Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Unausgegorene Brüdergeschichte
Das Poster vom neuer SciFi-Thriller "Kin".

Unausgegorene Brüdergeschichte

Foto: Lionsgate
Das Poster vom neuer SciFi-Thriller "Kin".
Kultur 1 2 Min. 08.09.2018

Unausgegorene Brüdergeschichte

Daniel CONRAD
Daniel CONRAD
Zwei Brüder aus der Werbebranche wagen sich zum ersten Mal mit einem Langspielfilm ins Kino. Thema: zwei Brüder, die sich finden und dann voneinander abgrenzen. Das an sich wäre interessant. Aber in dem Mischmasch aus vielen Ideen wird das im Endergebnis zu wenig.

Das Adoptivkind Eli (Myles Truitt) stößt in einem verlassenen Industriebau, in dem er Metall stehlen will, auf eine außerirdische Waffe und erkundet nach und nach deren explosive Geheimnisse.

Doch damit nicht genug an Aufwühlendem. Der aus dem Knast heimkehrende, leibliche Sohn seines Ziehvaters Harold (Dennis Quaid), Jimmy (Jack Raynor), ist plötzlich wieder im Haus. Der 14-jährige Eli ist fasziniert von dem starken Bruder, der längst nicht so streng wie der Vater ist, der sich durchs Leben kämpfen muss.

Harold, der seinen leiblichen Sohn nie im Gefängnis besucht hat, rackert sich auf dem Bau ab, bläut seinem jüngeren Adoptivsohn ein, nach klaren Wertebildern zu handeln, dem gescheiterten Bruder zu misstrauen und hart gegenüber sich selbst in einer so harten Welt, in der er lebt, zu sein.

Als sich plötzlich die Ereignisse überschlagen und Eli und Jimmy aus dem hier als wenig chancenreich und trostlos gezeigten Detroit fliehen müssen, haben sie gleich mehrere Gegner, die sich an ihre Fersen heften: Die rachedurstige Gang des Bruders unter einem hemmungslosen, von James Franco dargestellten, Bösewicht, die Polizei, Halunken einer Provinz-Tabledance-Bar und natürlich die Außerirdischen, die ihre Waffe zurückwollen. Und die beiden ungleichen Brüder müssen dabei noch ihr Verhältnis aneinander ausloten.

Vom Kurzfilm zum 102-Minuten-Streifen

Wer den ruhig in einem großen Bogen und mit wenigen Mitteln gut erzählten Kurzfilm „Bag Man“ der Baker-Brüder aus dem Jahr 2014 gesehen hat, auf den sich die beiden nun in ihrem Langspielfilm berufen, wird dann enttäuscht. Eigentlich stehen dort nach einem langen Aufbau die Fragen im Raum „Was für ein Mann will ich sein bzw. werden, wenn ich über die Macht einer Waffe verfüge? Für wen setze ich mich ein und nach welcher Maxime handle ich?“. Diese Fragen durchziehen auch den Langspielfilm. Doch in dem 102-Minuten-Streifen wirkt dann das aufgebauschte Nebeneinander der eingefügten Stränge und Konnotationen nicht austariert und balanciert.

Das Adoptivkind Eli (r.) hilft mit der gefundenen Waffe seinem älteren Bruder Jimmy, dem er sich verbunden fühlt, zu dem er sich aber auch abzugrenzen sucht.
Das Adoptivkind Eli (r.) hilft mit der gefundenen Waffe seinem älteren Bruder Jimmy, dem er sich verbunden fühlt, zu dem er sich aber auch abzugrenzen sucht.
Foto. Lionsgate

Das Geschehen irgendwo zwischen Actionreißer, Roadtrip, Harry Potter, Artus-Sage, Coming-of-Age-Film, Beziehungs- und Sozialdrama will einfach nicht zünden. Das Oberthema, das nicht zuletzt durch den Filmtitel „Kin“, also „Familienbande“, „Verwandtschaft“ vorgeschoben ist, wird – ohne zu viel zu verraten – sogar noch kurz vor Schluss in einem Beziehungs- und Spannungsbogen aufgesplittet.

Das war zwar auch im Kurzfilm so, aber die Wirkung ist anders. Diese Bögen hier kommen zu spät, werden nicht mehr gelöst und machen eigentlich eine Fortsetzung nötig – und sollte es diese nicht geben, bleibt das Gefühl einer zerfaserten Geschichte.

Die Story über Zueinanderstehen, füreinander Einstehen, von Schuld und Verantwortung steht letztlich dann mit vielen Fragezeichen und Ausgegorenheiten im Raum – und da hilft dann auch das eigentlich gute Spiel der erfahrenen Darsteller, die Effekte, die Action, das Set- und Sounddesign und die Filmmusik, die die schottische Band Mogwai mit ihrem markanten düster-sphärischen Brummen beisteuern durfte, nicht mehr. Und das ist schlicht schade.