich über Flüchtlinge diskutiert wird, greift die Serie dieses aktuelle Thema aus einer anderen Perspektive auf.

Im Zuge des libanesischen Bürgerkrieges flüchteten in den 1970er-Jahren viele Libanesen nach Deutschland. So wie die Familie von Kida Khodr Ramadan, der dieses Schicksal mit der Hauptfigur der Serie teilt. Er ist nicht der einzige Darsteller, der viele Parallelen zwischen der Figur, die er spielt und die er ist, aufweist.

Schauspieler mit Knasterfahrung

Seine Brüder werden von den Rappern Massiv alias Wasiem Taha sowie Veysel Gelin gespielt. Die beiden Musiker haben auch bei dem Soundtrack der Serie mitgewirkt. Taha, Sohn palästinensischer Auswanderer, saß selbst dreieinhalb Jahre wegen Körperverletzung im Gefängnis.

Schauspieler Frederick Lau, der auch in der Luxemburger Produktion „Gutland“ die Hauptrolle spielt, hat zwar keine kriminelle Vergangenheit. Und doch spielt er sehr eindringlich Vince Kerner, einen deutschen Freund der Familie, der nach zehn Jahren plötzlich wieder auftaucht.

Die Serie ist nicht nur wegen ihrer realistischen Story, sondern auch dank der Auswahl der Darsteller so gut – es ist eine Mischung aus professionellen Schauspielern wie Lau und Ramadan und Laiendarstellern aus dem Milieu (denen man die fehlende Erfahrung aber nicht anmerkt).

Die Dialoge sind immer geradeaus, oft derb, aggressiv, manchmal lustig; aufgesetzt oder plakativ wirken sie nie. Egal ob auf der Straße, im Bordell, im Park oder in den Wohnräumen – der Zuschauer ist immer mitten drin im Geschehen. Auch dank der besonderen Kameraführung, die den Bewegungen eines Menschen nachempfunden ist und nie still steht. Durch das Auge der Kamera blickt der Zuschauer in eine Welt, die sich für die meisten Menschen unsichtbar in den dunklen Straßen der unzähligen Problembezirke abspielt.

Hauptdarsteller Ramadan sagte vor Kurzem in einem Interview, „4 Blocks“ wäre die authentischste Serie, die je im deutschsprachigen Fernsehen gezeigt wurde. Das spricht für die Serie, aber nicht unbedingt für die Welt, in der wir leben.

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Serie im ZDF, aber nicht in der Mediathek

ZDF Neo zeigt „4 Blocks“ erstmals im öffentlichen Fernsehen – jeden Dienstag um 23.15 Uhr in Doppelfolgen. Die Serie ist aus laut ZDF aus lizenzrechtlichen Gründen allerdings nicht in der Mediathek verfügbar. Online kann sie über den Jugendkanal www.funk.net abgerufen werden – allerdings wegen Jugendschutz-Gründen immer erst nach 22 Uhr. Die erste Staffel umfasst sechs Folgen und wurde bereits auf TNT Serie ausgestrahlt. Die zweite Staffel ist laut dem Produktionsunternehmen Wiedemann und Berg Television in Produktion und soll im Frühjahr nächsten Jahres ausgestrahlt werden.