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T the Boss rappt neue Songs
Kultur 3 4 Min. 25.09.2019 Aus unserem online-Archiv

T the Boss rappt neue Songs

T the Boss stellt sein neues Album „De Papp" an diesem Freitag in der Rockhal vor.

T the Boss rappt neue Songs

T the Boss stellt sein neues Album „De Papp" an diesem Freitag in der Rockhal vor.
Foto: Anouk Antony
Kultur 3 4 Min. 25.09.2019 Aus unserem online-Archiv

T the Boss rappt neue Songs

Sophia SCHÜLKE
Sophia SCHÜLKE
Motivieren statt schimpfen: Rapper T the Boss bringt mit „De Papp“ sein fünftes Soloalbum heraus und vereinigt Sozialkritik und Spaß. An diesem Freitagabend stellt er die neue Platte im Club der Rockhal vor.

Seine erste Demo auf Luxemburgisch nahm Rafael Possing aka T the Boss 2001 auf. Damals noch als CD, selbst gebrannt und mit daheim ausgedrucktem Cover. Inzwischen hat der Rapper im Land mehr als 100 Live-Shows gegeben und gerade sein fünftes Soloalbum aufgenommen, das er am Freitag im Club der Rockhal vorstellt. Im Interview erklärt er, warum er in Songs gerne mal flucht, aber noch lieber motiviert und was aus seinem Streit mit Rapper Bandana geworden ist.

Rafael Possing, wieso heißt das neue Album „De Papp“?

Ich rappe schon sehr lange. Als ich angefangen habe, gab es aber keinen Rap auf Luxemburgisch. Erste kleine Demos hab ich auf Deutsch gemacht, aber sehr schnell gemerkt, dass ich einen zu starken Akzent und nicht genug Wortschatz habe. Heute gibt es viele junge luxemburgische Rapper und weil ich schon etwas älter und gewissermaßen der Vater des luxemburgischen Raps bin, habe ich diesen Titel gewählt.

Das neue Album erscheint nach einer dreijährigen Pause.
Das neue Album erscheint nach einer dreijährigen Pause.
Foto: T the Boss

Wie kam das damals an?

Sehr gemischt. Einige fanden es cool, aber es gab auch sehr viel Gegenwind. Manche Rap-Hörer haben die Meinung vertreten, dass Rap in amerikanischem Englisch oder auf Französisch gesunden werden muss. Heute rappen hier die meisten und die bekanntesten Rapper auf Luxemburgisch.

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Sie machen seit 2001 Musik, haben Ihren Sound aber modern gehalten. Woran liegt das?

Das hängt mit verschiedenen Komponenten zusammen. Klassischer Rap sind Samples (bereits fertige Musikaufnahmen werden in neue eingebaut, Anm.d.R.). Aber bei mir alles neu eingespielt. Mein Produzent ist ein Techno-DJ, der auch Hip-Hop macht, und das hört man an den Beats, die elektronischer sind.

Viele verstehen nicht, dass Fluchen Stressbewältigung ist.

Rafael Possing

Für „Mir sinn hinnen egal“ haben Sie 2014 ja Michael Jackson gesamplet. Wie war die Resonanz?

Das war eine Zeile aus „They Don't Care About Us“, für meine erste Single für das Album „T3000“. Das ist noch immer einer meiner Songs, den die Leute am meisten mögen.

Was ist Ihr Lieblingssong auf dem neuen Album?

„D'Welt brennt“. Es ist ein sozialkritischer Song, der sich darum dreht, dass wir uns mit Party machen von wichtigen Problemen ablenken. Dazu haben wir ohne Schnitt ein Video mit 40 Statisten gedreht, die drei Minuten stillstehen, während ich rappe.


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Was ist eigentlich aus dem Streit mit Kollege Bandana geworden?

Das darf man nicht immer alles so ernst nehmen. Das Hauptproblem war, dass er ein, zweimal gegen mich gestichelt hat, dann hab ich eine Zeile gegen ihn gesungen, woraufhin er ein ganzes Lied gegen mich geschrieben hat. Das war mir alles nicht so wichtig, bis er – der Klassiker – meine Mutter beleidigt hat. Deswegen habe ich ein Lied („B–Bandana Diss“, Anm.d.Red.) geschrieben und rausgebracht. Wir werden uns deswegen aber nicht in die Haare kriegen; ich denke, er ist ein ganz netter Kerl.

Er hatte 2015 mit seinem Video in Belval, inklusive Softwaffen und Polizeieinsatz, gute Werbung. Wie stehen Sie zum Gangsterrap?

Ich finde nicht, dass man Mafia oder Verbrechen glorifizieren sollte. Ich höre auch Gangsterrap, aber es ist mir wichtig, dass Rapper erklären, dass Verbrechen nichts Gutes ist und dass ihre Geschichten authentisch sind.

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Was ist Ihnen beim Rap wichtig?

Rap hat einen Wettbewerbscharakter, da gehören witzige Vergleiche dazu, auch mal Metaphern unter der Gürtellinie. Ich mache auch gerne Battlerap, das verwechseln die Leute oft mit Gangsterrap. Beim Battlerap kritisiert man andere Rapper, imaginäre Feindbilder oder Dinge, die einen an der Musikszene stören.

Was stört Sie an der Luxemburger Musikszene?

Was mich lange gestört, sich aber jetzt viel geändert hat, ist, dass manche Rapper Songs aufgenommen haben, aber nie mehr live aufgetreten sind oder dann nichts mehr kam. Jetzt gibt es viele, die kontinuierlich veröffentlichen. Was mich aber noch immer sehr stört, ist, dass genau auf die Trends aus Deutschland und den USA aufgesprungen wird. Der Trap Sound, der dort sehr erfolgreich ist, wird einfach kopiert. Es fehlt vielen Künstlern hier noch an eigener Identität.

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Wie erklären Sie sich das?

Das hat auch mit dem Alter der Künstler zu tun, den Jungen geht es nicht so sehr um Musik, sondern auch sehr um Erfolg. Der beste Weg, um einfach Erfolg zu haben, ist eine erfolgreiche Formel noch einmal zu versuchen. Aber das kann man nicht auf die Künstler verallgemeinern.

Tauscht man sich als Rapper mit Pop- oder Rockmusikern aus?

Weniger. Oft sind Rapper in Luxemburg eher stiefmütterlich behandelt worden. Obwohl ich viele Zuhörer habe, werde ich von manchen Festivals ignoriert. Das ist schade, weil Rap und Hip-Hop im Mainstream angekommen sind und in Luxemburg sehr viel Luxemburgischer Rap gehört wird. Da gibt es einige Künstler, die mehr Chancen verdient hätten.


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Haben manche Festivalveranstalter Angst vor Rap?

Es gibt ein paar harte Songs, aber wenn ich auftrete, passe ich mein Set an. Kommen viele Familien, haue ich keine harten Sachen mit Schimpfwörtern raus. Von meinen zehn jüngsten Singles sind mindestens sieben ohne Schimpfwörter und eher mit motivierendem Inhalt. Mich treiben persönliche und sozialkritische Themen um. Auch Motivationstracks liegen mir sehr am Herzen, es ist besser, etwas Positives mitzugeben. Ich habe fast überall in Luxemburg gespielt, aber das Rapperimage wird man nicht los. Aber wir mögen das ja auch und geben uns das Image der Ausgestoßenen, um noch mehr auf die Kacke zu hauen.
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T the Boss stellt sein Album „De Papp“ am Freitag im Club der Rockhal vor. Die Show beginnt um 20.30 Uhr. Karten 10 Euro.


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