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Unsere Filmkritik: Mission Impossible 5: Ernsthafte Konkurrenz für 007
Tom Cruise gibt einmal mehr den Agenten Ethan Hawk.

Unsere Filmkritik: Mission Impossible 5: Ernsthafte Konkurrenz für 007

Foto: Paramount Pictures
Tom Cruise gibt einmal mehr den Agenten Ethan Hawk.
Kultur 1 2 Min. 08.08.2015

Unsere Filmkritik: Mission Impossible 5: Ernsthafte Konkurrenz für 007

Vesna ANDONOVIC
Vesna ANDONOVIC
"Wird wieder so ein Action-Abklatsch sein!", hatte sich unsere Filmkritikerin Vesna Andonovic über den neuen "Mission: Impoosible"-Teil gedacht. Sie sollte sich irren...

Man kennt die Rubrik „Was macht eigentlich ...“ aus zahlreichen Bereichen. Bei Schauspiel-Beau Tom Cruise ist die Antwort hierfür denkbar einfach: „Dasselbe wie vorher!“ Wobei dieses „Selbe“ logischerweise daran festgemacht ist, was kräftig Geld einbringt. So kehrt Cruise im nunmehr fünften Teil der „Mission: Impossible“-Reihe auf die große Leinwand zurück und spielte auch gleich als Alphatier Ethan Hawk mit seinem Undercover-Team am Eröffnungswochenende in den USA über 56 Millionen Dollar ein.

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Auch bei der ersten Vorführung des Films in Luxemburg – der am Mittwoch Punkt Mittag in allen drei Sprachfassungen parallel anlief – ließ sich ein merklicher Anstieg der Besucherzahl im Saal feststellen. Das bleibt dennoch nicht die markanteste Überraschung von „Mission: Impossible – Rogue Nation“, die da wäre, dass man sogar als nicht wirklicher Cruise-Fan einfach zugeben muss, dass der fünfte Teil das bislang gelungendste Werk des Fernsehserien-Spin-offs ist – und sogar als ernsthafte Konkurrenz angesehen werden kann für den bekanntesten Geheimagenten Ihrer Majestät und der Filmgeschichte – der im November gegen „Spectre“ zurückkommt.

Alec Baldwin (stehend) und Simon Pegg sind mit von der Partie.
Alec Baldwin (stehend) und Simon Pegg sind mit von der Partie.
Paramount Pictures

Hollywood hat es nun wirklich nicht leicht, seitdem es – da auch der amerikanische Staatsfeind-Nr.-1–Bin-Laden vom (nachgeholfenen) Zeitlichen gesegnet wurde – kein wirklich klares Feindbild mehr gibt. Glücklicherweise springt da – dem ur-amerikanischen Hang zur „Conspiracy Theory“ sei Dank – kurzfristig die anonyme Bedrohung einer terroristischen Schattenorganisation mit dem bedeutungsschwangeren Namen „The Syndicate“ als neuer Bösewicht ein. Selten trifft man auf einen Actionfilm, der so meisterlich den Spannungsbogen aufzubauen vermag und dabei auch zu keinem einzigen Augenblick Langeweile aufkommen lässt. Vornehmlich liegt dies an den klar gezeichneten Figuren, deren liebenswert-übertriebene Typologie für Abwechslung sorgt. Auch der Humor und gar Selbstironie haben ihren gebührenden Platz in Dialogen und Situationen. Die Choreografie der wahrlich atemberaubenden Stunts setzt dabei neue Maßstäbe, und auch bei den Drehorten rund um den Erdball setzte der Langzeit-Cruise-Weggefährte, Regisseur („Jack Reacher“ und „The Way of the Gun“) und erfahrene Drehbuchautor (u. a. „The Usual Suspects“, „Valkyrie“ und „Edge of Tomorrow“) Christopher McQuarrie auf passend attraktive Settings für seine Geschichte.

Fehdehandschuh Richtung Britannia und Bond

Die Zahl der Fans von Tom Cruise dürfte rein mathematisch gesehen gleich groß wie die der Kinogänger sein, bei denen sein tumbes Zahnpasta-Grinsen Schwindel hervorruft. „Mission: Impossible – Rogue Nation“ ist nun nicht nur eine Rückkehr zu den eigenen Wurzeln für den inzwischen 53-Jährigen, bei der er seinem erzählerischen Widerpart Solomon Lane (der aus „The Borgias“ bekannte Sean Harris als krimineller Kopf vom „Syndicate“) in Holmes/Moriarty-Manier begegnet, sondern zudem ein filmischer Fehdehandschuh Richtung Britannia und Bond. 

Rasante Action: Cruise drehte die meisten Stunts selbst.
Rasante Action: Cruise drehte die meisten Stunts selbst.
Foto: Paramount Pictures

So ganz nebenbei ist es denn auch vielleicht, wie der Schaulauf des durchtrainierten Körpers bei der Folterszene, ein untrügliches Zeichen der sich anbahnenden Midlife-Crisis: Denn Cruise übernahm alle Stunts selbst – sogar das in 1,5 Kilometer Höhe Am-Airbus-A400M-Herumhängen – und handelte sich mehrfach Verletzungen ein. Demnach muss man wenn schon nicht das Schauspieltalent, doch den Körpereinsatz des Stars würdigen. Im Schauspielerreigen an seiner Seite sorgt Rebecca Ferguson als verführerische Ilsa Faust für weibliche Schlagkraft (und besiegt ihren Gegner auch schon mal mit einem phallischen Dolch!), während der auf solche Rollen festgelegte Brite Simon Pegg der willkommene „comic relief“ bleibt.

Am Ende präsentiert sich „Mission: Impossible – Rogue Nation“ als 131-minütiges perfekt choreografiertes Action-Spektakel, das alle Genre-Klischees mit einer wohltuenden Dosis Selbstironie durchexerziert. Sicher ist Eines: Der gute, alte James muss sich warm anziehen.