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Unsere Filmkritik: Keanu Reeves ist „John Wick“
JohnWick (Keanu Reeves) ist der klassische Rächer: zielorientiert und unerbittlich – und zwar im Designer-Bodycut-Outfit.

Unsere Filmkritik: Keanu Reeves ist „John Wick“

FOTO: 87ELEVEN
JohnWick (Keanu Reeves) ist der klassische Rächer: zielorientiert und unerbittlich – und zwar im Designer-Bodycut-Outfit.
Kultur 2 Min. 21.11.2014

Unsere Filmkritik: Keanu Reeves ist „John Wick“

Er sieht wie eingeschüchterter Chorknabe aus, aber vermag mit einem Bleistift drei Menschen umzubringen: John Wick. Den gleichnamigen Film hat sich unsere Kritikerin Vesna Andonovic angeschaut. 

VON VESNA ANDONOVIC

Sie kennen John Wick nicht? Das ist der gutaussehende Typ im Designeranzug, neben dem Rambo wie ein eingeschüchterter Chorknabe aussieht, denn er vermag mit einem Bleistift drei Menschen umzubringen.

Und wer glaubte, dass „John Wick“ deshalb nur ein Film für Männer ist, der irrt gewaltig! Denn die erste Regiearbeit der Stuntspezialisten Chad Stahelski und David Leitch, deren Namen im Abspann der Matrix- und X-Men-Reihe über „The Expendables“ (1 und 2 versteht sich) bis hin zu „The Hunger Games: Catching Fire“ zu lesen waren, ist definitiv nichts für die Herren der Schöpfung. Das männliche Durchschnittsego nämlich dürfte hier im direkten Vergleich mit all diesen Alphatieren, die ihre Probleme wie Cowboys nur eben in Nadelstreifanzügen mit einer überaus wirkungsvollen 9-mm-oder vollautomatischen Argumentation lösen, ziemlich schnell plattgemacht werden.

John Wick (Keanu Reeves)
John Wick (Keanu Reeves)
Foto: Studiocanal GmbH / David Lee

Macht man also Abstraktion von der zuweilen allzu dick aufgetragenen Brutalität (die Altersbegrenzung von 16 Jahren ist mehr als nur angebracht) ist „John Wick“ schon eher etwas für ihre weibliche Begleitung – die sich hier an testosteronstrotzenden und dabei stets elegant gekleideten Männern sattsehen darf, ja selbst die leidigen Haushaltspflichtübungen wie Putzen werden hier von – natürlich männlichen! – Experten verrichtet, denn schließlich geht es ja auch nicht um Staub oder ähnlichen Unrat antreten.

Während im Film scheinbar jeder weiß, wer John Wick ist – ein Namen wird stets mit geflüsterter Ehrfurcht genannt, muss der Zuschauer sich das erst nach aus den die Elemente der simplistischen Geschichte, die der die Redewendung „auf den Hund gekommen“ eine ganz neue Bedeutung und vor allem anschauliche Dimension verleiht, zusammenreimen. Und dazu gibt es sogar noch die sprichwörtliche Moral von der Geschicht. Die wäre: Es gibt zwei Dinge, die man einem Mann nicht wegnehmen darf: sein Auto (ein schwarzer Dodge Charger, Baujahr 1969) und – vor allem seinen Hund!

Denn tut man das, müssen am Ende 119 Leute daran glauben (davon 78 von Wicks Hand): rein mathematisch gerechnet sind das bei einer Filmdauer von 101 Minuten netto 1,17 Tote pro Minute.

Etwas weniger brutal wäre besser gewesen

Das Drehbuch und demzufolge auch die klassische Rächer-Geschichte dient dem Regieduo nur als Vorwand, um ihren ehemaligen Stuntkollegen mit perfekt choreografierter Action zu beschäftigen – denn statt satter Dialoge, gibt es hier noch viel säftigere Schlägereien und Schießereien. Das alles hat aber das unwiderlegbare Verdienst, dass es technisch – was Kameraführung und Schnitt anbelangt – perfekt umgesetzt ist und das Ganze sogar noch mit ziemlich viel (Selbst-)Ironie, die als solche dann auch hoffentlich gedacht war, durchsetzt ist.

John Wick (Keanu Reeves, r.)
John Wick (Keanu Reeves, r.)
Studiocanal GmbH / David Lee

Stahelski packt fundamentale Urinstinkte, wie man sie auch in Western oft und gerne thematisierte, in chice Designeranzüge und macht sie so salonfähig – aber nur unter der Bedingung, dass man sie nicht ernst nimmt.

Die Besetzung ist mit Keanu Reeves, Michael Nyqvist (ein herrlicher russischer Unterweltboss!) und Daniel Defoe (lässig-souverän wie immer) hochkarätig und dieses Können rettet letztlich den Film davor, ein Flopp zu sein. Keanu Reeves kombiniert als unverwüstlicher Wick die Schlagkraft seines Matrix-Neos und (John) Constantines Coolness. Ein in seiner karikaturenhaften Schalheit erfrischend kurzweiliger Film, bei dem – hätte man etwas an der Brutalität gespart – ein noch spaßig-unterhaltsames Resultat herausgekommen wäre.