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Verwahrlost nationales Kulturerbe?
Kultur 3 Min. 27.12.2014 Aus unserem online-Archiv
Düdelinger Kapelle St. Eligius

Verwahrlost nationales Kulturerbe?

Der rot leuchtende Stahlturm, der die Dreifaltigkeit symbolisiert, ist das markante Signum der vergleichsweise kleinen Kapelle im Düdelinger Viertel Schmelz.
Düdelinger Kapelle St. Eligius

Verwahrlost nationales Kulturerbe?

Der rot leuchtende Stahlturm, der die Dreifaltigkeit symbolisiert, ist das markante Signum der vergleichsweise kleinen Kapelle im Düdelinger Viertel Schmelz.
Foto: Bohumil Kostohryz
Kultur 3 Min. 27.12.2014 Aus unserem online-Archiv
Düdelinger Kapelle St. Eligius

Verwahrlost nationales Kulturerbe?

Sie ist eine der wichtigsten Zeugnisse für die Moderne in der Luxemburger Architektur: Die Düdelinger Kapelle St. Eligius. Doch das Kulturerbe ist bedroht.

von Daniel Conrad

Sie erzählen davon, wie es damals war – 1963 bei der Grundsteinlegung und der Einweihung 1964 – als die Euphorie über den Neubau der kleinen Kapelle St. Eligius (Saint- Eloi, der Schutzheilige der Stahlarbeiter) das ganze Viertel Schmelz in Düdelingen zu den Feierlichkeiten auf die Beine brachte. Doch zum 50. Geburtstag im vergangenen September ist der Bau in der öffentlichen Wahrnehmung kaum mehr beachtet worden. Einzig ein Team um die Architektin Stéphanie Laruade hat sich in diesem Jahr intensiv und in breiter, sogar internationaler Öffentlichkeit Gedanken um die Kapelle des Architekten Norbert Mangen gemacht.

Als Luxemburger Beitrag zur Architekturbiennale in Venedig hat das Team sehr genau gerade die Anfänge der modernen Baugeschichte anhand von einigen Beispielen unter dem Leittitel „Modernity: 
Loved, hated or ignored?“ („Die Moderne: Geliebt, gehasst oder ignoriert?“) zusammengetragen. „Die Kapelle ist eines der herausragenden Zeugnisse der frühen Luxemburger Moderne. Das Besondere ist das Ensemble, das dort geschaffen wurde. Es ist eben nicht nur der Bau, sondern auch die Gestaltung der Fenster von Frantz Kinnen und die Anpassung der Skulpturen an das Gesamtkonzept“, so Laruade.

Foto: Bohumil Kostohryz

St. Eligius zeigte als eines der im Luxemburger Pavillon Ca'del Duca vorgestellten Beispiele das Mischverhältnis im Umgang mit dem auf nur 317 Quadratmetern Terrain errichteten, kubistisch inspirierten Bau auf. Nach den ersten Jahren, in denen der Zuspruch zu den Gottesdiensten regelmäßige Feiern forderte, wurde noch 1984 der Errichtung der mit Baumaterialien aus der Arbed erbauten Kapelle gedacht – auch wenn der Düdelinger Standort der Arbed, deren Mitarbeiter ein enges Verhältnis zu „ihrer“ Kapelle im Wohnviertel um die Produktionsstätte pflegten, geschlossen wurde. Das noch andauernde Interesse zeigte sich darin, dass 1988 die Menschen der Quartiers sammelten – jeder sein Scherflein dazu beitrug – um der Kapelle zu einer neuen Glocke zu verhelfen.

Foto: Bohumil Kostohryz

Doch die positiven Nachrichten verhallten. Die furchtbare Meldung über den Unfalltod eines Jugendlichen bei einem Brand, in einem in der Kapelle untergebrachten Begegnungsraum, 1997, dokumentiert die Ausstellung als Einschnitt. Ebenso zeigt sich, dass die Kapelle als historisches Gebäude von besonderem Wert am 12. März 2004 unter „Immeubles et objets classés monuments nationaux“ (Nummer 3168/7399) klassifiziert wurde, Instandhaltungen aber vernachlässigt wurden. Die letzten Notizen in den Medien halten nur noch Technisches fest: Die Kirche darf seit 2013 auch für protestantische Gottesdienste genutzt werden und ist seit einigen Jahren maßgeblicher Anlaufpunkt für die Gemeinde der Gehörlosen des Landes. 2014, so das Biennaleteam, sind die tragenden Bestandteile des Baus allerdings so beschädigt, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis die Kapelle gar nicht mehr zu retten ist. Gottesdienste finden kaum mehr statt. „Ich denke, das hängt auch damit zusammen, dass sich das Viertel insgesamt stark verändert hat und die Identifizierung der neuen Bewohner nicht so stark ausgeprägt ist“, erklärt Stéphanie Laruade.

Foto: Bohumil Kostohryz

Was ist die Lösung? Wie viel Verantwortung wollen und können die finanziellen Träger, die religiösen Gemeinschaften, die Gemeinde oder auch die staatlichen Denkmalschutzinstitutionen übernehmen? Wie viel Rückhalt gibt es aus der Bevölkerung? Das Biennale-Team soll seine Analysen und Ansätze im kommenden Jahr – voraussichtlich im Juli – noch einmal in den Hollericher Ausstellungsräumen der „Fondation de l'architecture“ zeigen. Eine Idee des Teams: „Die Kapelle könnte in den neuen Überlegungen um das Entwicklungsprojekt ,Neischmelz‘ eine besondere Schnittstellenfunktion wahrnehmen“, betont Stéphanie Laruade. Doch die Zeit nagt an dem Bau.

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