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Wissen à la carte: 100 Infografiken, die die Welt erklären
Kultur 3 Min. 05.10.2019

Wissen à la carte: 100 Infografiken, die die Welt erklären

Eine runde (beziehungsweise eckige) Sache: Diese Länder bereiten Geometrikern Glücksgefühle.

Wissen à la carte: 100 Infografiken, die die Welt erklären

Eine runde (beziehungsweise eckige) Sache: Diese Länder bereiten Geometrikern Glücksgefühle.
Grafik: Katapult-Magazin
Kultur 3 Min. 05.10.2019

Wissen à la carte: 100 Infografiken, die die Welt erklären

Jörg TSCHÜRTZ
Jörg TSCHÜRTZ
Eine kleine Zeitschrift von der Ostsee beweist, dass Zahlen und Statistik nicht immer staubtrocken sein müssen. Die Macher des Magazins "Katapult" legen in einem Buch aufschlussreiches Info-Material vor. Was macht moderne Illustrationen so populär?

In der politischen Debatte wird mit Zahlen viel Schindluder getrieben. Die noch junge deutsche Zeitschrift „Katapult“ möchte gegensteuern: Seit 2015 hat sich das Magazin mit Sitz in Greifswald an der Ostsee der Aufgabe verschrieben, sozialwissenschaftliche Fakten mithilfe von Grafiken verständlicher zu machen – und dem Leser neue Perspektiven jenseits der nackten Zahlen zu eröffnen.

Mit ihrer raffinierten Aufbereitung von vermeintlich trockenen Themen erreicht die kleine Redaktion auf Facebook bereits 178.000 Fans, das vierteljährlich erscheinende „Katapult“-Magazin lesen an die 14.000 Abonnenten. Nun gibt es das „Katapult“-Infotainment auch in Buchform. 

Wie viele Menschen pro Kopf leben eigentlich in einem Land? Nicht immer ist ein Ländervergleich anhand von relativen Zahlen sinnvoll, argumentieren die Autoren.
Wie viele Menschen pro Kopf leben eigentlich in einem Land? Nicht immer ist ein Ländervergleich anhand von relativen Zahlen sinnvoll, argumentieren die Autoren.
Bild: Hoffmann und Campe / Katapult

Von Jucken bis Langweiler

Die Redakteure beweisen in „100 Karten, die deine Sicht auf die Welt verändern“ erneut ihren Sinn für Humor. So stößt man in dem Infografikbuch etwa auf eine Karte mit den kuriosesten deutschen Ortsnamen. Neben Großkotzenreuth und Deppenhausen finden sich dort auch einige Beispiele aus der Großregion: Die Gemeindebezeichnungen Oberbillig, Jucken, Langweiler, Sommerloch sowie der Saarbrücker Stadtteil Jägersfreude können auch zweideutig verstanden werden.

„Katapult“ beschäftigt sich natürlich auch mit ernsten Themen. So erfährt man bei einem Blick auf eine Weltkarte, dass Frauen in nur drei Parlamenten die Mehrheit stellen: Ruanda, Kuba und Bolivien. Luxemburg befindet sich bei der Frauenquote unter den Abgeordneten im unteren Drittel der Skala.  

Wie viel Fläche wäre notwendig, um die gesamte Weltbevölkerung zu versammeln? Ein Areal von gerade einmal 3844 Quadratkilometern – eine Fläche, 1,5 mal so groß wie das Saarland.
Wie viel Fläche wäre notwendig, um die gesamte Weltbevölkerung zu versammeln? Ein Areal von gerade einmal 3844 Quadratkilometern – eine Fläche, 1,5 mal so groß wie das Saarland.
Bild: Hoffmann und Campe / Katapult

Immer wieder schaffen es die Autoren, dem Leser beim Blick auf ihre Karten dem Leser ein Schmunzeln zu entlocken – oder mit einer virtuellen „Kopfnuss“ zum Nachdenken anzuregen. So bietet sich das „100 Karten“-Buch als gute Einstiegshilfe für weitergehende Recherchen an. Wussten Sie zum Beispiel, dass dass ein relativ kleiner Teil der Sahara voll mit Solaranlagen ausreichen würde, um den gesamten Energiebedarf der Welt zu decken, die Idee aber trotzdem nicht in die Praxis umgesetzt werden kann? Aufschlussreich ist auch die Karte mit jenen wenigen Ländern, in denen das Vereinigte Königreich noch nie mit Armeetruppen präsent war – Luxemburg inklusive.

Der neue Analphabetismus

Woran liegt es eigentlich, dass uns Infografiken und bunte Bilderchen derart fesseln? Gian Maria Tore, Medien- und Bildwissenschafter an der Universität Luxemburg, versucht sich an einer Erklärung. „Wir leben in einer Gesellschaft, die immer weniger verbal und immer visueller wird“, streicht Tore auf Nachfrage hervor. Nicht ganz unschuldig daran ist das Internet. Diejenigen, die schon in den 1990er-Jahren online unterwegs waren, können sich noch an die grässlichen Textwüsten aus der Steinzeit des World Wide Web erinnern. Heute dürsten populäre Plattformen wie Instagram oder Facebook geradezu nach Bildern – und moderne Handys fungieren als „Bildermaschinen“ für die Hosentasche.

Der Sieg der Bilder über das geschriebene Wort lässt sich auch an der Geschichte der Printmedien ablesen: „Schlagen Sie eine Zeitung auf, die vor dem Jahr 2000 veröffentlicht wurde“, sagt Gian Maria Tore. „Welcher Unterschied sticht ins Auge? Die Anzahl der Bilder. Der Platz, den Infografiken einnehmen. Die Zeitungen aus früheren Jahrzehnten erscheinen uns heute seltsam textlastig.“ 

Foto: Hoffmann und Campe / Katapult

Bilder, die eine klare Botschaft transportieren, seien nicht von vornherein schlecht, sagt Medienforscher Tore. Im Gegenteil: Sie machen unser Leben einfacher. Ein Bild sagt mehr als tausend Worte, lautet ein bekanntes Sprichwort. Einzig: Die Realität ist häufig nicht schwarz-weiß oder so eindeutig, wie es auf einem Foto oder einer Infografik vielleicht den Anschein haben mag. Und: Nicht jedes Bild wird von allen gleich interpretiert.

„Welcher Stellenwert wird in den Schulen der audiovisuellen Bildung eingeräumt, zum Beispiel im Vergleich zum Sprachunterricht oder anderen Fächern?“, gibt Tore zu bedenken. Der Forscher deutet auf hier einen Widerspruch hin: „Wir leben in einer Welt der Bilder, wissen aber nicht, wie wir mit ihnen umgehen, wie wir sie lesen sollen. Das ist der Analphabetismus der heutigen Zeit."

Katapult: "100 Karten, die deine Sicht auf die Welt verändern", Hoffmann und Campe, 200 Seiten, 20 Euro.

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