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Welt der Musik trauert um Mariss Jansons
Kultur 1 3 Min. 01.12.2019

Welt der Musik trauert um Mariss Jansons

Maestro Jansons gehörte zu den ganz großen Dirigenten.

Welt der Musik trauert um Mariss Jansons

Maestro Jansons gehörte zu den ganz großen Dirigenten.
Foto: AFP
Kultur 1 3 Min. 01.12.2019

Welt der Musik trauert um Mariss Jansons

Den Grundstein für seine Weltkarriere hatte Jansons in der norwegischen Hauptstadt gelegt. Von 1979 bis 2000 wirkte er als Chefdirigent der Osloer Philharmoniker.

(dpa/mt) Mit der Bezeichnung „Maestro“ konnte er nie etwas anfangen. Dabei war der lettische Dirigent Mariss Jansons einer der ganz Großen seiner Zunft. Als er zeitweise mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks und dem Amsterdamer Concertgebouw Orchestra zwei renommierte Klangkörper gleichzeitig leitete, wurde er sogar als weltbester Dirigent gehandelt. Im Alter von 76 Jahren ist Mariss Jansons jetzt gestorben.

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In Luxemburg dirigierte er mehrmals Gastspiele des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks München und des Royal Concertgebouw Orchestra. Auch seine legendäre Interpretationen der Symphonien von Gustav Mahler führte er in Luxemburg auf. Zuletzt aber hatte der Dirigent mehrfach mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Im Juni 2019 sagte Jansons auf ärztliche Empfehlung geplante Konzerte für mehrere Wochen ab, unter anderem bei den Salzburger Festspielen.


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Am Donnerstag war Mariss Jansons mit  dem Symphonieorchester des Bayrischen Rundfunks in der Philharmonie zu Gast. Im Vorfeld des Konzerts  sprach der lettische Dirigent  im „Luxemburger Wort“-Interview über seinen Beruf, seine beiden Musikerfamilien, seine Konzertprogramme und seinen ehemaligen Assistenten Gustavo Gimeno.

Schon im November 2018 hatte er Konzerte wegen einer Erkrankung absagen müssen, und bereits 1996 hatte der Dirigent bei einer Aufführung von Giacomo Puccinis Oper „La Bohème“ in Oslo einen Herzinfarkt erlitten, den er nur knapp überlebte. Für das Konzert im November 2019 in Luxemburg musste er krankheitshalber das Orchesterpult Daniel Harding überlassen.

Den Grundstein für seine Weltkarriere hatte Jansons in der norwegischen Hauptstadt gelegt. Von 1979 bis 2000 wirkte er als Chefdirigent der Osloer Philharmoniker, die er mit sprühender Energie und eiserner Kapellmeister-Disziplin zu einem internationalen Spitzenorchester formte. Dabei war Jansons nie der Prototyp des in Emotionen schwelgenden, seine Zuhörer mit Klangmassen überwältigenden Orchesterleiters. Er förderte vielmehr Details zutage, die manch altbekanntes Stück in neuem Gewand erscheinen ließen. Auch durch vielfach gelobte CD-Einspielungen machte Jansons in Oslo auf sich aufmerksam.

Er blieb seinem Münchner Orchester treu

1997 übernahm er aus den Händen von Lorin Maazel die musikalische Leitung des Pittsburgh Symphony Orchestra. 2003 wechselte er, abermals als Nachfolger Maazels, zum Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, dem er einen bis heute andauernden Höhenflug bescherte. Die 2004 zusätzlich übernommene Leitung des Concertgebouworkest in Amsterdam gab er 2015 ab. Im selben Jahr hätte er vielleicht die Möglichkeit gehabt, Chef der Berliner Philharmoniker zu werden. Doch er blieb am Ende seinem Münchner Orchester treu, mit dem ihn so etwas wie eine Liebes- und Lebensbeziehung verband.

Energisch, kraftvoll - Dirigent Mariss Jansons.
Energisch, kraftvoll - Dirigent Mariss Jansons.
Foto: dpa

2018 wurde sein Vertrag bis 2024 verlängert. Mariss Jansons wurde 1943 im Ghetto von Riga geboren. Sein Vater Arvid Jansons war ebenfalls Dirigent, seine jüdische Mutter Iraida eine Mezzosopranistin. Nach Studien bei dem legendären Dirigentenausbilder Hans Swarowsky in Wien und bei Herbert von Karajan in Salzburg machte der große russische Dirigent Jewgeni Mrawinski den jungen Jansons zu seinem Assistenten.

Der damalige Chef der Leningrader Philharmoniker prägte Stil und Repertoire des jungen Dirigenten entscheidend. Seither wurde Jansons der „russischen Schule“ zugerechnet. Auch seine Vorliebe für Dimitri Schostakowitsch rührte von seinem Lehrer her, der mehrere Werke des Komponisten uraufgeführt hatte. Jansons galt als detailversessener Handwerker, als Workaholic, den gelegentlich nur seine Ehefrau Irina, eine ausgebildete Ärztin, hinter seinen Partituren hervorzuholen vermochte.


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Dabei pflegte er ein breites Repertoire von Barock über Klassik und Romantik bis zur gemäßigten Moderne, was manche Interpretationen allerdings auch etwas auswechselbar erscheinen ließ. Neben Schostakowitschs stilistisch zerrissenen Symphonien zählte dessen Oper „Lady Macbeth von Mzensk“ zu Jansons' Leib- und Magenstücken, in denen seine Detailarbeit besonders zur Wirkung kam.


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