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Vor dem Pariser Strafgericht: Der Fall De Robertis
Die Performance von De Robertis schockte offensichtlich die Kunstwelt.

Vor dem Pariser Strafgericht: Der Fall De Robertis

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Die Performance von De Robertis schockte offensichtlich die Kunstwelt.
Kultur 2 2 Min. 13.12.2016

Vor dem Pariser Strafgericht: Der Fall De Robertis

Tom RUEDELL
Tom RUEDELL
Wie weit darf Nacktheit in der Kunst gehen, bevor sie ein Gesetz bricht? Deborah de Robertis hat diese Frage mit ihren Performances, ob gewollt oder nicht, mehrfach gestellt. Zurzeit wird über die Antwort verhandelt.

(AFP/tom) - Wie weit darf Nacktheit im Rahmen einer künstlerischen Performance gehen, bevor sie gegen das Gesetz verstößt? Diese Frage stellte sich zum wiederholten mal am Dienstag - im Prozess gegen die französisch-luxemburgische Künstlerin Deborah de Robertis wegen zweier spärlich bekleideter Auftritte in Museen.

Am 27. März hatte die 32-jährige Performance-Künstlerin am letzten Tag einer Bettina-Rheims-Ausstellung im Maison européenne de la photographie in Paris halbnackt vor einem Foto von Monica Bellucci posiert und sich den Inhalt einer Flasche Ketchup über die nackten Brüste gegossen.

Am 18. September, zum Abschlusstag einer Ausstellung zum Thema "Barbie-Puppen" war De Robertis mit einem hautfarbenen Overall erschienen, der die Brüste frei ließ. Auf dem Kopf trug sie eine blonde Barbieperücke, im Schritt war übertriebene künstliche Schambehaarung aufgeklebt. 

Sie nahm, wie eine Besucherin es formuliert, eine "suggestive Pose" ein. Es gebe "vielleicht philosophische und feministische Ansätze". Kinder könnten aber ihrer Meinung nach "diesen für sie schockierenden Anblick" nicht verstehen.

Auf der Anklagebank der Pariser Strafkammer erklärte De Robertis, sie wollte "den Körper einer echten Frau" zeigen - und zwar da, wo "Barbie keine Brustwarzen und keine Haare hat". Sie erinnerte an die Allgegenwart der Nacktheit in der Kunst.

"Keusche Beispiele"

De Robertis, die Kunstwerke neu interpretieren will, fragt nicht nach Erlaubnis, bevor sie für eine Performance in ein Museum geht. Vor Gericht versicherte sie, ein Teil der anwesenden Besucher sei jedenfalls "begeistert" gewesen. 

Der Kontext sei sicher ein anderer als beim "klassischen sexuellen Exhibitionismus", gab die Staatsanwältin zu. Nichtsdestotrotz handele es sich um einen "der Öffentlichkeit aufgezwungenen Anblick". Die Anklage forderte eine Strafe in Höhe von 2.000 Euro.

"Aber was ist mit der Intention", fragte der Anwalt der Künstlerin, Tewfik Bouzenoune. Wenn sie ihre Brust zeigt, dann tue sie das "nicht um Erregung zu erzeugen." Er bevorzuge den Begriff "Zurschaustellung" vor "Exhibitionismus", so Bouzenoune, denn die Zurschaustellung beinhalte nicht das Element des Aufzwingens. Zudem sei die Ausstellung über Bettina Rheims, auf der die Ketchup-Performance stattfand, sowieso mit einem Warnhinweis für die Öffentlichkeit versehen gewesen. Er forderte Freispruch und bemerkte, dass die ganze Sache "nichts vor Gericht zu suchen" habe.

Das Urteil soll am 1. Februar fallen.

Die vorsitzende Richterin stellte fest, dass die beiden zu verhandelnden Performances von De Robertis "zu ihren keuschsten" gehörten.

Bisher zweimal verwarnt

Im Januar hatte sie sich im Musée d'Orsay unter dem Gemälde "L'Olympia" entkleidet. Damit imitierte sie den Inhalt des Meisterwerks von Edouard Manet, auf dem eine junge Frau nackt auf einem Divan liegt, während ihr eine schwarze Frau Blumen reicht. Zum Zeitpunkt seines Erscheinens 1863 verursachte das Bild einen  Skandal wegen seiner sehr prosaischen Darstellung einer Prostituierten.

Ebenfalls im Orsay hatte De Robertis 2014 vor dem Gemälde "L'Origine du monde" von Gustave Courbet posiert. Das Bild ist bekannt für seine realistische Darstellung des weiblichen Geschlechts. 

In beiden Fällen war De Robertis mit einer Verwarnung davongekommen.

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