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Xavier Kieffer ermittelt zum dritten Mal
Kultur 2 Min. 21.06.2013 Aus unserem online-Archiv

Xavier Kieffer ermittelt zum dritten Mal

Xavier Kieffer ermittelt zum dritten Mal

Kultur 2 Min. 21.06.2013 Aus unserem online-Archiv

Xavier Kieffer ermittelt zum dritten Mal

Tom Hillenbrands Luxemburger Koch kommt Geheimnissen um Lebensmittelspekulationen auf die Spur.

Von Daniel Conrad

„Superman ist ein langweiliger Arschbacken“ bzw. „Echt jetzt. Es gibt so geile Superhelden. Aber Supie hat die Charaktertiefe einer Oblate“ kritisiert Krimiautor Tom Hillenbrand via Twitter harsch die Hauptfigur in der aktuellen Neu-Realverfilmung des Superman-Comics. Mit Verlaub, in seinem dritten Xavier-Kieffer-Fall hält auch er selbst nichts von Tiefenpsychologischem.

Mit Helden ist das so eine Sache. Dem einem gelingt die Rettung der Welt oder einfach nur eines Kriminalfilms mit seinen Superkräften, dem anderen mit seinem Gespür oder Intellekt und spätestens seit Dr. House trotz Zynismus und Verachtung gegenüber seinen Mitmenschen. Letztlich überdecken diesen Stärken die Schwächen, die die boshaften Gegner zu finden suchen. Große Ambitionen zum Helden hat Xavier Kieffer kaum. Seine Schwäche liegt bei der Antriebstemperatur, überhaupt zu ermitteln. Hillenbrands Luxemburger Koch schätzt nicht nur ein ruhiges Leben mit lukullischen Freuden, sondern hat das Glück mit seiner Freundin, der Pariser Verlegerin des weltweit angesagtesten Gastronomieführers gefunden.

Gleich beides aber kommt diesmal in „Letzte Ernte“ unter Beschuss: Als seiner Freundin auf der Fouer eine Magnetkarte von einem Fremden untergeschoben wird, steckt nicht nur sie sondern auch der Koch abermals in einem kniffligen Kriminalfall. Denn wenig später wird die Leiche des Fremden unter der Rout Bréck aufgefunden. War es wirklich Selbstmord?

Die Zweifel nagen an Kieffer, zumal seine Freundin in ihrer Pariser Heimat plötzlich auf offener Straße attackiert wird. Dass der Schlüssel zu der Lösung des Rätsels diesmal in den zunächst kaum zu dechiffrierbaren Magnetkartendaten steckt, wird Kieffer dank der Hilfe seiner Freunde und Stammgäste schnell klar.

Jede Menge Seitenhiebe

Und wie man schon aufgrund des Telefonats des Koch mit seinem feilschenden Kartoffelhändler in der Einleitung vermuten konnte, dreht sich der dritte Fall plötzlich um Rohstoffspekulationen an den Börsen dieser Welt im ganz großen Stil. Dazu kommen Seitenhiebe auf Fernsehköche und ein paar neue Figuren, die sich für Fortsetzungen ausbauen lassen.

Hillenbrands Devise für den dritten Kieffer-Band: Mehr Luxemburg, etwas weniger James Bond-Action – und damit empfiehlt sich „Letzte Ernte“ als sommerliches Appetithäppchen für die Bestsellerliste. Wie immer ist der Kieffer-Krimi auch ein Stück Wirtschaftslehrbuch und journalistischer Detailfreude. Das charakterzeichnende Rad erfindet Hillenbrand im Genre damit nicht. Aber warum auch? Regionalkolorit und die Begeisterung fürs Kochmetier tun es auch.

  • Tom Hillenbrand stellt in einer Premieren-Lesung seinen neusten Xavier-Kieffer-Band im hauptstädtischen Cercle Cité vor. Termin im Auditorium des Kulturzentrums ist am kommenden Donnerstag, 27. Juni, 18.30 Uhr. Eintritt frei.