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Zapping: „11.22.63“: Was wäre, wenn?
Kultur 2 2 Min. 17.04.2016

Zapping: „11.22.63“: Was wäre, wenn?

Englischlehrer Jake Epping (James Franco) versucht den Anschlag auf John  F. Kennedy am 22. November 1963 zu verhindern.

Zapping: „11.22.63“: Was wäre, wenn?

Englischlehrer Jake Epping (James Franco) versucht den Anschlag auf John F. Kennedy am 22. November 1963 zu verhindern.
Foto: HULU
Kultur 2 2 Min. 17.04.2016

Zapping: „11.22.63“: Was wäre, wenn?

Per Zeitreise das Kennedy-Attentat verhindern? Unser TV-Kritiker Pit Thommes hat sich die Serienadaption von Stephen Kings Roman "Der Anschlag" angesehen. Achtung: Suchtpotenzial.

Von Pit Thommes

Applaus, Applaus: Die Thriller-Serie „11.22.63“, die auf Deutsch den unnötigen Untertitel „Der Anschlag“ trägt, lässt den Zuschauer nicht mehr los. Sie zeigt den Versuch des Englischlehrers Jake Epping (James Franco), den Anschlag auf John  F. Kennedy am 22. November 1963 zu verhindern. Jake hat einen entscheidenden Vorteil – er kommt aus der Zukunft, landet im Jahr 1960 und hat somit alle Zeit der Welt, das Attentat zu verhindern. Und falls es nicht klappt, muss Jake nur wieder ins Jahr 1960 zurückreisen und kann es erneut versuchen.

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„11.22.63“ hätte als Film kaum funktioniert. Bereits Stephen King konnte seine Buchvorlage nur mit Müh und Not auf eine dreistellige Seitenanzahl bringen und dies, obwohl sie hervorragend ediert ist. Die Alternativweltgeschichte hat als achtteilige TV-Miniserie genügend Zeit, um die Charaktere zu entwickeln und die zwei Erzählstränge – der zeitreisende Englischlehrer und die historische Fiktion über das Kennedy-Attentat – ausführlich zu behandeln.

Die Literaturverfilmung ist dank filmischer Mittel sogar erfolgreicher als das Buch. Die Serie schafft mit Rückblenden Erinnerungshilfen, um Ereignisse in Gegenwart und Vergangenheit besser zu verstehen sowie wichtige Charaktere im Auge zu behalten. Dadurch erschließt sich dem Zuschauer das Zusammenspiel der Handlungselemente erst allmählich. Speziell das europäische Publikum dürfte davon profitieren, sind ihm doch Details des Kennedy-Attentats weitaus weniger geläufig. Fox Deutschland strahlt „11.22.63“ im Zweikanalton aus, so dass man auch hierzulande in den Genuss des überlegeneren Originaltons kommt.

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Auf dem US-Markt hat „11.22.63“ den Versuch des Streaminganbieters Hulu untermauert, mit hochwertigen Eigenproduktionen zu den Marktführern Netflix und Amazon aufzuschließen. Es hat sicherlich nicht geschadet, dass man mit J. J. Abrams einen erfahrenen Produzenten für das Projekt gewinnen konnte. Als begrenzte Miniserie erzählt sie bestmöglich eine verfängliche Geschichte und muss sich keine Sorgen um eine Fortsetzung machen.

Thriller- und Science-Fiction-Fans werden gleichermaßen bedient. Der verzweifelte Versuch, die Vergangenheit zu ändern, sorgt für kurzweilige Unterhaltung. Ungewiss ist der Ausgang – Jake Epping hofft naiv, dass mit Kennedy an der Macht der Vietnamkrieg anders verläuft, der Kalte Krieg auch und somit alles besser wird.

Gegenspieler „Zeit“

Doch Jakes Gegenspieler ist die Vergangenheit selbst. Sie will nicht verändert werden und versucht, Jake auf Schritt und Tritt daran zu hindern. Mysteriöse Autounfälle und aggressive Kellerasseln zeigen schnell, dass jeder Eingriff ungeahnte Konsequenzen hat.

Englischlehrer Jake Epping (James Franco) versucht den Anschlag auf John  F. Kennedy am 22. November 1963 zu verhindern.
Englischlehrer Jake Epping (James Franco) versucht den Anschlag auf John F. Kennedy am 22. November 1963 zu verhindern.
Foto: HULU

Die Zeit als Gegner ist ein dramaturgischer Trickgriff, der hartgesottenen Science-Fiction-Fans sauer aufstößt. Aber durch die Personifizierung der Zeit kann sich die Handlung im Sekundentakt ändern, was für zusätzliche Spannung sorgt. Dabei kommen die US-amerikanischen 1960er recht charmant daher. James Franco muss nun endlich seinen ewigen Dreitagebart ablegen und das herrliche Dekor versprüht viel Nostalgie.

Franco schafft es, die Zerrissenheit seines Charakters überzeugend darzustellen. Er ringt mit sich selbst, ob er die Vergangenheit tatsächlich verändern will. Mehr als einmal scheint ihm der Preis dafür zu hoch zu sein. Gleichzeitig findet der frisch Geschiedene in der Vergangenheit eine neue Liebe. Die Welt von damals schien noch heil zu sein. Also doch nichts unternehmen und einfach in Nostalgie schwelgen? Der Zuschauer muss seine persönliche Antwort darauf finden. Die einfache Wahrheit von „11.22.63“ lautet jedoch, dass man selbst mit aller Zeit der Welt vor Fehlern nicht gefeit ist.

„11.22.63 – Der Anschlag“, amerikanischer Thriller. Achtteilige Miniserie, immer montags 21 Uhr auf Fox Deutschland, in Luxemburg über das Sky-Packet zu empfangen.