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Tschechischer Schriftsteller Jiri Stransky gestorben
Jiri Stransky, Schriftsteller aus Tschechien.

Tschechischer Schriftsteller Jiri Stransky gestorben

Michal Kamaryt/CTK/dpa
Jiri Stransky, Schriftsteller aus Tschechien.
Kultur 31.05.2019

Tschechischer Schriftsteller Jiri Stransky gestorben

Die Tschechoslowakei setzte politische Häftlinge im Uranbergbau ein. Der Schriftsteller Jiri Stransky legte davon in seinen Romanen Zeugnis ab. Nun ist er im Alter von 87 Jahren gestorben.

(dpa) - Der tschechische Schriftsteller Jiri Stransky ist tot. Er starb am Mittwoch im Alter von 87 Jahren, wie der tschechische PEN-Klub bekanntgab. Stransky war von 1992 bis 2006 Präsident der nationalen Sektion der Schriftstellervereinigung. In seinen Romanen verarbeitete er seine Erfahrungen als Häftling in kommunistischen Arbeitslagern, unter anderem in den Uranbergwerken von Jachymov (Sankt Joachimsthal). Er war in der damaligen Tschechoslowakei 1953 in einem konstruierten Prozess wegen angeblicher Spionage zu acht Jahren Gefängnis verurteilt worden.


(FILES) In this file photo taken on June 12, 2018 German-born British author and illustrator Judith Kerr, poses for a photograph at her home in west London on June 12, 2018. - British author Judith Kerr, author of the famous children's book "The Tiger Who Came To Tea" and creater of the "Mog" series, has died at the age of 95, her publisher Harper Collins announced on May 23, 2019. (Photo by Tolga Akmen / AFP)
Kinderbuchautorin Judith Kerr mit 95 Jahren gestorben
Das Kinderbuch "Als Hitler das rosa Kaninchen stahl" machte sie in Deutschland bekannt; die Engländer liebten ihre Bilderbuchgeschichten um einen Tiger und den Kater "Mog".

Stransky veröffentlichte auch eine Sammlung von Märchenerzählungen, die er für seine Tochter aus der Haft geschrieben hatte, sowie Gedicht- und Prosasammlungen. Seine Lagerromane wurden in Tschechien vor einigen Jahren als vielteilige Fernsehserie verfilmt. „Zum Schriftsteller bin ich erst im Gefängnis geworden“, sagte Stransky einmal über sich selbst.

Er wurde im August 1931 in Prag in eine aristokratische Familie geboren. Sein Vater Karel engagierte sich im Zweiten Weltkrieg im Widerstand gegen die nationalsozialistische Besatzung. Jiri Stransky erhielt zahlreiche Ehrungen, darunter den Karel-Capek- und den Arnost-Lustig-Preis. Im Jahr 2015 wurde ihm die neue Auszeichnung „Ritter der tschechischen Kultur“ verliehen.

Stransky war in der Pfadfinderbewegung aktiv, die auch als Gegenpol zu den kommunistischen Jungpionieren gesehen wurde. Der Schriftsteller sei ein Vorbild gewesen, ein Kämpfer gegen die Unfreiheit, der trotz allem nie seinen Humor verloren habe, teilte der tschechische Pfadfinderverband mit.

Ein außergewöhnlicher Mensch sei von uns gegangen, schrieb der Chefredakteur der Zeitschrift „Respekt“, Erik Tabery. Stransky habe unendlich viel getan, um an eine tragische Epoche der Geschichte zu erinnern. Im Rahmen des Projekts „Geschichten des Unrechts“ besuchte Stransky auch Schulklassen, um über seine Erlebnisse im Lager zu berichten. Oft soll er seine Vorträge dabei selbstironisch mit den Worten begonnen haben: „Ich bin so eine Art Fossil“.


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