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Es muss ohne Olinger gehen
Kultur 2 Min. 26.02.2015 Aus unserem online-Archiv
„Waarden op Godot“ im Escher Theater

Es muss ohne Olinger gehen

Untergangsstimmung? Von wegen! Jules Werner und Co. spielen mit viel Humor.
„Waarden op Godot“ im Escher Theater

Es muss ohne Olinger gehen

Untergangsstimmung? Von wegen! Jules Werner und Co. spielen mit viel Humor.
Foto: Bohumil KOSTOHRYZ
Kultur 2 Min. 26.02.2015 Aus unserem online-Archiv
„Waarden op Godot“ im Escher Theater

Es muss ohne Olinger gehen

Regisseur Charles Muller hatte Marc Olinger eine Rolle in „Waarden op Godot“ angeboten, das heute seine Premiere feiert. Nach dem Tod des Schauspielers hat Muller eine ungewöhnliche Lösung für die Umbesetzung gefunden.

Interview: Daniel Conrad

Es hätte ein Triumph werden können. Regisseur Charles Muller hatte Marc Olinger eine Rolle in „Waarden op Godot“ angeboten. „Marc hatte sich sehr darauf gefreut, den Pozzo zu spielen. Er hatte wieder Lust am Spielen gewonnen und wäre sicher herausragend aufgetreten“, betont der Escher Theaterchef. Doch Olingers Tod im Januar wirft nun einen Schatten auf die morgige Premiere der Beckett-Inszenierung in luxemburgischer Sprache. Für die Umbesetzung hat Muller eine ungewöhnliche Lösung entwickelt.

Herr Muller, Sie hatten Marc Olinger in der Rolle des Pozzo vorgesehen. Wie gehen Sie mit dem Verlust um?

Das ist immer noch ein herber Schlag, der nicht nur mich, sondern auch die ganze Luxemburger Theaterwelt getroffen hat. Privat ist das ein sensibles Thema für mich. Wir haben über die Jahre immer ein sehr gutes Verhältnis gepflegt und ich bin über den Verlust noch sehr traurig. Ich habe nicht nur einen Kollegen, sondern einen echten Freund verloren.

Was hatte er denn für Ideen in Ihre Inszenierung von Becketts bekanntem Stück in der Textfassung von Guy Wagner einbringen wollen?

Marc war in der Vorbereitung sehr kooperativ und brachte sich sehr ein, zumal er das Stück und Becketts Arbeit insgesamt sehr hoch schätzte. Er kannte die Herausforderungen sehr genau und er hatte auch die Lust, sein ganzes Können aufzubieten. Vor eineinhalb Jahren hätte er die Rolle des Pozzo in Nice spielen sollen. Doch sein erster Herzinfarkt hinderte ihn daran. Daher bot ich ihm gerne die Gelegenheit, den Tyrannen dann in meiner Inszenierung doch noch spielen zu können. Das hat ihn unglaublich gefreut.

Wie lösen Sie die notwendige Umbesetzung?

Wir besetzen Fabienne Hollwege als Lucky und Christiane Rausch als Pozzo. Dass damit ursprünglich männlich besetzte Rollen von Frauen gespielt werden, tut der Botschaft des Stücks keinen Abbruch. Die Figuren, die Beckett geschaffen hat, sind jenseits aktiver Sexualität und quasi geschlechtslos. Rein textlich werden sie zwar männlich angesprochen, aber mir geht es um das Spiel, das die beiden einbringen. Sie geben den Rollen neue Feinheiten. Pozzo als Tyrann braucht nicht mehr zu poltern. Vielmehr finde ich es bemerkenswert, welche neuen Facetten ein spitzfindiger, fast schneidender Umgang aus der Rolle hervorbringt. Das tut dem Stück sehr gut.

Becketts Werke bergen oft eine große Dunkelheit  ...

Im Gegenteil, der Humor kommt nicht zu kurz. Germain Wagner und Jules Werner geben als Estragon und Wladimir ein wirklich perfektes Paar wie Laurel und Hardy ab. Es ist eine unglaubliche Freude, den beiden zuzuschauen. Sie kitzeln das Ironische dieser Wartesituation hervor, und das begeistert sicher auch die Zuschauer.

Premiere heute Abend um 20 Uhr im Escher Theater. Weitere Vorstellungen am morgigen Freitag sowie am kommenden Samstag, dem 28. Februar, jeweils um 20 Uhr. Karten ab 14 Euro (erm. ab 4 Euro) unter Tel. 54 73 83-501 oder unter  www.theatre.esch.lu.