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Kultur 6 4 Min. 11.03.2016 Aus unserem online-Archiv
T The Boss-Releasekonzert im Atelier

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Geerdet, zufrieden und im Fokus auf klare Ziele: T the Boss zieht sich vorerst aus der Musik zurück.
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Geerdet, zufrieden und im Fokus auf klare Ziele: T the Boss zieht sich vorerst aus der Musik zurück.
Foto: Lex Kleren
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Daniel CONRAD
Daniel CONRAD
„Ëmmer nach ech“ soll das letzte Album heißen. T the Boss, der über die Jahre eine der zentralen Figuren der lokalen Rapszene wurde, stellt es am kommenden Samstag, dem 12. März, im Atelier vor.

Von Daniel Conrad

„Ëmmer nach ech“ soll das letzte Album heißen. T the Boss, der über die Jahre eine der zentralen Figuren der lokalen Rapszene wurde, stellt es am kommenden Samstag, dem 12. März, im Atelier vor. Im Interview beruhigt der Boss jedenfalls seine Fans: Sein angekündigter Rückzug ist nicht endgültig. Einzelauftritte und kleinere Veröffentlichungen soll es auch in Zukunft geben.

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Ist er etwa spießig geworden? Darüber, wer er ist, wo er herkommt und was ihn antreibt, spricht T the Boss eigentlich immer wieder in seinen Songs. Ein Thema lässt er in seinen Texten auf Lëtzbuergesch allerdings aus: Sein „normales“ Leben als gelernter Koch und Betreiber eines Bistros ganz in der Nähe des kommenden Aufzugs nach Pfaffenthal. Das Motto „Selbstständig zu sein, heißt, selbst und ständig zu arbeiten“ gilt eben auch für ihn.

Foto: Lex Kleren

Der Betrieb, den der Rapper mit seiner Familie auf die Beine gestellt hat, verlangt viel Einsatz. Und damit bleibt für den Hiphop nicht mehr die Zeit – zumindest nicht in dem Maße, wie er es von sich selbst erwartet, so seine Begründung. „Es war bei der Konzertankündigung für den Release im Atelier missverständlich. Ich höre nicht ganz auf. Ich habe nur gesagt, dass ich kein ganzes Soloalbum wie das jetzt kommende ,Ëmmer nach ech‘ mehr mache und die Musik nicht mehr so groß aufziehe wie bisher.“

Wenn, dann müsse er sich auch dafür Zeit nehmen können; einfach etwas zwischen Tür und Angel zusammenzuschustern, nur um es fertig zu bekommen – „auf keinen Fall!“ Und zudem habe er in den letzten Jahren so viele Sachen herausgebracht, dass es auch mal Zeit „für ein bisschen Pause“ ist. Doch er beruhigt die Fans: „Einzelne Lieder, Videos und Koproduktionen im Rahmen der ‘Foundation‘ werde ich sicher immer mal wieder machen. Und vielleicht sogar auch etwas aus dem Bereich Rap raushauen. Auf dem neuen Album wird man schon Elemente hören.“

Und seine andere Form der Kreativität? Wenn Hiphop ein Lebensgefühl ist, wie drückt es sich denn auf der Speisekarte aus? „Ich koche, wie ich rappe: Mit viel Geschmack, technisch gut gemacht – aber immer einfach, Basisküche.“

Die Streamingkultur hat allerdings ihre Spuren in seiner Art, Musik zu denken, hinterlassen. „Ich selbst hab den Hiphop erst richtig entdeckt, weil ich Alben immer wieder komplett durchgehört habe, das gibt es heute scheinbar kaum noch. Viele Leute sind aber nicht mehr an klassischen Alben und dem damit verbundenen Konzept interessiert. Die lange künstlerische Linie, Entwicklungen oder Details jenseits der Singles braucht es für viele leider nicht mehr.“

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Die Realität aus eigener Erfahrung: „Die Szene ist in den letzten fünf Jahren wirklich auf Touren gekommen und richtig explodiert.“ Tragfähig ist das aber kaum: Ein paar Boss-Songs, die kostenlos auf Youtube gestellt werden, erreichen zwar dann und wann hohe Aufmerksamkeit – mehr aber nicht. Mit Hiphop lässt sich in Luxemburg kein großes Geld verdienen. Der Markt ist zu klein, die Sprachwahl schränkt ein und selbst deutsch-, französisch oder englischsprachige Rapper schaffen es kaum ins Ausland. Flächen zur Darstellung des Genres sind nicht gerade breit. Es sei denn, man setzt auch auf andere Talente wie eine dicke Lippe – wie die Jungs der Truppe „De Läb“ es mit ihrem pädagogischen Einsatz unter anderem bei den Rotondes beweisen.

Das Negativ-Image wird die Szene nicht los

Ein weiter Weg: die Inszenierung à la Bandana, dem Escher Rüpel-Rapper, seinem „Squatten mat der Gang“ und dem entsprechenden Medienrummel auf dessen Video mit zur Schau gestellten Plastikwaffen, Edelkarossen und dem daraus folgenden Polizeieinsatz.

„Ich finde schade, dass Hiphop immer noch das negative Image hat. Und wenn dann solche Sachen wie mit Bandana laufen, springen leider die Öffentlichkeit, die Medien, die Leute bei Facebook darauf an. Einerseits weil sie es lächerlich finden und wie wild teilen, andererseits, weil es die Klischees bedient, die man vom Gangster-Rap kennt. Dabei hat Luxemburger Hiphop weit mehr zu bieten. “

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Auch wenn T The Boss eher über den Genre-Kollegen Bandana lächelt, kommt der Trubel, den es bisher kaum um die Szene gab, eigentlich einer Vielzahl von Namen wie De Läb, Freshdax, Tommek, Thierry Ty oder T-Way entgegen. Sind sie doch im Fahrwasser wieder breiter auf ein öffentliches Interesse getroffen – gerade auch als Beispiele für gewitztere Texte, variantenreichere Beats, scharfzüngigere und durchaus humoristischere Abrechnungen mit dem großherzogtümlichen Establishment. Und inzwischen etablierte Veranstaltungsreihen wie die „Battle League Lëtzebuerg“ runden die Szene ab.

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Vielschichtigkeit soll auch beim Boss im Fokus stehen: Da gibt es den politischen T the Boss, den Poser und den „Ich gebe alles für meine Familie und Freunde“. Durchaus selbstkritisch gibt er auch zu, dass Posen, Bling Bling, Gangster-Touch, willige Frauen und die neusten Edel-Klamotten zu seinen Inszenierungen gehören. „Aber die wilden Zeiten sind vorbei, in denen ich die Musik auch als Ventil für viel Wut und Unzufriedenheit genutzt habe.“

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Aber muss es dann aktuell im Video zum Titeltrack „Ëmmer nach ech“ eine sich im String-Tanga räkelnde Tänzerin auf dem Bett der Hotelsuite sein? Das sei ein bewusster Bruch zum ebenfalls rund um das neue Album veröffentlichte Video „E bësse Léift“, so T. Darin formt er mit Handballer Thierry Hensen und einer ganzen Truppe Promis Herzen – und wirbt für mehr Mitgefühl und gesellschaftliches Miteinander. Da hagelte es dann gleich den Titel „Schmuserapper“.

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Facettenreich soll es dann auch am kommenden Samstag werden. Kumpels wie StA und DJ Scorpion dürfen nicht fehlen – und die Show wird auch die ein oder andere Überraschung bereithalten. Weiter ungezähmt – wie die Fans ihn kennen.
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Tickets für den 12. März gibt es unter www.atelier.lu (10 Euro/CD inklusive).
Mehr Infos rund um T The Boss gibt es auf seiner Homepage.


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