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"Wann hört man schon mal Rap aus Luxemburg im Radio?"
"Zocke dich ab wie die Telekom..."

"Wann hört man schon mal Rap aus Luxemburg im Radio?"

Foto:  Aus dem Musikvideo 16 Bars - www.youtube.com/HaydaOfficial
"Zocke dich ab wie die Telekom..."
Kultur 9 Min. 28.06.2013

"Wann hört man schon mal Rap aus Luxemburg im Radio?"

Klein, aber fein: Zwischen Banken und Anzugträgern hat sich in Luxemburg eine eigene Rap-Szene etabliert. Wort.lu hat sich mit dem Nachwuchs-Rapper Hayda Perfect getroffen. Er bedauert, dass die Szene hierzulande zersplittert ist.

(HGU) - Luxemburg, ein kleines Land mit vielen Gesichtern. Zwischen den glänzenden Fassaden der Banken entwickelt sich eine Hip-Hop Kultur, so divers wie die vielen Kulturen die sich hier niedergelassen haben. Wort.lu hat sich mit Dimitri Kanth aka. Hayda Perfect getroffen und ist mit ihm in die luxemburgische Rap-Szene eingetaucht.

Dein Künstlername, Hayda Perfect, was bedeutet der eigentlich?

Die Bedeutung ist eigentlich ganz einfach zu erklären. „Hayda“ leitet sich vom englischen Wort Hater ab.

Ein Hater ist jemand, der eine Person schlecht redet weil er diese insgeheim beneidet, um was auch immer es sich handeln mag. Ein Schauspieler kann „gehatet“ werden, ein Musiker, ein Radiomoderator. Eigentlich jeder, der sich der breiten Masse präsentiert und etwas Außergewöhnliches oder Umstrittenes macht.

Da es von diesen „Hatern“ mehr als genug gibt und das Wort besonders häufig in der Rap/Hip-Hop-Szene benutzt wird und auch schon immer eine große Rolle gespielt hat, habe ich es bewusst in meinen Künstlernamen eingebaut. Es sollen ja gerade die Hater sein, die einen Künstler populär machen und an die Spitze bringen.

Um es ein wenig origineller wirken zu lassen, habe ich das Hater in „Hayda“ umgewandelt. Schließlich wird es ja auch so ausgesprochen.

Das „Perfect“ kam dann später dazu, ich bin mir bis heute nicht sicher wie ich darauf gekommen bin und warum es gerade das „Perfect“ war. Eins weiß ich aber, es lässt sich gut flowen!

Hayda Perfect, würdest du dich als Perfektionisten beschreiben?

Auf jeden Fall. Ich bin, was meine Musik angeht, wirklich sehr perfektionistisch und sehr kritisch.Die Produktion meiner Lieder übernehme ich zu 100 Prozent selbst, bis auf die Beats.

Ich schreibe meine eigenen Texte, nehme diese auf, erledige das Abmischen und schneide auch die Videos, um sie später auf Youtube hochzuladen.

Dabei achte ich auf jedes kleinste Detail und versuche wirklich das Bestmögliche aus meinem Equipment herauszuholen. Wenn es sein muss, rappe ich einen Part 20 Mal am Stück, Hauptsache er sitzt. Ich versuche alles One-Take aufzunehmen und die Texte so zu schreiben, dass ich diese auch ohne die Hilfe eines Back-up-Rappers performen kann.

Viele Musiker hören sich heutzutage auf ihren in Studios aufgenommenen Songs sehr gut an, doch können live keine 4 Zeilen ohne Unterstützung rappen. Meiner Meinung nach kann sich 2013 jeder Vollidiot gut anhören, doch das ist leider nicht auf die herausragenden Fähigkeiten des Künstlers zurückzuführen, sondern auf die des Toningenieurs.

Wann hast du denn mit dem Rap angefangen und wie kam es dazu?

Angefangen zu rappen habe ich mit 15 Jahren. Eigentlich war alles ein krasser Zufall…

Nach dem schockierenden Tod meines Vaters bin ich zu seiner Beerdigung nach Deutschland gefahren. Ich habe an diesem Tag bei meiner Tante übernachtet. Sie hat die Sachen, die mein Vater in seiner Wohnung zurückgelassen hatte, bei ihr in einem separaten Raum aufbewahrt. Kurz vor meiner Abreise hat sie mich gebeten einen Blick in das kleine Zimmer zu werfen. Ich habe die ganzen Kartons durchwühlt und bin dabei auf zwei billige 30-Euro-Mikros und ein kleines Mischpult gestoßen. Das Equipment habe ich sofort eingepackt und mit nach Luxemburg genommen.

In den Sommerferien 2009 habe ich dann angefangen, meine ersten Texte zu schreiben und aufzunehmen. Den ersten Track habe ich meinem Vater gewidmet.

Was macht deine Texte und deinen Style real?

Ob ein Künstler „real“ ist oder nicht ist ein sehr großes und umstrittenes Thema im Rap-Business. Meiner Meinung nach liegt das im Auge des Betrachters. Musik ist Kunst. Ich kann über Sachen rappen die ich erlebt habe oder auch einfach eine fiktive Geschichte erzählen. Es hängt alles davon ab, wie man es rüberbringt. Wenn ich jetzt darüber rappen würde was für ein harter Kerl ich doch bin und im Ghetto lebe wäre das gespielt und fake, klar. Wenn ich aber von Problemen in Ghettos rappen würde und die Leute darauf aufmerksam machen will, wie schlecht es den Menschen in diesen sozialen Brennpunkten geht, hat das nichts mit meiner Authentizität als Rapper zu tun.

In erster Linie sind meine Texte alle aus meiner eigenen Feder entstanden. Das Schreiben hilft mir sehr, meine Probleme zu verarbeiten. Ich lege viel Wert darauf, den Hörer so stark wie möglich in meinen Bann zu ziehen und die Leute zu berühren.

Wer sind deine Vorbilder im Leben und im Rap-Game?

Meine Vorbilder im Leben sind ganz klar mein Vater und meine Mutter. Das sind Menschen zu denen ich aufblicke, ganz egal was zwischen uns ist oder war.

Im Rap-Game habe ich keine wirklichen Vorbilder. Natürlich gibt es Rapper die ich gut finde und deren Rap-Skills bewundere, aber Vorbilder gibt es da nicht wirklich.

Wie würdest du die luxemburgische Rap-Szene beschreiben?

Jämmerlich! Nein, Spaß beiseite. Das erste Wort das mir dazu einfällt: Multi-Kulti.

Hier hat man wirklich sehr viele verschiedene Styles und Sprachen; Luxemburgisch, Französisch, Deutsch, Portugiesisch, Kapverdianisch, Italienisch. In meinen Augen ist das schon mal ein dicker Pluspunkt für die luxemburgische Rap-Szene.

Doch natürlich hat auch das seine negativen Seiten. Jeder bleibt in seiner Ecke und die Leute kommen nicht wirklich auf einander zu. Die französischen Rapper arbeiten mit gleichsprachigen Künstlern, Luxembuger mit Luxemburgern und so weiter. Ich will das jetzt nicht pauschalisieren, es gibt da natürlich auch Ausnahmen, aber größtenteils ist das so. Es ist halt auch schwer mit anderen MC's zusammen zu arbeiten, da die Styles meist sehr verschieden sind. Unmöglich ist es aber nicht.

Meiner Meinung nach ist die luxemburgische Rap-Community zu klein, was auch vielleicht auf die vielen verschiedenen Nationalitäten zurückzuführen ist. Die nationalen Künstler werden zu wenig von den Luxemburgern unterstützt, es scheint mir so als würden die Leute teilweise die Arbeit der Musiker hierzulande nicht zu schätzen wissen. Manche Rapper kaufen sich sogar Youtube-Klicks, um mehr Aufmerksamkeit zu bekommen und um sich von anderen abzuheben. Die Rapper vergleichen sich heutzutage anhand von Youtube-Klicks und Facebook-Likes, so auch in Luxemburg.

Was fehlt der Rap-Szene in Luxemburg?

Was der luxemburgischen Rap-Szene fehlt ist der Zusammenhalt der Rapper. Gemeinsam ist man stärker als alleine, und besonders in einem kleinen Land wie Luxemburg. Es bringt nichts, sich für jemand besseren zu halten, es gibt aber anscheinend einige die das anders sehen.

Dazu kommt, dass die luxemburgischen Medien die Rapper wenig bis gar nicht unterstützen. Ich habe sehr selten einen Rapper aus Luxemburg im Radio gehört oder im TV gesehen. Und wenn das mal der Fall ist, hab ich den Eindruck dass die Musik und die Künstler nicht wirklich ernst genommen werden. Das liegt vielleicht auch daran das Hip Hop in Westeuropa nicht den besten Ruf hat. Gewalt, Drogen etc. kommen häufig in den Texten der Rapper vor. Trotzdem sollten sich die Medien mehr mit diesem Thema auseinandersetzen.

Des Weiteren fehlt es der luxemburgischen Szene an deutschen Rappern. Die Projekte hierzulande werden größtenteils von französischen Artisten realisiert.

Im großen Ganzen ist die Hiphop Szene in Luxemburg noch sehr ausbaufähig. Ich wünsche mir für die Zukunft mehr Veranstaltungen wie z.B. die „Punch-Ligue“ von Godié, oder die „Battle League Letzebuerg“. Auch die Zusammenarbeit der Rapper sollte zunehmen.

Alkohol, Drogen, Geld und Frauen - spielen diese Faktoren eine Rolle in deinem Leben?

Mein Drogenkonsum ist gemäßigt, da ich Sport treibe und mir meine Gesundheit und meine Leistungsfähigkeit am Herzen liegen.

Geld spielt meiner Meinung nach in jedermanns Leben eine wichtige Rolle und ist überlebenswichtig. Daher auch bei mir. Ich denke um glücklich zu sein, braucht man Geld, denn ohne hat man Sorgen. Aber Geld allein macht noch lange nicht glücklich.

Was ist für dich Erfolg und ab wann ist man erfolgreich als Rapper?

Erfolg ist relativ. Hierzulande ist man als Rapper schon mit 50 000 Klicks auf YouTube erfolgreich. In größeren Ländern wie Deutschland oder Frankreich benötigt es schon das 100-fache. Erfolg kann man natürlich nicht nur anhand von Youtube-Klicks messen, doch diese gewinnen zunehmend an Bedeutung und die Künstler werden für Klickzahlen bezahlt.

Erfolg ist für mich persönlich, wenn man etwas Eigenes auf die Beine gestellt hat worauf man stolz sein kann, ohne abzuheben oder sich für etwas Besseres zu halten.

Wo siehst du dich in zehn Jahren?

Rap-Star, Multi-Millionär und Oscar-Preisträger. Nein natürlich nicht… Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass vieles in diesem Leben Zufall und Schicksal ist. Man weiß nie, wohin es einen führt. Doch ich bin davon überzeugt, dass wenn man alles gibt, um sein Ziel zu erreichen und bereit ist vieles dafür aufzuopfern, man auch dafür belohnt wird. Ich habe mir die Messlatte auf jeden Fall richtig hoch gelegt.

Wann wird man wieder was von dir auf die Ohren bekommen? Was für Projekte stehen an?

Für diesen Sommer ist noch einiges geplant, unter anderem zwei Videoclips.

Ich habe vor meinen nationalen Bekanntheitsgrad zu erweitern und insgesamt produktiver zu werden. Ich möchte einen Sound nach Luxemburg bringen, der in dieser Form noch nie zuvor existiert hat.

Da ich momentan noch kein richtiges Musik-Video auf meinem Youtube-Kanal habe, wundert es mich auch nicht dass ich noch relativ unbekannt bin. Das möchte ich auf jeden Fall ändern.

Ich werde mir für die kommenden Projekte sehr viel Mühe geben und versuchen, die Leute von meinem Talent zu überzeugen.

Möchtest du unseren Lesern noch etwas mitteilen?

Als erstes möchte ich mich bei den Leuten bedanken die mich bis hierhin unterstützt haben. Ohne euch hätte ich nämlich schon lange die Flinte ins Korn geworfen.

Ich möchte mich bei allen Menschen bedanken, die positiven Einfluss auf mich haben und mir zeigen dass dieses Leben wirklich lebenswert ist!

Dazu bedanke ich mich auch bei allen Leuten in meinem Umfeld, die mir zeigen wie ich nie sein will.

Interview: Hörður Guðmundsson