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Unsere Filmkritik: "Ant-Man": „Haven't you heard of me?“
Kultur 1 2 Min. 18.07.2015 Aus unserem online-Archiv

Unsere Filmkritik: "Ant-Man": „Haven't you heard of me?“

"Ant-Man" (Paul Rudd) muss sich erst unter den A-Klasse-Heroen beweisen.

Unsere Filmkritik: "Ant-Man": „Haven't you heard of me?“

"Ant-Man" (Paul Rudd) muss sich erst unter den A-Klasse-Heroen beweisen.
Foto: Zade Rosenthal/ Marvel 2014
Kultur 1 2 Min. 18.07.2015 Aus unserem online-Archiv

Unsere Filmkritik: "Ant-Man": „Haven't you heard of me?“

Daniel CONRAD
Daniel CONRAD
Nach den großen Heroen muss sich nun ein – im wahrsten Sinne – ganz kleiner Held des Marvel-Universums auf der Leinwand beweisen: "Ant-Man" überzeugt als Film gerade wegen seines Humors und dem Spiel mit den Vorurteilen.

Ach, der arme „Ant-Man“ muss sogar selbst die Frage aufwerfen, die jedem Helden aus den hinteren Reihen des gezeichneten Marveluniversums einfach einen imposanteren Auftritt auf der Leinwand versemmelt: „Haven't you heard of me?“ wirft er im gerade angelaufenen Streifen dem – nicht gerade breiter bekannten – „Falcon“ aus der sonst nur so von A-Klasse-Heroen strotzenden „Avenger“-Mannschaft an den Kopf.

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Kurz darauf beweist der Neue, was er als flinker Springer zwischen der Mikro- und der Makrowelt so drauf hat. Und das er mehr kann, beweist auch der Film. Dass dieser rotgrau und leicht anachronistisch gewandete Ameisenmann erst einmal komplett neu vorgestellt werden muss, war dem eher fernseherfahrenen Regisseur Peyton Reed durchaus auch bewusst. Bis aber der Dieb und „Robin Hood“-Verschnitt (geächtet, verurteilt, aber guten Herzens) Scott Lang (Paul Rudd) denn endlich richtig in das Abenteuer einsteigt und sich dank biochemischer Hilfe als starker Held auf Millimetermaß schrumpfen lässt, sowie gleich vier Untergattungen der krabbelnden Insekten per Gedanken als Microrarmee befehligen kann, vergeht immerhin eine Dreiviertelstunde des 117-Minuten-Abenteuers. 

Selbstironie und Humor als Erfolgsmodell

Langeweile entsteht dabei nicht, denn Reed entwickelt das Szenario um seinen Protagonisten und erfinderischen Elektronikspezialisten mit MacGyver-Tricks, der im Film wie im Comic lediglich das ruhende Amt als „Ant-Man“ von Vorgänger Dr. Hank Pym (Michael Douglas) erbt, indem er – dank eines guten Drehbuchs – den Aufbau mit kleinen Seitenhieben und Anspielungen würzt. Selbstironie und Humor taugen spätestens seit „Guardians of the Galaxy“ als Erfolgsmodell – gerade wenn außer einem geradezu jugendlich aufgepeppten Michael Douglas nicht die erste Garde Hollywoods besetzt ist. „Ant-Man“ glänzt mit pointierten Dialogen und überraschend kontrastierenden Bildschnitten, die die Gags verstärken – ein munter daher quatschender Latino-Kumpeltyp als sofort sympathischer Side-Kick inklusive. 

Schüler (Paul Rudd, l.) und Mentor (Michael Douglas)
Schüler (Paul Rudd, l.) und Mentor (Michael Douglas)
Foto: Zade Rosenthal/Marvel

Kurze Anzeichen von Melancholie bricht der Regisseur sofort wieder. Neben der fast klassischen Linie der Motivauslotung für die Handlungen der einzelnen Figuren und den – wirklich gut geschnittenen – Actionszenen stehen besonders die Beziehungskisten zwischen Vätern und Töchtern und Lehrer-Schüler-Verhältnisse im Fokus. Doch tiefer entwickelt sind diese Aspekte kaum: Während sich die Kamera an den glänzenden Kulleraugen von Langs kleiner Tochter Cassie (Abby Ryder Fortson) nach den coolen Einlagen ihres „Dads“ weidet, wirkt der Konflikt zwischen Hank Pym und seiner Tochter Hope (Evangeline Lilly, die den Zuschauer irgendwie an Catherine Zeta-Jones erinnert) seltsam anexerziert. Da genügt ein Satz – schon ist der jahrelange Familienzwist beigelegt – und dazu perfekt terminiert, um dem „Ant-Man“-Antagonisten mit Allmachtsfantasien, Darren Cross (Cory Stoll als „Lex Luthor in sexy“) vereint den Garaus zu machen.

Kleiner Held ganz groß

Wer über die Häppchen-Charakterzuordnungen hinwegsehen kann, wird sich aber dennoch von der Optik begeistern lassen können: Ein Großteil des 130 Millionen-Dollar-Budgets muss in die Spezial- und Digitaleffekte geflossen sein. Und das war gut angelegtes Geld: Der Reiz entsteht hier nicht im Bombardement ganzer Hochhausschluchten, sondern dem Abenteuer im Kleinen – wenn zum Beispiel eine Badewanne zum Grand Canyon mit reißenden Wassermassen oder eine Ameise zum hundeähnlichen Haustier mutiert; nach „Honey, I Shrunk the Kids“ und „Gulliver's Travels“ eine nicht wirklich oft im Hollywoodkino exerzierte, aber wohltuend andere Actionspielart. Die Cliffhanger zum Rest des strategisch geplanten Marvel-Filme-Universums bleiben wie das fast schon kitschige Happy-End nicht aus, das Reed zum Glück dann auch noch mit genügend Gags abrundet. Und gerade das hat einen anziehenden Charme, weil es der allzu großen Ernsthaftigkeit entgegensteht, ja weil es mit Vorurteilen spielt. Unter Comicverfilmungen eine echte Empfehlung.


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