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Vergeltung in den Highlands
Die Serie hat alles zu bieten, was man sich unter spannender Unterhaltung verspricht.

Vergeltung in den Highlands

Foto: Netflix
Die Serie hat alles zu bieten, was man sich unter spannender Unterhaltung verspricht.
Kultur 1 2 Min. 25.03.2018

Vergeltung in den Highlands

Marcel KIEFFER
Mysteriöse Morde, dunkle Familiengeheimnisse und menschliche Abgründe als Stoff für eine Thriller-Serie in den schottischen Highlands. Mit „Retribution“ legt Netflix auf dem zunehmend attraktiven Sektor der britischen Serienproduktionen nach.

Britische Serien sind langsam, aber sicher dabei, dem nordischen bzw. skandinawischen Krimi den Rang abzulaufen. Produktionen wie „Broadchurch“, „The Fall“, „Hinterland“ oder auch „Happy Valley“ haben sich in den vergangenen Jahren beim eingefleischten Serienpublikum nicht nur einen Namen gemacht, sondern auch mit besonderen Typen und einem spezifischen Ambiente, wie sie so nur in Londoner Vorstädten, irischen Landgemeinden und den schottischen Highlands zu finden sind, eine eigene, unnachahmliche Marke geschaffen.

Und eben gerade in den trostlosen, nebligen Einöden der schottischen Highlands trägt sich denn auch jenes unvorstellbare Drama zu, das die BBC bereits 2016 mit großem Erfolg ausstrahlte und nun von Netflix auf den globalen Serienmarkt gebracht wird.

Einzigartig „british“

„Retribution“ („Vergeltung“) ist der neue Titel dieser vierteiligen, ursprünglich als „One Of Us“ gesendeten Mini-Serie, die tatsächlich alles zu bieten hat, was man sich unter spannender Unterhaltung verspricht. Die Atmosphäre ist dabei eben die, die britische Serien so einzigartig macht: spröde, aber authentische vom Leben und ihrer Umgebung gezeichnete Personen, verborgene Geheimnisse und stille Tragödien, die auf der Seele brennen und an die Oberfläche unscheinbarer Lebenswelten voller provinzieller Gemütlichkeit drängen, sowie eine über graue Stadtkulissen oder über rauen Gebirgslandschaften schwebende unheilschwangere Melancholie. Und dabei der expressive, von keiner Übersetzung wiedergebbare slanghafte Tonfall, in dem sich Charakter, soziale Realität und Sprache der Menschen auf einzigartige Weise verbinden.

All das kommt in sehr konzentrierter Form in „Retribution“ zum Ausdruck, wobei die von Harry und Jack Williams geschriebene Geschichte an die einzigartigen Wallace- oder Hitchcock-Produktionen erinnert, bei denen der Mörder in einem kleinen, geschlossenen, scheinbar unbescholtenen Personenkreis zu suchen ist und sich bis zuletzt verborgen hält. In diesem Fall in einem der beiden, in Sturmzeiten von jeglicher Zivilisation abgeschnittenen, Landhäuser der beiden Nachbarfamilien Douglas und Elliott.

Nach dem Doppelmord an dem jung verheirateten Paar Grace Douglas und Thomas Elliott stehen beide seit jeher miteinander bekannte Familien unter Schock, und als der von der Polizei gesuchte Mörder der beiden jungen Leute in einer Sturmnacht in ihrem Tal auftaucht, verunglückt und seinerseits am nächsten Morgen ermordet in einer ihrer Scheunen aufgefunden wird, bricht die scheinbare ländliche Harmonie auseinander und nehmen Verdächtigungen, Lügen, Täuschungen und Enthüllungen ihren Lauf. Dunkle Familiengeheimnisse und tiefe ungeahnte seelische Abgründe tun sich auf.

Illusionsloser Sergeant

Neben ihrer auf einen abzusehenden Höhepunkt zustrebenden Spannung und ihrer fesselnden Atmosphäre besticht die Miniserie „Retribution“ durch hervorragende schauspielerische Leistungen, wobei, neben Juliet Stevenson, die für ihre Interpretation von Louise Elliott eine schottische Nominierung für die British Academies bekam, besonders John Lynch (bekannt durch seine Rolle in der hervorragenden Psycho-Serie „The Fall“) als Bill Douglas hervorragt, oder auch Joe Dempsie, als Rob Elliott, und Kate Dickie, als Sal, die man beide aus „Game of Thrones“ kennt, bzw. Gary Lewis, als Stallbursche Alastair, bekannt aus Martin Scorseses „Gangs of New York“. Sie verkörpern bestens und in sehr nahe gehender Manier die ihren Figuren wie auch der Gesamthandlung inhärente Tragik und Dramatik.

Ob es dabei jedoch wirklich notwendig war, der von dem illusionslosen, aber umso scharfsichtigeren Sergeant Andrew Barker (Steve Evets) unterstützten Polizistin Juliet Wallace (Laura Fraser, bekannt aus „Better Call Saul“ und „Breaking Bad“) als überforderte Mutter einer kranken Tochter auch noch eine kriminelle Nebenaktivität ins Drehbuch zu schreiben, sei dahingestellt.Der generell hervorragenden Beurteilung, die diese auf ihre Weise so typisch britische Serie in jeder Hinsicht verdient, tut dies dennoch keinen Abbruch.

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„Retribution“ ist auch unter dem Titel „One Of Us“ bei Netflix abrufbar.