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Volker Schlöndorff feiert 80. mit neuem Film
Kultur 5 5 Min. 31.03.2019

Volker Schlöndorff feiert 80. mit neuem Film

Schnappschuss bei der Premiere von „Der neunte Tag“ 2004: Regisseur Volker Schloendorff (M.) und die Schauspieler Ulrich Matthes (r.) und August Diehl freuen sich über den Applaus des Publikums.

Volker Schlöndorff feiert 80. mit neuem Film

Schnappschuss bei der Premiere von „Der neunte Tag“ 2004: Regisseur Volker Schloendorff (M.) und die Schauspieler Ulrich Matthes (r.) und August Diehl freuen sich über den Applaus des Publikums.
Foto: AP
Kultur 5 5 Min. 31.03.2019

Volker Schlöndorff feiert 80. mit neuem Film

Mit seiner Verfilmung von „Die Blechtrommel“ hat Volker Schlöndorff Kinogeschichte geschrieben. An diesem Sonntag wird der Oscar-Preisträger 80 Jahre alt. Ein Blick auf die Erfolgsgeschichte des Regisseurs, der aus Büchern internationale Kinogeschichte machte.

(dpa/vac) - An diesem Sonntag wird er 80 und nimmt sich ein eher ungewöhnliches Projekt vor, denn Volker Schlöndorff gehört mit Filmen wie „Die Blechtrommel“ zu den großen deutschen Regisseuren. 

Mit „Der neunte Tag“, in dem Ulrich Matthes die Hauptrolle spielte und der auf der autobiografischen Erzählung „Pfarrerblock 25487“ des ehemaligen „Luxemburger Wort“-Direktors Jean Bernard basiert, hat der Filmemacher auch zu Luxemburg eine ganz besondere Beziehung. 

„ ,Der neunte Tag‘ ist, von seiner Thematik her, einer meiner Lieblingsfilme. Er stellt die Frage, wie man als einzelner Widerstand leisten und sich richtig verhalten kann – und, vor allem, die Kraft findet, dies alles zu tun. Das sind ganz universelle, zeitlose Themen, die nicht eine Frage der Religion, sondern der Spiritualität sind. Man muss nämlich an einen besonderen Wert im Menschen glauben, um so etwas durchzustehen“, verriet er im März 2018 dem „Luxemburger Wort“ im Interview, als er zuletzt im Großherzogtum weilte, um den Ehrenpreis des LuxFilmFest entgegen zu nehmen. 


3.3. Kultur / LuxFilmFest / Luxembourg City Film Festival / Volker Schlöndorff / Interview  Foto:Guy Jallay
Volker Schlöndorff: "Ich bin immer lieber ein Anderer, als ich selbst."
Für die Verfilmung von "Die Blechtrommel" hat Volker Schlöndorff den Oscar gewonnen. Schriftsteller wie Heinrich Böll oder Max Frisch Oscar zählten zu seinen Freunden. Am Wochenende war er beim LuxFilmFest zu Gast und hatte Zeit für ein sehr persönliches Interview.

Die Szene mit dem Pferdekopf hat so manchem das Aalessen verdorben. Das Brausepulver im Bauchnabel? Provoziert noch heute. Ganz zu schweigen von dem, was unter dem Rock auf einem Kartoffelacker passiert. Mit seiner Verfilmung von „Die Blechtrommel“ hat Volker Schlöndorff Kinogeschichte geschrieben.

Der Regisseur in Kapuzenjacke

Fragt man ihn, warum er so viele Literaturverfilmungen gemacht hat, gibt er eine eindeutige Antwort. „Sie sehen ja, ich liebe Bücher“, sagt Schlöndorff. Er sitzt in seinem Haus an der Stadtgrenze von Potsdam zu Berlin. Der Boden ist aus hellem Holz und die Fenster seines Arbeitszimmers führen zum Griebnitzsee hinaus. Im Regal stehen Bände über deutsche Geschichte und Reiseführer, von Äthiopien bis „Kasachstan entdecken“.

Schlöndorff trägt Kapuzenjacke und eine Brille mit durchsichtigem Gestell. So sehen auch Mittzwanziger in Berlin-Mitte aus. Schlöndorff hat ihnen einiges an Leben voraus. 

Er hat mit den Hollywoodgrößen Dustin Hoffman und John Malkovich „Tod eines Handlungsreisenden“ gedreht. Er hat sich Heinrich Bölls Erzählung „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ vorgenommen. Und mit Julie Delpy „Homo Faber“ von Max Frisch verfilmt. Der Autor schenkte ihm später seinen Jaguar. „Das einzige Buch, das man nicht verfilmen kann, ist das Telefonbuch: zu viele Personen und nicht genug Handlung!“, hatte der Filmemacher auch schon 2018 in Luxemburg mit der ihm eigenen ironischen Bescheidenheit festgestellt.

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Sein wohl größter Erfolg ist die Verfilmung von Günter Grass' Roman „Die Blechtrommel“. Ein Film, der auch 40 Jahre später in seiner Skurrilität und seinem politischen Erklärungsgehalt noch eine ziemliche Wucht besitzt. Schlöndorff hat damit als bisher einziger deutscher Regisseur eine Goldene Palme in Cannes und einen Oscar in den USA gewonnen. Zuletzt lief „Rückkehr nach Montauk“ in den Kinos, der bei Kritikern auf eher geteiltes Echo stieß.

„Ich habe immer mit Büchern gelebt“, sagt Schlöndorff heute. Insofern sei er in Literaturverfilmungen reingerutscht. Natürlich habe er auch andere Filme gemacht. Aber trotzdem sei es eine Art Markenzeichen geworden, auch wenn er das Wort nicht mag. Wenn man Schlöndorff fragt, was er gerade liest, nimmt er seinen E-Reader in die Hand.

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Neben Montaigne – dem Alter entsprechend – habe ihn zuletzt nochmal „After the Fall“ von Arthur Miller gereizt, über dessen Trennung von Marilyn Monroe. Er habe „American Pastoral“ von Philip Roth gelesen, ein Buch über Afrika und Bestseller des Sachbuchautors Yuval Noah Harari.

Trauma in "Blechtrommel" verarbeitet

Auch „Unterleuten“ von Juli Zeh war dabei. Den Roman las Schlöndorff, während er auf Reisen in Afrika war. Mehrere Wochen war er mit dem Agrarwissenschaftler Tony Rinaudo in Mali, Niger und Ghana unterwegs. Schlöndorff plant einen Dokumentarfilm über den Australier, der mit einer besonderen Methode ausgetrocknete Gebiete wieder aufforstet. Rinaudo habe das Leben vieler Menschen dort verändert, sagt der Filmemacher. Der Klimawandel ist eines der Themen, die Schlöndorff gerade beschäftigen. Er referiert Fakten und erzählt vom Projekt.


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Geboren wird Volker Schlöndorff 1939 in Wiesbaden. Der Vater arbeitet als Arzt. Die Mutter stirbt, als sich beim Erhitzen von Bohnerwachs ein Feuer entzündet. Er erinnere nur, wie er damals gegen die Tür des Kinderzimmers getrommelt habe, hinter der sich so Schreckliches ereignet habe, schreibt er in seiner Autobiografie.

Noch Jahrzehnte später habe er in der „Blechtrommel“ den verzweifelten Oskar Matzerath ebenso vergeblich an die Tür schlagen lassen, hinter der seine Mutter an Fischvergiftung gestorben sei, schreibt Schlöndorff. Er wächst in Schlangenbad im Taunus auf, kommt als Schüler nach Frankreich und bleibt dort viele Jahre.

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Schlöndorff geht als Regieassistent von Louis Malle, Alain Resnais und Jean-Pierre Melville bei Vertretern der Nouvelle Vague in die Lehre. Der Vater scheint nicht viel von seiner Filmerei zu halten.

Aber Schlöndorff macht sich einen Namen. Er arbeitet auch mit der Schauspielerin und Regisseurin Margarethe von Trotta, seiner ersten Ehefrau, zusammen. Später heiratet Schlöndorff die Filmschnittmeisterin Angelika Gruber und bekommt mit ihr eine Tochter. Erst vor wenigen Monaten ist seine Frau gestorben.

Bewunderung für die Einsamkeit

Schlöndorff sitzt am Schreibtisch, erzählt von seiner letzten Reise und gibt sich Pausen zum Nachdenken. „Noch mehr als Bücher“, sagt er, „liebe ich den Umgang mit Schriftstellern.“ Die hätten etwas Besonderes, weil sie sehr viel Zeit alleine verbringen könnten, mit sich und ihrer Schreibmaschine oder ihrem Buchprojekt.

Was Schriftsteller festhielten, komme aus ihrem eigenen Nachdenken und Empfinden, aus der Einsamkeit. „Und bei mir ist es genau umgekehrt“, sagt Schlöndorff. „Wenn man Filme macht, hat man immer 100 bis 200 Leute um sich herum.“ Bei ihm sei eine Bewunderung dafür entstanden, dass Schriftsteller Einsamkeit aushielten. Es sei nicht so, dass er nicht die Geduld habe. Darüber habe er viel nachgedacht. „Aber ich hätte nicht diese Kraft der Introspektion gehabt.“

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Gibt es einen Roman, den er noch verfilmen will? Darauf habe er keine Antwort. Im Augenblick sei der Dokumentarfilm sein Projekt. Es sei nicht so, dass ihm die Lust an der Literatur vergangen sei, sagt Schlöndorff. 

Aber er glaube, dass sich das Publikum verändert habe. Früher habe er hauptsächlich für seine Generation gearbeitet, die heute nicht mehr ins Kino gehe. Bei einem Dokumentarfilm habe er das Gefühl, dass das Alter keine Rolle spiele. 

Erinnerungsschnappschuss bei der Premiere von „Der neunte Tag“ in Berlin am 9. November 2004: Regisseur Volker Schloendorff (M.) und die Schauspieler Ulrich Matthes (r.) und August Diehl freuen sich über den Applaus des Publikums.

Foto: AP Photo/Jan Bauer


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