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Visite d'atelier (VIII): Armand Strainchamps: Kunst aus dem Nutella-Glas
Kultur 17 3 Min. 01.09.2014

Visite d'atelier (VIII): Armand Strainchamps: Kunst aus dem Nutella-Glas

Kultur 17 3 Min. 01.09.2014

Visite d'atelier (VIII): Armand Strainchamps: Kunst aus dem Nutella-Glas

Armand Strainchamps' Welt ist nicht nur von Farbe und Bildern geprägt, sondern auch von einer pluridisziplinären Ansicht seiner Künstlerarbeit – vom Malerpinsel zur Filmkamera über Turnschuhe und Schokoladencremegläser.

Von Thierry Hick

Armand Strainchamps' Welt ist nicht nur von Farbe und Bildern geprägt, sondern auch von einer pluridisziplinären Ansicht seiner Künstlerarbeit – vom Malerpinsel zur Filmkamera über Turnschuhe und Schokoladencremegläser.

Knapp 200 m vom Rummel der Schueberfouer auf dem Glacis-Feld herrscht in diesem Hinterhof eines Einfamilienhauses auf Limpertsberg eine erstaunliche Ruhe. In der ehemaligen Werkstatt des Geldschrankherstellers Pierre Freylinger ließ sich Armand Strainchamps im Jahre 1999 nieder.

Ein geräumiger, schlichter und lichtdurchfluteter Raum, in der Mitte ein großes, weißes Podest, an dem ein Bild aufgehängt ist: Kein Zweifel, hier ist ein Maler am Werk. „Ich habe dieses Atelier rein zufällig gefunden. Ich wohne ganz in der Nähe, und eines Tages hat mich eine Nachbarin darauf aufmerksam gemacht. Ich konnte nur zuschlagen“, erzählt Armand Strainchamps. „Abgelegen von der Straße, kann ich hier einfach die Ruhe genießen und nach meinem freien Willen arbeiten.“

Wie bei einem Künstleratelier üblich, herrscht hier die nötige Unordnung. „Jedes Ding hat allerdings seinen festen Platz“, unterstreicht der Künstler, als wolle er sein „organisiertes Chaos“ rechtfertigen. „Dies hier ist meine Welt.“

Eine Welt, die von zahlreichen Nutella-Gläsern geprägt ist. Zwei Tische sind mit diesen gebrauchten Behältern voll bestückt, zahlreiche leer stehende oder noch saubere Behälter warten geduldig in Kartons auf eine spätere Verwendung. „Das Vermischen von Farbtönen spielt in meiner Arbeit eine primäre Rolle. Dazu sind diese Nutella-Gläser äußerst praktisch. Zusätzlich zum Deckel – der ein Austrocknen der Farbenmischungen verhindert – ist die ovale Form des Glases sehr angenehm. Auch nach mehreren Arbeitsstunden mit diesen Gläsern verspüre ich keine Muskelkrämpfe.“

„Grau ist nicht gleich grau“

Jedes Bild benötigt einzelne und bestimmte Farbtöne: „Grau ist nicht gleich grau.“ Deswegen sind die Gläser nicht nach Farbtönen geordnet, sondern nach den noch zu bearbeitenden Bildern.

Armand Strainchamps zögert nicht, seinem Atelier einen persönlichen Touch zu verleihen. Neben der Miss Kodak 1955 – „eine Erinnerung an mein Geburtsjahr“ – stapeln sich in einer Ecke Zigarrenschachteln – „ich rauche nur eine Zigarre im Monat“ – und eine seltsame mit Badges vom ING-Marathon geschmückte Figurine. „Der Weg ist das Ziel“, behauptet der Künstler, der seine Pinsel regelmäßig gegen Laufschuhe austauscht. „Ich habe noch immer Sport getrieben. Laufen macht den Kopf frei.“

„Aktuelle Obsession“

Auch wenn der Maler sich einen kurzen Urlaub in Südfrankreich gönnt, bleiben seine Gedanken beim nächsten wichtigen Termin. „Für November ist eine Ausstellung in meiner Heimatstadt geplant. Die Arbeit wird mir bis dahin nicht ausgehen“, erklärt der gebürtige Düdelinger.

Die neuen Gemälde werden wohl einer „aktuellen Obsession“ des Künstlers gerecht werden. „Ich habe seit eh und je eine Vorliebe für große Formate. Seit geraumer Zeit bin ich vom Format des Quadrats (100 cm auf 100 cm) angezogen. An einem Bild zu arbeiten, ist wie einen neuen Raum zu öffnen, um eine Geschichte zu erzählen. Das Quadrat fasziniert und beruhigt mich.“

Momente der Ungewissheit

„Ich weiß nicht warum! Muss man sich alles im Leben erklären? Momente der Ungewissheit sind wichtig. Ich will mich noch überraschen lassen.“

Wenn Armand Strainchamps an einem Porträt arbeitet, spielt sein Modell nur eine nebensächliche Rolle. „Die Person an sich interessiert mich nicht. Wichtig für mich ist die Aussage, die Ausstrahlung des Porträtierten. Später kann sich jeder ein eigenes Bild von meiner Malkunst machen“, so der Künstler.

Ist Armand Strainchamps nicht in seinem Atelier auf Limpertsberg, arbeitet er nicht selten „extra muros“. Wie zum Beispiel beim Reha-Zenter, bei der „Schungfabrik“ in Tetingen oder im Luxemburger Bahnhof, wo er vor rund 20 Jahren das Gewölbe des Hauptgebäudes neu belebt hat. „Ein physisch sehr anstrengendes Erlebnis“, erinnert sich der Künstler heute noch.

Mit dem Drehen von Filmen weiß Strainchamps eine weitere Leidenschaft zu pflegen. „Im Gegensatz zum Malen ist die Filmarbeit ein Mannschaftssport, bei dem ich nicht alles kontrollieren kann.“

Strainchamps unterrichtet sechs Stunden pro Woche im „Lycée des Arts et Métiers“. „Der Kontakt mit Jugendlichen ist wichtig. Ich weiß jetzt, wie sie ticken. Dadurch wird das Altern verlangsamt.“


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