Vor 20 Jahren starb Falco

Exzentrisch und genial

Auch 20 Jahren nach seinem Unfalltod ist Musiker Falco unvergessen

Falco: Mit einem prächtigen Fest feierte er seinen 40. Geburtstag. Knapp ein Jahr später dann der jähe Unfalltod: Ein Bus rammte seinen Geländewagen, als Falco in seiner karibischen Wahlheimat bei Puerto Plata von einem Parkplatz auf eine Landstraße bog.
Falco: Mit einem prächtigen Fest feierte er seinen 40. Geburtstag. Knapp ein Jahr später dann der jähe Unfalltod: Ein Bus rammte seinen Geländewagen, als Falco in seiner karibischen Wahlheimat bei Puerto Plata von einem Parkplatz auf eine Landstraße bog.
Foto: LW-Archiv

Ein charismatisches Genie war er für Millionen Fans, ein Angeber mit überschätztem „Yuppie-Pop“ für manchen Kritiker. Der österreichische Musiker Falco selbst sah sich als „Wiener Rock 'n' Roller der zweiten Generation“. Seine größten Hits haben Geschichte geschrieben: „Rock Me Amadeus“, „Der Kommissar“ und der skandalumwitterte Song „Jeanny“. Der Exzentriker starb mit nur 40 Jahren am 6. Februar 1998 in der Dominikanischen Republik – bei einem Autounfall.

Geboren wurde Johann (Hans) Hölzel, wie Falco bürgerlich hieß, am 19. Februar 1957 in Wien. Die musikalische Begabung wurde früh sichtbar. Als er vier wurde, bekam er einen kleinen Stutzflügel geschenkt, nahm Musikunterricht und konnte bald Schlager nach Gehör nachspielen. Nach der Trennung seiner Eltern 1968 nahmen schulische Probleme zu; oft fehlte er im Unterricht. 1973 verließ er das Gymnasium, schmiss bald eine Ausbildung als Bürokaufmann und gründete die Band „Umspannwerk“.

Eineinhalb Jahre tingelte er durch Berliner Kneipen. Als er Ende der Siebzigerjahre den DDR-Skispringer Falko Weißpflog im Fernsehen sah, entschied Hölzel, sich als Künstler „Falco“ zu nennen. Später begründete er seinen Künstlernamen so: „Wenn du Hans Hölzel heißt und im Musikgeschäft antreten willst, dann kannst du damit keinen Preis gewinnen.“

1981 hatte er seinen Durchbruch als Solokünstler: Der Titel „Der Kommissar“ wurde ein Hit nicht nur in Europa, sondern landete sogar in den US-Charts. Weltweit verkaufte sich der Song sieben Millionen Mal. Falco, der in Anzug, gegeltem Haar und Sonnenbrille auftrat, wurde zum Star.

„Er war Superstar, er war populär, er war so exaltiert“

Von seinen Alben wurde das dritte – „Falco 3“ – zu einem überragenden Erfolg, vor allem nach der Single-Auskopplung „Rock Me Amadeus“, die 1985 erschien. Inspiration dafür war der Kinofilm „Amadeus“ von Milos Forman.

„Rock Me Amadeus“ wurde zum größten Hit von Falcos Karriere. Fast jeder kannte damals die auf Wolfgang Amadeus Mozart gemünzten Zeilen auswendig, die irgendwie auch auf Falco selbst passten: „Er war Superstar, er war populär, er war so exaltiert, because er hatte Flair.“ Falco galt Musikexperten fortan als „erster weißer Rapper“. Ebenfalls erfolgreich war seine zweite ausgekoppelte Single „Vienna Calling“.

Die dritte, „Jeanny“, sorgte für einen Skandal, nachdem das zugehörige Video im Fernsehen lief. Sendeanstalten weigerten sich, das Lied zu spielen, weil der – vieldeutige – Text des Songs nach ihrer Ansicht eine Vergewaltigung beschrieb und verherrlichte. Dem Verkauf der Single war die Kontroverse eher förderlich. Falcos viertes Album „Emotional“ erschien im Herbst 1986. Auf der anschließenden Welttournee merkte der an Heimweh leidende Wiener aber, dass er eigentlich gar kein Weltstar sein wollte.

Mit seinem 1988 veröffentlichten fünften Album „Wiener Blut“ konnte er nicht mehr an seine großen Erfolge anknüpfen. Als Künstler ein großer Selbstdarsteller, war er privat mit Abstürzen vertraut. Phasenweise schwermütig, griff er immer wieder zu Tabletten und Alkohol.

Mit einem prächtigen Fest feierte er seinen 40. Geburtstag. Knapp ein Jahr später dann der jähe Unfalltod: Ein Bus rammte seinen Geländewagen, als Falco in seiner karibischen Wahlheimat bei Puerto Plata von einem Parkplatz auf eine Landstraße bog. Er hatte Alkohol, Marihuana und Kokain im Blut. Wenige Wochen später wurde posthum ein Studioalbum veröffentlicht: „Out Of The Dark (Into The Light)“ wurde ein großer Erfolg. In dem gleichnamigen Song fragt Falco in fast religiöser Wortwahl: „Muss ich denn sterben, um zu leben?“ Spektakulär geriet die in eine Glasplatte gefasste lebensgroße Darstellung Falcos auf seinem Grab auf dem Wiener Zentralfriedhof: In einen schwarzen Umhang gehüllt, breitet Falco die Arme weit aus – als wolle er davonfliegen. KNA