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Tears for Fears lassen Neumünster träumen
Kultur 15 3 Min. 26.06.2019

Tears for Fears lassen Neumünster träumen

In Ehren ergraut: Roland Orzabal, der Mitbegründer der britischen New-Wave-Band aus Bath.

Tears for Fears lassen Neumünster träumen

In Ehren ergraut: Roland Orzabal, der Mitbegründer der britischen New-Wave-Band aus Bath.
Foto: Claude Piscitelli
Kultur 15 3 Min. 26.06.2019

Tears for Fears lassen Neumünster träumen

Sophia SCHÜLKE
Sophia SCHÜLKE
Am Dienstagabend stand die Abtei Neumünster im Zeichen des Eighties-Synthpop: Tears for Fears waren zu Gast. Allerdings konnte die Band die Kraft ihrer Hits nur bedingt wieder heraufbeschwören.

Melodiös, ein bisschen düster und mysteriös und einiges an New Wave und Synth Pop. Mit diesem Rezept feierte die britische Band Tears for Fears in den 80er-Jahren und frühen 90ern Charterfolge. 


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Auf ihrer aktuellen Tournee „Rule the World“ wollen die Bandbegründer Roland Orzabal und Curt Smith den Zauber der 80er-Jahre noch einmal heraufbeschwören. Und mit ihnen die Konzertgänger, die am Dienstagabend mit Getränken in bunt bedruckten Plastikbechern, Falafel in der einen und Zigarette in der anderen Hand auf das Parvis der Abtei Neimënster gekommen waren.

So ging es, nachdem Seed to Tree als Vorband die Bühne geräumt hatten, geradezu überpünktlich um 21 Uhr los. Tears for Fears eröffneten mit „Everybody Wants to Rule the World”, einem ihrer größten Hits. 

Orzabal punktet mit Fremdsprachen

Die Faszination des Songs, die nicht allein durch das Ohrwurmpotenzial – ein Ergebnis von Curt Smiths heller Stimme und eingängigen Synthesizer-Klängen –, entsteht, sondern auch auf der Ambivalenz von vergnüglich klingender Melodie und ernstem Text fußt, nimmt die routiniert spielende Band als Aufwärmgarantie. Doch der Song, der an die geopolitischen Spannungen der Ära des Kalten Krieges erinnert, hätte wohl an späterer Stelle mehr von seiner nachdenklichen Wirkung entfalten können.


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Macht aber nichts, die Band zieht die Show weiter, das Eis zwischen Musikern und Konzertgängern bricht aber schließlich besser, als sich Orzabal nach dem dritten Song ans Publikum wendet. Der Brite punktet mit gutem Französisch und etwas Deutsch, als er unter anderem erklärt, dass Tears for Fears zum ersten Mal in Luxemburg auftreten.

Mit der Eröffnung und den ersten Songs war die Marschrichtung, die darin bestand, die bekanntesten Songs und größten Charterfolge der älteren Platten rauszuballern, klar.

Der Funke kam spät, aber er kam

Aber schließlich waren die Fans genau dafür gekommen – für das Debütalbum „The Hurting“ (1983) und die Nachfolger „Songs from the Big Chair“ (1985) und „The Seeds of Love“ (1989), wohl weniger für die drei neueren Platten, welche die Band in den 90ern und zuletzt 2004 herausbrachte.

Dem Retrobedürfnis zollte die Setlist indes starken Tribut, indem sie von insgesamt 15 gespielten Tears for Fears-Songs auch nur zwei bot, die diesseits des Jahres 1993 aufgenommen wurden.

Eine der stimmungsvollsten Minutenreisen zurück in die Vergangenheit eröffnete Curt Smith, wie Orzabal auch Jahrgang 1961, nach etwa der Hälfte des Konzerts mit „Advice for the Young at Heart“. Seine Hauptstimme klang dabei so jung, klar und hoffnungsvoll wie 1990, als die Single auf der zweiten Platte „The Seeds of Love“ erschien. Magisch.


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Den meisten Applaus hob sich die Menge aber für den etwas gruseligen Hit „Mad World“ auf, der mehrfach gecovert wurde und auch dafür verantwortlich ist, dass nicht nur Fans der ersten Stunde da waren. Euphorie schlägt den Musikern auch für das von Orzabal mal schwärmerisch gehauchte, mal brünstig gerufene „Woman in Chains“ entgegen. Die Ballade verleitete Viele zum Hin- und Herwiegen, und ließ sie den Blick rosarot verträumt auf einen nur für sie sichtbaren Fixpunkt heften. Es war einer der stärksten Momente des Konzerts.

Bedächtige Konzertstimmung

Bis es soweit war, hatte sich der Funke zum Überzuspringen aber Zeit gelassen, denn richtige Konzertstimmung kam erst in der zweiten Hälfte auf. 


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Einerseits hatte es die Band mit einem Termin, der um kurz nach Mitsommer fiel und abendliche Konzertstimmung in viel Tageslicht erdrückte, auch nicht die optimalen Voraussetzungen. 

Andererseits feiert der Großteil der Fans auch eher innerlich denn äußerlich, frenetisches Mitklatschen sieht man auf alten Konzertmitschnitten der Tears for Fears häufiger als an diesem Abend. 

Und die beiden Frontmänner spielen und singen zwar hochprofessionell, sind aber auch nicht traurig, als die Show vorbei ist. So stellte Orzabal bei „Shout“, der einzigen Zugabe, auch gleich klar, dass dies die letzte Nummer wird.


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