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"Wir vergessen, welcher Trumpf die Mehrsprachigkeit ist"
Kultur 4 Min. 21.10.2021
Frankfurter Buchmesse

"Wir vergessen, welcher Trumpf die Mehrsprachigkeit ist"

Kulturministerin Sam Tanson (2. v r.) begrüßte die Zuschauer nicht nur vor Ort und im Livestream, sondern leitete in die Gesprächsrunde zum Thema "Mehrsprachigkeit" ein.
Frankfurter Buchmesse

"Wir vergessen, welcher Trumpf die Mehrsprachigkeit ist"

Kulturministerin Sam Tanson (2. v r.) begrüßte die Zuschauer nicht nur vor Ort und im Livestream, sondern leitete in die Gesprächsrunde zum Thema "Mehrsprachigkeit" ein.
Kultur 4 Min. 21.10.2021
Frankfurter Buchmesse

"Wir vergessen, welcher Trumpf die Mehrsprachigkeit ist"

Daniel CONRAD
Daniel CONRAD
Der Empfang am Luxemburger Stand wurde zum Signal für den gesamten Sektor. Kulturministerin Sam Tanson betonte: "Deswegen ist es extrem wichtig, dass wir hier präsent sein können."

Luxemburgs Messeauftritt bei der Frankfurter Buchmesse im Fokus: Beim offiziellen Besuch der Kulturministerin Sam Tanson am zweiten Tag des internationalen Branchentreffs wurde deutlich, wie wichtig das Forum als Präsenzveranstaltung nach den coronabedingten Einschränkungen auf eine fast rein digitale Messe 2020 ist. 

„Zwar ist während der Pandemie sehr viel gelesen worden, [...] aber die Autoren hatten in dieser Zeit nicht viele Möglichkeiten mit ihren Lesern in Kontakt zu kommen - ob über Messen oder Lesungen, die nicht stattgefunden haben. Deswegen ist es extrem wichtig, dass wir hier präsent sein können - und es ist die erste Ausgabe, die von KulturLX betreut wird, die neue Agentur, die unter anderem damit beauftragt ist, Luxemburger Künstler im Ausland bekannt zu machen, sie wie hier zu dieser Messe zu begleiten und ihnen Kontakte im professionellen Branchenumfeld zu ermöglichen.“ 

Guy Helminger (2.v.l.n.r.) , Ulrike Bail, Joseph Kayser und Robert Schofield trafen sich unter der Leitung von CNL-Direktorin Nathalie Jacoby (l.), um in die Mehrsprachigkeit in Luxemburg einzutauchen.
Guy Helminger (2.v.l.n.r.) , Ulrike Bail, Joseph Kayser und Robert Schofield trafen sich unter der Leitung von CNL-Direktorin Nathalie Jacoby (l.), um in die Mehrsprachigkeit in Luxemburg einzutauchen.
Screenshot Livestream Facebook-Seite KulturLX



2019 kamen noch mehr als 7500 Aussteller nach Frankfurt. Auch wenn in diesem Jahr wieder mehr Präsenz möglich sein wird, sind diesmal nicht einmal 2000 Aussteller dabei.
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In ihrer kurzen Rede, die wie die anderen Events der Luxemburger Präsenz im Internet gestreamt wurde, wies die Ministerin einleitend besonders auf die für diesen Tag geplante Gesprächsrunde zum Thema „Mehrsprachigkeit“ hin. 

Diese sei ein „Hauptmerkmal“ Luxemburgs. „Wir vergessen, welcher Trumpf die Mehrsprachigkeit ist, wer kann sich schon in so vielen Sprachen ausdrücken, schreiben oder lesen.“ Die Kontexte rundherum, die eben auch für Brancheninsider, die die Luxemburger Literatur- und Sprachwelt bisher nicht kennen, aber als Reiz kennenlernen könnten, vertiefte die Runde um die Direktorin des Centre National de Littérature, Nathalie Jacoby.

Hier der komplette Stream der Gesprächsrunde:

Zehn Verlage dürfen sich offiziell auf dem Gemeinschaftsstand des Großherzogtums präsentieren und zeigen Teile ihres Programms. Drei Kataloge (Fiktionales, Sachbuch und Kinderbuch) mit Übersichten aus dem literarischen Schaffen des Landes sollen für Interessenten aus der Branche Aufhänger zum Gespräch liefern. 

Marc Angel sorgt mit einer meterhohen Illustration für einen besonderen Designaspekt am Stand in Halle 3.0:

Plötzlich Thema: Papiermangel

Pünktlich zum großen Branchentreffen, so die Deutsche Presseagentur DPA, rückt ein Thema in den Fokus, das die Branche bislang kaum beschäftigte. Der wohl kostbarste Rohstoff wird knapp: das Papier.  

Sabine Glitza, Vertriebsleiterin vom Verlag Kiepenheuer & Witsch, am Messestand. Die Krise mache sich seit ein, zwei Monaten bemerkbar. Besonders für Sonderformate, aber auch Bücher, die besondere Farben benötigen, müsse man jetzt mehr Zeit einplanen. „Wir haben uns aber darauf eingestellt und haben die Disposition entsprechend etwas verändert, weil wir natürlich lieferbar sein wollen und nicht ins Risiko laufen wollen, dass wir keine Bücher haben“, erklärt sie.

Eine Frau geht auf der Frankfurter Buchmesse 2021 am Stand des Carlsen Verlags an Büchern vorbei.
Eine Frau geht auf der Frankfurter Buchmesse 2021 am Stand des Carlsen Verlags an Büchern vorbei.
Foto: Sebastian Gollnow/dpa

„Wenn man früher bei plötzlichen Bestsellern mit dem Druck der Nachauflagen nicht hinterherkam, lag das an den Kapazitäten der Druckmaschinen. Heute sind Materialbeschaffung und Logistik die kritischen Faktoren“, ergänzt Markus Desaga von der Penguin Random House Verlagsgruppe in München. Um unabhängiger und nachhaltiger zu produzieren, habe sich das Unternehmen entschieden, seine Bücher fast ausschließlich in Deutschland beziehungsweise benachbarten Staaten herzustellen. „Das reduziert globale Abhängigkeiten.“

«Zutritt nur mit 3-G Zertifikat gestattet» steht auf der Frankfurter Buchmesse 2021 auf einem Schild am Eingang. Nach der pandemiebedingten Pause 2020 darf die Frankfurter Buchmesse in diesem Jahr wieder mit Publikum stattfinden.
«Zutritt nur mit 3-G Zertifikat gestattet» steht auf der Frankfurter Buchmesse 2021 auf einem Schild am Eingang. Nach der pandemiebedingten Pause 2020 darf die Frankfurter Buchmesse in diesem Jahr wieder mit Publikum stattfinden.
Foto: dpa

Verlage, die in der Vergangenheit langfristige Verträge über die Lieferung von Papier abgeschlossen haben, profitieren in der jetzigen Situation davon, wie auch Thorsten Simon, Pressesprecher des Bücherzwischenhändlers Libri, beobachtet. „Viel ist just in time produziert worden, man konnte relativ flexibel und kurzfristig seine Auflagen planen und seine Papiere bestellen.“ Das sei nun in vielen Fällen nicht mehr möglich, weil es durch die weltweiten Lieferketten zu Verknappungen gekommen sei, erklärt er.

Antje Rávik Strubel, Gewinnerin des Deutschen Buchpreises 2021, sprach am ersten Tag für Fachbesucher auf der Frankfurter Buchmesse 2021 im Studio der Veranstaltungsreihe «Das blaue Sofa».
Antje Rávik Strubel, Gewinnerin des Deutschen Buchpreises 2021, sprach am ersten Tag für Fachbesucher auf der Frankfurter Buchmesse 2021 im Studio der Veranstaltungsreihe «Das blaue Sofa».
Foto:dpa

Die Papierknappheit sei ein „großes Problem“, sagte auch Jonathan Beck, Chef des Publikumsverlags bei C.H. Beck, kürzlich dem „Handelsblatt“. Er empfiehlt, vor Weihnachten rechtzeitig Buchgeschenke zu besorgen. Er befürchte stark, dass die Leute sich nicht sicher sein könnten, jedes Buch auch noch kurzfristig zu bekommen. „Bei vielen Büchern wissen wir jetzt schon, dass vor Weihnachten kein Nachdruck mehr möglich ist.“

Ähnlich äußert sich Simon von Libri: „Bei Titeln, die man normalerweise vielleicht nachgedruckt hätte, was jetzt nicht mehr möglich ist, könnte es sein, dass die zu Weihnachten eventuell schwierig oder gar nicht mehr zu bekommen sind.“ Das betrifft nach seiner Einschätzung vor allem Bücher aus der zweiten Reihe und weniger die Bestseller: „Dort haben die Verlage ein besonderes Augenmerk darauf, dass diese Titel verfügbar sind.“

Besucher stehen am zweiten Tag für Fachbesucher auf der Frankfurter Buchmesse 2021 vor der Pressekonferenz von Spanien, dem Gastlande der Buchmesse 2022, vor einer Projektion. Spanien wird bei der Buchmesse 2022 das Ehrengastland sein mit dem Motto "Sprühende Kreativität".
Besucher stehen am zweiten Tag für Fachbesucher auf der Frankfurter Buchmesse 2021 vor der Pressekonferenz von Spanien, dem Gastlande der Buchmesse 2022, vor einer Projektion. Spanien wird bei der Buchmesse 2022 das Ehrengastland sein mit dem Motto "Sprühende Kreativität".
Foto: Dpa

Aber warum kommt es überhaupt zu dem Papiermangel? „Das ist nicht nur ein deutsches Problem, sondern betrifft den gesamten europäischen Markt“, sagt Bettina Knape, Sprecherin beim Bundesverband Druck und Medien (bvdm). Dafür gebe es vor allem zwei Gründe: Zum einen seien in den vergangenen Jahren weniger Zeitungen oder Kataloge produziert worden und somit der Bedarf an Druckpapier zurückgegangen. „Die Papierhersteller haben ihre Kapazitäten abgebaut oder sind umgeschwenkt auf boomende Produkte wie Verpackungsmaterial. Sie können jetzt nicht plötzlich wieder die Produktion umstellen.“

„China kauft die Märkte leer“

Zum anderen gebe es einen Mangel an Altpapier, aus dem ein großer Teil der Druck-Erzeugnisse hergestellt wird. So gab es dem bvdm zufolge in der Corona-Pandemie weniger Papiererzeugnisse, auch weil deutlich weniger Werbematerial benötigt wurde. Und: Die ohnehin geringen Altpapier-Bestände würden enorm von China nachgefragt, wo der Bedarf groß sei und ein guter Preis gezahlt werde. „China kauft die Märkte leer“, erklärt Knape. Sie geht aber auch davon aus, dass sich die Situation allmählich wieder halbwegs einpendele, jetzt, wo sich die Corona-Lage entspanne.

Dennoch stellt sich die Frage, ob die Leserinnen und Leser aufgrund des Mangels künftig mehr Geld für ihren Lesestoff ausgeben müssen. „Die Preise für Altpapier sind explodiert und damit auch die für Papier. Ich kann mir vorstellen, dass das auch mit einem Preisanstieg für Bücher einhergeht“, sagt Knape.

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