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„We Get the World We Deserve“
Kultur 1 2 Min. 13.09.2015 Aus unserem online-Archiv
Zweite Staffel von „True Detective“

„We Get the World We Deserve“

Colin Farrell steht diesmal im Fokus der Staffel.
Zweite Staffel von „True Detective“

„We Get the World We Deserve“

Colin Farrell steht diesmal im Fokus der Staffel.
Foto: HBO
Kultur 1 2 Min. 13.09.2015 Aus unserem online-Archiv
Zweite Staffel von „True Detective“

„We Get the World We Deserve“

Nach dem überaus gelungenen Experiment von HBO namens „True Detective“, in dessen erste Staffel Matthew McConaughey und Woody Harrelson als ungleiches Ermittlerpaar unterwegs waren, waren wir gespannt, ob die zweite ebenso gut ist.

Von Vesna Andonovic

Eigentlich dürfte es nicht wundern, dass wenn man hervorragenden Schauspielern die Möglichkeit bietet eine Figur auf längere Dauer, sprich in einer Serie, zu entwickeln, das Resultat meist hervorragend ist. Solch ein vorhersehbarer Überraschungstreffer war das überaus gelungene Experiment von HBO namens „True Detective“ in dessen erste Staffel Matthew McConaughey und Woody Harrelson als ungleiches Ermittlerpaar Rust Cohle und Marty Hart Jagd auf einen Serienmörder machten.

Nach acht spannenden Episoden erfindet sich „True Detective“ auch mit der zweiten, ebenfalls acht Teile umfassenden Staffel neu – und hält dabei trotzdem am Erfolgsrezept fest.

Diesmal wurden Colin Farrell (der cholerische Detective Ray Velcoro), Rachel McAdams (Detective Ani Bezzerides, die eine familiäre Sektenvergangenheit mit sich schleppt), Taylor Kitsch (der mit seiner Homosexualität ringende Officer Paul Woodrugh), Vince Vaughn (als Ex-Cop und nun Unterweltboss Frank Semyon) und Kelly Reilly (als seine Ehefrau Jordan mit Kinderwunsch) engagiert.

Konzentration einfordernd

Im Gegensatz zur ersten Staffel, die maßgeblich durch die Wechselwirkung der beiden Ermittler und ihre teils total abgehobenen, philosophischen Diskussionen getragen wurde, stehen nun gleich mehrere Figuren im Mittelpunkt und ermöglichen es Serienmacher Nic Pizzolatto so, die Handlung in mehrere parallel laufende Stränge aufzusprengen.

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Dies bietet zwar die Abwechslung unterschiedlicher Blickpunkte und Handlungsbögen an, fordert vor allem bei Fans der ersten Stunde anfangs aber etwas Eingewöhnung. Auf Dauer erweist sich dieser Perspektivwechsel jedoch für die, die die ersten paar Folgen durchhalten – denn eine gehörige Portion Konzentration ist schon erforderlich bis man sich mit den Figuren vertraut gemacht hat – als durchaus spannend. Besonders zum  Ende der Staffel, wenn alle Erzählstränge zusammenfinden und sich endlich eine Klarheit einstellt, steigt die Spannung zuweilen bis an den Rand des Erträglichen.

Brutale Landung in der Realität

Auch in dieser zweiten Staffel sind es die starken Figuren, die „True Detective“ das schlagkräftigste Argument liefern. Allesamt vom Leben Gezeichnete – und in deren Narben sich so mancher Zuschauer wiedererkennen kann, vermögen sie über den streckenweise etwas konfus komplex geratenen Plott hinwegzutragen.

Während zuvor ein Mord im Mittelpunkt stand, ist ein solcher hier Auslöser einer ganzen Reihe von Ereignissen, die eigentlich nur darauf zielen die Halbwahrheiten und Wunden offenzulegen mit denen jede einzelne der Figuren lebt – was das Ganze einzigartig und zugleich universell macht. So extrem die Situationen, in denen sie sich wiederfinden aus sein mögen, und so exotisch das amerikanische Unterwelt-Setting für europäische Zuschauer auch wirken mag, mit dem verzweifelten Streben nach Glück und einer kurzen Auszeit im täglichen Überlebenskampf kann sich ein jeder Zuschauer flugs identifizieren.

„We get the world we deserve“ so die verführerische Tagline zur zweiten Staffel – die Landung dabei könnte nicht brutaler sein, denn die Düsterheit, die „True Detective“ stetig latent verströmt, steht einer schleichenden Apokalypse – im Sinne von Weltuntergang – in Nichts nach. Wohl auch deshalb hat man bei dieser Fernsehserie das Gefühl von richtig großem Kino ...

Beide Staffeln sind auf DVD und Blue-Ray erhältlich (n. b. die Zweite nur aus Übersee).