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Wenn der Mond aus der Pfanne aufsteigt
Kultur 2 4 Min. 18.09.2019

Wenn der Mond aus der Pfanne aufsteigt

Bei den Werken von Robert Pufleb und Nadine Schlieper lohnt ein zweiter Blick.

Wenn der Mond aus der Pfanne aufsteigt

Bei den Werken von Robert Pufleb und Nadine Schlieper lohnt ein zweiter Blick.
Foto: Anouk Antony
Kultur 2 4 Min. 18.09.2019

Wenn der Mond aus der Pfanne aufsteigt

Optische Verwirrspiele in der Galerie Clairefontaine: Die Künstler Hiroyuki Masuyama, Robert Pufleb und Nadine Schlieper zeigen irdische und galaktische Fantasien, bei denen nicht alles so ist, wie es zuerst scheint.

Rom, so wie es die Stadt nie gab, und doch sieht dieses Foto der Metropole täuschend ähnlich. Zwischen 200 und 300 Fotos hat Hiroyuki Masuyama vor Ort für eine Collage gemacht und in einem Bildbearbeitungsprogramm übereinandergelegt, bis dieses Traumgebilde entstand, das Bauten und Skulpturen aus allen Ecken der ewigen Stadt an nur einem Ort vereint. 


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„Turner hat Rom im 19. Jahrhundert gemalt“, sagt der Künstler und deutet auf seine farbige, strahlende Fotocollage. „Aber er malte eine Traumlandschaft der römischen Antike, und das hier ist meine Fantasielandschaft.“

So sieht Rom in der Fantasie von Hiroyuki Masuyama aus.
So sieht Rom in der Fantasie von Hiroyuki Masuyama aus.
Foto: Anouk Antony

Zu sehen ist das Werk in der Galerie Clairefontaine. Unter dem Titel „Tsukimi/Moon Show“ zeigt Hiroyuki Masuyama dort im Rahmen der 15. Photomeetings-Reihe der Galerie insgesamt zehn seiner aufwendigen Fotoarbeiten. Als Anlass der Schau dient das 50. Jubiläum der Mondlandung durch Apollo 11, aber auch das traditionelle japanische Mondfest Tsukimi, das in Masuyamas Heimat eine wichtige Rolle spielt.

Aus einer klassischen Ansicht und einer neuen Technik entsteht neue Kunst.

Hiroyuki Masuyama

In seinem Schaffen hat sich der gebürtige Japaner, der unter anderem in Tokio Öl- und Wandmalerei studiert hat und inzwischen in Düsseldorf lebt, von zwei großen Landschaftsmalern William Turner (1775-1851) und Caspar David Friedrich (1774-1840) inspirieren lassen. 

„Zu Turners Lebzeiten wurde der Fotoapparat entwickelt und ich glaube, er hat sich, um sich davon abzugrenzen, viel stärker auf das Abstrakte konzentriert“, sagt der Künstler und ergänzt, „und Caspar David Friedrich hat viele deutsche Himmel gemalt.“ Die Himmel des Landes, in dem er seit 22 Jahren wohnt. „Viele sagen, sie seien Vertreter der Romantik gewesen. Aber man wird per Zufall in eine Zeit geboren und entwickelt dann in diesem Rahmen eine Technik.“

Auf den Spuren von William Turner

Thematisch hat Masuyama an seinen Vorbildern festgehalten und begab sich für seine Arbeiten an ihre Schaffensorte. Auch nach Luxemburg, wo 1839 Turner allein drei Stadtansichten vom Fetschenhof aus anfertigte. Dass der große britische „Meister des Lichts“ Luxemburg festgehalten hat, ist ein nicht allen Kunstfreunden geläufiges Ereignis.


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Der Brite malte die Stadt in hellen Aquarellfarben. Und auch von Masuyamas Werken, der unter anderem Fotos von Grund und Kirchberg in seinen Arbeiten vereinte, geht ein magisches Strahlen aus. 

Für diesen Effekt hat der Fotograf, Videokünstler und Bildhauer seine Fotos vor einem Kasten mit Leuchtdioden montiert. „Aus einer klassischen Ansicht und einer neuen Technik entsteht dann eine neue Kunst.“ Die Leuchtkästen für seine klein- und mittelformatigen Fotoarbeiten fertigt er selbst an.

„Dank dieser Fotos, die wir hier schon mehrfach ausstellen konnten, haben wir den Umstand, dass Turner hier gemalt hat, bekannter machen können“, berichtet Galeristin Marita Ruiter. 

In Hommage an den Künstler, der ihn zu seinem Werk angespornt hat, wählte Hiroyuki Masuyama für seine Fotografien das gleiche Format, in dem der britische Maler damals seine Gouache-Skizzen angefertigt hat.

Kulinarische Teiglandschaften in Schwarz-Weiß

In einem anderen Projekt hat sich Masuyama intensiv mit einem Park in seiner Düsseldorfer Wahlheimat beschäftigt. Ein Jahr lang hat dort er täglich ein Foto gemacht, aber jedes Mal hat er die Kamera um ein Grad nach rechts gedreht aufgestellt. Auf diese Weise gelang ihm nicht nur ein Panoramafoto, sondern auch eine Jahreszeiten-Ansicht der Anlage, die den Betrachter vom Winter über die wärmeren Jahreszeiten bis zum Herbst durch den Park führt. „Es ist realistisch. Aber dieser Eindruck hängt eigentlich mit der Erinnerung zusammen, nur ihretwegen können wir wissen, ob wir den Himmel oder ein Auto betrachten.“

Anfangs war nur eine Einzelausstellung mit Masuyamas Werken geplant. Aber der Künstler schlug Galeristin Ruiter eine Doppelschau mit Robert Pufleb und Nadine Schlieper vor. „Ihre Arbeiten sind sehr interessant und voller Humor“, sagt Masuyama über Pufleb und Schlieper, die er auch kennt, weil beide ihre Ateliers in demselben Düsseldorfer Gebäude haben.  

Jeder soll hinterfragen, was er im Alltag eigentlich sieht und wahrnimmt.

Nadine Schlieper

Und so hängen in der Galerie Clairefontaine neben Masuyamas farbigen, leuchtenden Stadtcollagen puristische Schwarz-Weiß-Fotografien: Blasse Pockennarben von Asteroideneinschlägen, eine lebensfeindliche, kahle Oberfläche und ringsum nur das Schwarz des unendlichen Weltraums. So sieht der Mond aus, der als Trabant die Erde umkreist. Diese Vorstellung hat sich zumindest fest in den Köpfen eingeprägt. „Auf den ersten Blick meint man zu wissen, was man sieht“, erklärt Nadine Schlieper mit einem schelmischen Lächeln.

Ein ganzes Jahr Landschaft auf nur einen Blick

Allerdings sind Pufleb und Schlieper für ihre Fotoserie „Alternative Moons“ nicht nachts auf einen einsamen Hügel fernab von hellen Großstadtlichtern gestiegen und haben das Objektiv mit der längsten Brennweite auf den Mond fokussiert. 

Stattdessen haben der Fotograf und die Designerin Eierkuchenteig angerührt und eine Pfanne auf dem Herd platziert, denn ihr vermeintlicher Mond entpuppt sich als kulinarische Leckerei. Die Fotoserie des Duos entstand im Jahr 2017, als Donald Trump Präsident der USA wurde und der zweifelhafte Begriff der alternativen Fakten entstand.

Die Fotos entstanden 2017 - angeregt durch Ereignisse der Weltpolitik.
Die Fotos entstanden 2017 - angeregt durch Ereignisse der Weltpolitik.
Foto: Anouk Antony

Ihre insgesamt 42 Fotos umfassende Serie, in der sie hausgemachte Pfannkuchen auf eine kugelige Form gaben und fotografierten, verstehen sie als einen Kommentar zur Wahrnehmung von Bildern und den Erwartungen, die der Betrachter damit verbindet. 

„Jeder kann und soll es nachmachen und hinterfragen, was er im Alltag eigentlich sieht und was er wahrnimmt.“ Haben Besucher die Pfannkuchenmonde durchschaut, seien die Rückmeldungen positiv, berichtet Schlieper von anderen Stationen ihrer Ausstellung. „Die Leute freuen sich, dass nicht alles immer so ernst ist; damit wird auch eine Barriere genommen.“


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Ihre Fotos haben sie in dem Bildband „Alternative Moons“ veröffentlicht, der 2017 mit dem „ViennaPhotoBookAward” ausgezeichnet wurde und seine dritte Auflage erlebt. 

Einige ihrer Arbeiten sind derzeit in Gruppenausstellungen auch im Fotomuseum Antwerpen und der Fotostiftung Schweiz zu sehen.
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„Tsukimi/Moon Show“ und „Alternative Moons“ in der Galerie Clairefontaine, 7, place de Clairefontaine, bis zum 26. Oktober. Geöffnet dienstags bis freitags von 10 bis 18.30 Uhr, samstags von 10 bis 17 Uhr.  


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