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Supercalifragilisticexpialigetisch!
Disneys neue Mary Poppins, Emily Blunt, erobert die Herzen der Londoner Laternenanzünder und Zuschauer im Sturm.

Supercalifragilisticexpialigetisch!

Foto: Disneys Pictures
Disneys neue Mary Poppins, Emily Blunt, erobert die Herzen der Londoner Laternenanzünder und Zuschauer im Sturm.
Kultur 1 2 Min. 22.12.2018

Supercalifragilisticexpialigetisch!

Vesna ANDONOVIC
Vesna ANDONOVIC
Die Filmkritik der Woche: Da können alle Flimmerkisten-Super-Nannys einpacken, denn Mary Poppins ist wieder da. Natürlich wurde das zauberhafte Kindermädchen, das 1964 seinen großen Leinwandauftritt hatte, dem aktuellen Gusto angepasst. „Mary Poppins Returns“ fügt sich so nahtlos ins üppige Feiertagsmenüprogramm ein.

Dies gleich vorab: Dieser Film hat nicht nur das Zeug zur ausgezeichneten Realitätsflucht und dürfte somit – ganz nebenbei – ebenfalls der bitter notwendige Balsam für die Brexit erschütterte britische Seele sein, er ist auch einfach der perfekte Weihnachtsfilm schlechthin. „Mary Poppins Returns“ vereint alle Zutaten, die es für den zauberhaften generationsübergreifenden Familienausflug ins Kino über die Feiertage braucht: Spiel, Spaß, Spannung – und dazu den passenden Soundtrack und einige doppeldeutige Witze für Erwachsene.

Nach mehr als einem halben Jahrhundert kehrt die Fantasie beflügelnde Nanny (Emily Blunt) von Michael (Ben Whishaw) und Jane (Emily Mortimer) zurück ins Londoner Familienheim der Banks.

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Sie kommt gerade richtig, denn Michael, inzwischen selbst Vater und seit kurzem verwitwet, hat so seine Mühe die Zwillinge Anabel (Pixie Davies) und John (Nathanael Saleh) und Nesthäkchen George (Joel Dawson) großzuziehen. Als er durch einen Kreditzahlungsrückstand auch noch das Familienheim auf Nummer 17 Cherry Tree Lane zu verlieren droht – und zwar an die eigene, vom rücksichtslosen Wilkins (ein herrlich fieser Colin Firth) geführte Bank! –, kommt Mary Poppins' Rückkehr als Lichtblick gerade richtig.

Schwerelose Unterhaltung in Zeiten der Krise

Von der gebürtigen Australierin Helen Lyndon Goff erfunden, unterhält Mary Poppins Generationen von Lesern weltweit seit ihrem ersten Auftritt 1934, im ersten von insgesamt acht Büchern. Nach einer ersten Kinoadaptierung in Musical-Form mit Julie Andrews in der Hauptrolle, in der sie deutlich freundlicher porträtiert wird als ihr literarisches Alter Ego und dessen schwierige Entstehungsgeschichte „Saving Mr. Banks“ aus dem Jahr 2012 erzählt, kehrt Mary Poppins nun vor der Wirtschaftskrisenkulisse der 1930er-Jahre zurück – was dem Film des Musical erprobten Rob Marshall („Chicago“ und „Into the Woods“) trotz nostalgischem Einschlag eine gewisse Aktualität verleiht.

Ein schöner formaler Gegenpol dazu sind die prächtigen Animationen, die nicht per Computer, sondern ganz „old school“ per Hand gefertigt wurden. Die neuen Lieder (Texte: Scott Wittman; Musik: Marc Shaiman), wenngleich mit weniger einprägsamen Refrains, als die der Sherman-Brüder im fünffach Oscar preisgekrönten 1964er-Film, stehen Letzteren in der Handwerklichkeit ihrer Faktur jedoch in nichts nach. 

Eigene Poppins-Marke

Wenn das Disney-Imperium etwas kann, dann ist es mitreißende Melodien mit Texten zu paaren. Die ausladenden Orchestrierungen und Tanzchoreografien (Pole Dance der Laternenanzünder!) zaubern dabei einen gewinnenden Vintage-Flair.

Auch die neue Super-Nanny Emily Blunt braucht den Vergleich mit ihrer Vorgängerin Julie Andrews nicht zu scheuen, denn sie versucht nicht in deren Fußstapfen zu treten, sondern drückt der Figur ihre etwas werkgetreuere, da strengere Marke auf. Ben Whishaw überzeugt, während Colin Firth sowie Ex-Schornsteinfeger Bert, Dick Van Dyke, und Angela Lansbury, die mit ihren 92 und 93 Jahren jugendlich spritzig frisch daherkommen, der Besetzung das gewisse Etwas verleihen.

„Mary Poppins Returns“ ist wie ein Schaufenster voller bunter Cupcakes, an denen man sich sattsehen kann – für manche bis hin zu einer schmerzhaften Leberkrise. Unterhaltsam, kurzweilig, das komplette Wohlfühlprogramm: „supercalifragilisticexpialigetisch“!


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