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"The Messengers" auf ProSieben Maxx: Der Teufel ist Portugiese
Diogo Morgado spielt den gefallenen Engel.

"The Messengers" auf ProSieben Maxx: Der Teufel ist Portugiese

Foto: The CW
Diogo Morgado spielt den gefallenen Engel.
Kultur 2 Min. 10.04.2016

"The Messengers" auf ProSieben Maxx: Der Teufel ist Portugiese

Daniel CONRAD
Daniel CONRAD
Zapping-Zeit: Unser TV-Kritiker Daniel Conrad hat sich die nun auf ProSieben Maxx angelaufene Serie „The Messengers“ angesehen.

Von Daniel Conrad

Diogo Morgado bringt es nicht vom Saulus zum Paulus – sondern in diesem Fall treffender: vom Jesus zum Teufel. Stellte der portugiesische Schauspieler noch in der Aufsehen erregenden Miniserie „The Bible“ des amerikanischen History Channels und seinem in der Nachfolge produzierten Spin-Off, „Son of God“, eben diesen Sohn Gottes dar, macht er für die Fantasy-Science Fiction-Serie „The Messengers“ eine 180-Grad-Rollen-Wende. Als gefallener Engel Luzifer oder einfach nur „The Man“ stiftet er nun Unruhe auf Erden.


Ein Duell zwischen Gott und Teufel

Doch der Gott dieser Serie lässt den Teufel in Menschengestalt nicht einfach schalten und walten bzw. das Ende der Welt einläuten. Kurzerhand tötet gerade der Energiestoß des teuflischen Absturzes auf Erden einzelne, mit Problemen beladenen Otto-Normal-Bürger – um sie als „Boten“ bzw. „Engel“ wiederauferstehen zu lassen.

Diese „Messengers“ haben plötzlich Fähigkeiten, die sie vereint gegen das heraufziehende Böse einsetzen können. Natürlich sind sie somit auch das Ziel der teuflischen Manipulation. Oder waren sie es bereits vor ihrer neuen Bestimmung? Geht zum Beispiel der Verlust Veras auf den Eingriff des Bösen zurück? Plötzlich verschwand ihr kleiner Sohn, sieben Jahre später steht sie nun ohne Mann, Geld und Perspektive da. Oder was steckt hinter dem Waisenjungen und Außenseiter Peter, der offensichtlich einen Suizidversuch hinter sich hat?

Sie sind die „Boten“: Gesegnet mit unterschiedlichen Fähigkeiten, kämpft das sich bildende Team gegen das Böse.
Sie sind die „Boten“: Gesegnet mit unterschiedlichen Fähigkeiten, kämpft das sich bildende Team gegen das Böse.
Foto: The CW

Geschickt nähren die ersten Folgen den Zweifel, ob und wie dieses sich nur langsam findende Team durchsetzen könnte – vielleicht sogar, ob es überhaupt funktioniert, weil jeder individuell mit den eigenen Problemen beschäftigt ist. An sich ist das aus Sicht der TV-Fans eine herrlich konfliktreiche Ausgangsbasis – doch schon der mangelnde Zuspruch beim amerikanischen Publikum zeigt: An der Ausformung und Überfüllung auf die Dauer hapert es. Es scheint, als sei die bemühte Vielschichtigkeit ein Problem, wenn sie nicht konsequent durcherzählt wird.

Wer sich zum Beispiel an die die Folgen einer stillen Apokalypse thematisierende Serie „The Leftovers“ oder die sich entwickelnde Teambildung in „Sense8“ erinnert, merkt schnell, dass „The Messengers“ zu viele Drehs und Plotentwicklungen versucht. Aus dem Einschleichen des Endes der Welt quasi durch die Hintertür wird ein durch den Pürierstab gejagtes Konstrukt aus persönlicher Problembewältigung und allerlei Mystik-Potpourri aus der biblischen Offenbarung und der Fantasyecke.

„Binge Watching“ und Konzentration sind angesagt

Es entwickeln sich „Quests“, die an das Gaming erinnern. Aus dem Pool der Hauptdarsteller werden immer wieder Gruppen oder Einzelpersonen ausgegliedert, um Nebenabenteuer zu erleben oder ihre persönlichen – sehr amerikanischen – Schicksale aufzuarbeiten. Hier noch ein Ränkespiel, da ein Konflikt, da Gewissensentscheidungen, überraschende Wenden und die Dringlichkeit, die den Protagonisten auferlegt wird – das alles braucht Konzentration, um als Zuschauer mitzukommen.

Vielleicht ist das eigentlich letztlich sogar eine Frage des Rhythmus': Im neumodischen Binge Watching-Modus funktioniert „The Messengers“ sicher besser als im Wochenrhythmus mit langen Unterbrechungen.

ProSieben Maxx sucht den Mittelweg und fasst aktuell im Free-TV die 13 Einzelkapitel schon in Doppelfolgen zusammen. In den Vereinigten Staaten ist das Experiment dieser Serie gescheitert. Nach einer Staffel beim „Arrow“ und „The Flash“-Sender The CW war Schluss.

Seit Montag, dem 4. April 2016 montags ab 21.10 Uhr in Doppelfolgen auf ProSieben Maxx. Zum Staffel- und Serienfinale am Samstag, dem 9. Mai 2016 gibt es dann drei Folgen am Stück.