Webtipps der Kulturredaktion

Kult-Klicks

Gelangweilt von Katzenvideos? Wir haben die richtigen Kulturtipps im Web für Sie!
Foto: Shutterstock

/// Neue musikalische Sonnenstrahlen

Sun Glitters, Luxemburgs Electro-Export Nr. 1, stellt sein neues Album „It Will Be Forever“ vor

Von Daniel Conrad (17. Mai 2017)

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Wenn es um die Clubszene geht, ist wohl Sun Glitters der Luxemburger Exportschlager schlechthin, quasi der nationale Sonnenkönig des Genres. Der Name, der sich hinter dem Projekt verbirgt, lautet Victor Ferreira. Über Jahre hat er sich einen internationalen guten Ruf erkämpft – und andererseits merkt man ihm nun an, dass die Zeit auf Tour rund um die Welt und die Vaterrolle seine Sicht auf die Dinge verändert haben.

Das spürt man auch auf dem neuen Album, das er unter seinem Künstlernamen am Freitagabend in den Rotondes vorstellen wird. „It Will Be Forever“ bündelt elf Tracks zu einer Reise in klangliche Landschaften. Und wie er in Hashtags umschreibt, ist das „dreampop electronic glitterswave hip-hop rap shoegaze“. Und das meint? Einerseits ist das, was da zu hören ein fast nostalgischer Blick zurück in die Filmmusik der 1980er-Tech-Noir-Zeit.

Vektorgrafik-Linien bestimmen die Ästhetik des Designs um das neue Album - inklusive des Künstlerporträt.
Foto: Sun Glitters

Andererseits sind das bewusst nur Anklänge, die er mit neuen Techniken und Sounds mischt. „Zurück in die Zukunft“, sagt er. Natürlich bleiben seine Grundklangcollagen unverkennbar. Aber dennoch spürt der Zuhörer, der seinen Weg mit Sun Glitters verfolgt hat, wie er gegen ein eigenes copy-paste-Schema aufbegehrt: gesungene Melodien sind fast weggefallen.

Der Down-tempo-Beat hinterlässt zwar wie einen relaxten Eindruck und doch kommt durch das Dunkle, Kratzige, streng Gebürstete das Sommer-Sonne-Gute-Laune-Gefühl nicht wie sonst auf. „Es ging einfach darum, neue Sounds zu finden. Ganz geplant war das nicht, aber es hat sich so ergeben.“ Es ist eben schon ein Bruch mit dem üblichen Fertigungsprozess und der Ästhetik – dazu kommt einmal mehr, dass Ferreira sich neben der Musik auch wieder stark mit der Design-Linie um den Release beschäftigt hat.

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Vektorgrafiken bestimmen die Aufmachungen und die passend gedrehten Videos. „Für jeden Track des Albums wird es beim Release auch ein Video zu sehen geben. Sie wirken wie Eindrücke aus den Alltagsleben der Protagonisten“, erklärt er. Vielleicht wird aus den Videos gar eine Art Film, den er später veröffentlichen möchte. Schon jetzt gibt es Einblicke in dieses Gesamtkonzept: die Videos für die Tracks „Together“ und „From Saturday to Sunday“ sind auf YouTube verfügbar.

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Releaseparty am Freitag, dem 26. Mai, ab 21 Uhr in den Rotondes. Tickets an der Abendkasse kosten 10 Euro (VVK 8 Euro).

www.sunglitters.com

 

/// Luxemburger Foals

Im Galopp durch Europa

Von Pol Schock (17. Mai 2017)

Toys? Tooisss? Oder gar Tuissss? Regelmäßig scheitern Menschen beim Aussprechen des Bandnamens Tuys. Dabei ist es eigentlich recht einfach: Tuuu_issss. Ungeachtet des holprigen Bandnamens schreitet die Band mit erfolgreichen Schritten voran. Aktuell befinden sich die vier Düdelinger auf einer europäischen Tour und bespielen Clubs in Städten wie London, Hamburg, Berlin oder Rotterdam.

Und gleichzeitig hat die Band eine neue Single veröffentlicht. „Belong“ heißt der neue Track, der am vergangenen Freitag in den Rotondes vorgestellt wurde. Tuys haben sich Anfang des Jahres im Ghost City Recording Studio in Nürnberg verschanzt, um gemeinsam mit Produzent Jan Kerscher (Inborn!) am neuen Sound zu arbeiten. Herausgekommen sind mehrere Songs, die nach und nach als Singles veröffentlicht werden sollen.

Ein Hauch von Pop

Und „Belong“ zeigt: Hier hat eine Band ihren Sound gefunden. „Cause this is where we belong“, singen Tuys im Kollektiv im Refrain. Lässig poppige Indieklänge, die Lust auf die kommenden Festivalmonate machen. Die Band geht damit konsequent den Weg weiter, den sie in den vergangenen Jahren eingeschlagen hat. Angefangen vor bereits zehn Jahren als Schülerband mit britisch angehauchtem Indierock reiften Tuys musikalisch (und auch äußerlich!) kontinuierlich heran.

Doch bereits von Beginn an legten Tuys großen Wert auf Songwriting mit klaren Strophe/Refrain-Strukturen und eingängigen Gesangslinien – ohne allzu cheesy zu klingen. Und seit etwa der EP "People“ von 2013, spätestens seit "Carousel" von 2015, hat die Band ihren Sound im Stil der Indieband Foals entwickelt mit melodischen Gitarrenparts, gelegentlichen dynamischen Ausbrüchen – und einem Hauch von Pop. Auch „Belong“ steht in dieser Tradition.

Dabei ist es eigentlich schade, dass Tuys in zehn Jahren noch kein „wirkliches“ Album veröffentlicht haben. Das wäre doch mal was.

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/// Vorsicht, neugieriges Llama!

Luxemburger Musikerduo bietet neue Plattform für Acts aller Art

Von Daniel Conrad (10. März 2017)

"Wir konnten uns das, was sonst so in den Radios und in den Topbereichen bei Youtube läuft, einfach nicht mehr anhören", sagt Pit Dahm, der mit seinem Kompagnon Jérôme Klein "Banana Llama Sessions" ins Leben gerufen hat. Beide Luxemburger sind top ausgebildete Jazzer -  aber eben auch sonst an jeder Musik interessiert, die handwerklich mehr als gut gemacht ist. Einmal in der Woche stellen sie deshalb - als Gegenprogramm zum gehypten Allerweltsgeschmack  - einen Act auf ihrer Facebookseite mit dem Llama als Profilbild vor: live, im Konzertsetting, so wie es passiert und nicht nachbearbeitet. Dahm macht kleine Interviews oder gibt  Einführungen zu den Bands, Klein führt die Kamera bei den etwa 15-minütigen Direktübertragungen der Auftritte.

Das an sich wirkt jetzt nicht so neu. Das Besondere steckt im Detail: "Wir haben ein mobiles Studio dabei, damit wir den Ton möglichst gut abnehmen können. Die Zuschauer auf Facebook sollen die Acts so erleben, als wenn sie beim Konzert dabei wären -  eben nicht wie mit dem Smartphone aufgenommen, aber auch nicht komplett durchchoreographiert wie bei sonst eher üblichen Promovideos von Bands", sagt Dahm.

Seit Ende Januar läuft das Projekt, das mindestens einmal in der Woche einen neuen Act vorstellen will. "Wenn es sommerlicher wird, wollen wir auch Acoutic-Sessions draußen aufnehmen. Auch das in möglichst guter Tonqualität mit dem mobilen Studio." Das Konzept scheint aufzugehen. In der kurzen Zeit und ohne viel Werbung haben 850 Fans die  Facebookseite für sich entdeckt.

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Aber bietet das Duo nicht zu viel Eigengeschmack oder stellt eigene Musik-Projekte und nur Luxemburger Künstler vor?  "Sicher sind da aktuell auch Projekte dabei, bei denen Jérôme und ich mitspielen" sagt Dahm. "Aber das kam so, weil wir es gut organisieren konnten. Es geht uns darum, Acts aus allen Sparten vorzustellen -  das werden die nächsten Sessions auch zeigen. Es ist  egal, wo die Musiker herkommen. Hauptsache, sie spielen live gut. Inzwischen melden sich auch Bands und Künstler quer über die Genre hinweg bei uns, um bei den Banana Llama dabei zu sein. Das zeigt ja schon, dass das einen Nerv trifft und viele sich darum bemühen, live ihre Musik zeigen zu wollen."

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Erst einmal soll es dabei nicht um Geld gehen. Das Engagement des Duos geht auf seine eigenen Kosten - "eine Investition in gute Musik", sagt der ausgebildete Schlagzeuger. Die Aufnahmen werden nach den Live-Sessions auf Facebook zum Teil auch auf den Youtube-Channel mit gleichem Namen gesetzt und zusätzlich den Bands für das eigene Marketing zur Verfügung gestellt. "Wenn wir mal einen größeren Kreis an Zuhörern erreichen, könnte man über ein Art Sponsoring oder Werbung nachdenken",  so Dahm.

 

/// Den Van Gogh fürs Wohnzimmer? 

Wie das Metropolitan Museum of Art für Aufsehen sorgt

Von Daniel Conrad (27. Februar 2017)

Van Goghs "Selbstportät mit Strohhut" ist nur in kleinerer Auflösung als Foto downloadbar.
Foto: Metropolitan Museum of Art/ Bequest of Miss Adelaide Milton de Groot (1876–1967), 1967

Ein Paukenschlag für alle, die sich mit der Digitalisierung von Kunst beschäftigen: Das Metropolitan Museum of Art stellt den wichtigsten Kern seiner Kollektion online. Das allein ist nicht so besonders. Auch andere Museen haben längst damit begonnen, ihre Werke digital aufzuarbeiten und online bereitzustellen. Spätestens mit der Zusammenarbeit zwischen vielen Kunstinstitutionen mit Google im "Google Art Project" kochte bereits die Debatte hoch. Aber das "Met" stellt nun zudem hochaufgelöste Fotografien der Werke kostenlos zum Download zur Verfügung; und das ohne jegliche Copyrightbeschränkungen. Damit ist der Nachproduktion der 375000 Werkfotografien und dem digitalen Vertrieb Tür und Tor geöffnet. Ein El Greco auf der persönlichen Tasse? Ein Tshirt mit Gauguins tahitianischen Damen? -  alles kein Problem mehr.

Die Möglichkeit zur eigenen Nachproduktion von Kunstwerken scheint verführerisch, doch bei sehr bekannten Stücken wie zum Beispiel dem Selbstporträt Van Goghs ist die Auflösung für einen größeren Nachdruck nicht gut genug -  aber für einen herausragenden Bildschirmschoner reicht sie durchaus.

Sind dann eigentlich auch zum Beispiel die Werke des in Luxemburg geborenen Fotografen und späteren Kurator des MoMA, Edward Steichen inbegriffen, die in den Schatzkammern des "Met" liegen? Nein. Denn der starb 1973 -  und frühestens erst 70 Jahre nach seinem Tod dürften die Bilder auch zum Download freigegeben werden.  Das gilt dann auch zum Beispiel für die in der Datenbank findbaren Werke von Pablo Picasso, der ebenfalls 1973 starb - und alle anderen ähnlichen Fälle.

Ein Vorteil der umfassenden Datenbank ist allerdings nicht nur die reine Bestandsübersicht im Museum oder die Download-Möglichkeiten. Wer zum Beispiel Edward Steichen sucht, findet auch vertiefende Artikel und Verweise zur Literatur, Hinweise zu Ausstellungen und den dazu entstandenen Katalogen. Damit braucht es schon deutlich weniger Fachrecherche, um Informationen über Künstler, Werk und Fachexpertise zu finden.

Auch der Verweis auf die Leihgabe zweier Werke von Bouts in der am 11. Februar zu Ende gegangenen Werksschau "Blut und Tränen" um den Maler des 15. Jahrhunderts im Luxemburger Nationalmuseum ist schon eingetragen.

 

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Im Blog „Kult-Klick“ will die LW-Kulturredaktion ihren Lesern Tipps aus den virtuellen Welten vorstellen. Videos, Fotostrecken, Webseiten, Linksammlungen, Kulturblogs oder Twittertrends – alles, was unseren Kulturredakteuren weit jenseits von Katzenvideos an kreativem Webcontent ins Auge fällt und eine Bereicherung in den kulturellen Sparten darstellt.